Folge mir auf Facebook

Folge mir auf Twitter

Die Gedanken des Manuel Weber zu den Ereignissen in Köln

Zu diesem Thema wurde schon soviel geschrieben und gesagt, dass ich mich eigentlich nicht dazu äußern wollte. Da mich aber einige Leute angeschrieben haben und wissen wollten, wie meine Meinung dazu ist, hier mein Statement.

Ich finde es schade, dass überhaupt darüber diskutiert werden muss. Eigentlich ist die Sache doch ganz klar.
Diese furchtbare Tat ist nicht zu entschuldigen oder zu beschönigen und die Täter, unabhängig von Herkunft oder Religion, müssen hart bestraft werden. Auch mit Abschiebung, sofern es sich um Asylsuchende oder Ausländer handelt.
Das dürfte die große Mehrheit genau so sehen.

Genau so klar sollte eigentlich auch sein, dass das Geschehen keine neue Flüchtlingsdebatte auslösen sollte. Das scheinen allerdings Einige anders zu sehen. War auch nicht anders zu erwarten.

Die ganzen besorgten Bürger und Patrioten atmen nun erleichtert auf. Endlich ist was geschehen, hatten sie also doch recht. Sie haben uns Gutmenschen ja gewarnt.
Und ehe man sich versieht, werden die Islamkritiker nun zu Frauenrechtlern.
Zuerst Helfer und Freund aller Obdachlosen, jetzt Ritter und Beschützer der Frauen.
Deutscher Frauen versteht sich. Die syrischen, irakischen oder afghanischen Frauen, die verängstigt in den Heimen sitzen, vor denen demonstriert wird, die interessieren sie nicht.

Auch die durchschnittlich 10 angezeigten Vergewaltigungen pro Jahr auf dem Oktoberfest (die Dunkelziffer liegt laut Polizei bei ca. 200) haben sie bisher nicht interessiert.
Konnte man ja auch schlecht für seine Propaganda nutzen.

Jetzt aber lässt sich das Leid der Frauen prima nutzen, um sie gegen das Leid vieler Geflüchteter auszuspielen.
Eben hat man deutschen Politikerinnen noch eine Vergewaltigung gewünscht oder dass sie mal "so richtig durchgevögelt" werden, jetzt spielt man plötzlich den Frauenrechtler.
Ich habe ihnen ihre Sorge um die Obdachlosen nicht abgekauft und ich kaufe ihnen das auch nicht ab.

Denn entweder man hat Nächstenliebe, Empathie und ein Herz für Menschen, oder eben nicht. Aber mir kann keiner glaubhaft erzählen, dass ihn das Leid von Deutschen, Franzosen oder Österreichern berührt, aber das von Syrern und Irakern nicht. Wenn das so ist, dann läuft mächtig was schief! Dann zieht auch die "besorgter Bürger-Masche" nicht mehr, dann ist man einfach nur Rassist!

Auch die ganze Debatte um Polizei und Politik ist meiner Meinung nach die falsche Debatte. Natürlich muss man überlegen, wie man sowas zukünftig vermeiden kann.
Natürlich waren die Verhaltenstipps von Frau Reker äußerst unglücklich. Aber diese ganzen Shitstorms nerven mich. Hilft es irgendwem in dieser Situation auf eine Frau einzudreschen, die seit 4 Wochen im Amt ist und selber gerade erst als Frau von einem Mann attackiert wurde?

Auch dieses Geschimpfe auf Polizei und Politik nervt mich. Wurden an dem Abend Fehler gemacht? Ich weiß es nicht, gut möglich. Aber mit sowas konnte doch keiner rechnen.
Die Polizei war mit 200 Mann vor Ort. Für mein Empfinden sind das viele Polizisten. Die konnten nicht mit ihren Familien feiern, sondern haben für unsere Sicherheit ihren Dienst getan. Und jeder bestimmt so gut wie er konnte. Statt jetzt auf die Polizei zu schimpfen, kann man auch mal dankbar sein, dass die überhaupt ständig ihren Kopf hinhalten, während wir zuhause auf dem Sofa sitzen.

Und die Politik? Was passiert denn in der Bevölkerung, wenn das Thema Kameraüberwachung, Vorratsdatenspeicherung o.ä. angesprochen wird? Dann gibt es einen Aufschrei der Empörung. Kommt es aber zum Knall, sind auch alle empört, dass nicht genug getan wurde.
In einem Land mit 82 Millionen Menschen kann man es nicht allen Recht machen und kann auch nicht immer alles richtig machen. Wir sind alle Menschen und keiner ist perfekt. Auch nicht die Politiker.

Was mich aber wirklich wundert ist, dass eine bestimmte Debatte völlig vernachlässigt wird. Nämlich die Debatte über Zivilcourage.
Ich frage mich die ganze Zeit, ob auf dem Platz nur deutsche Frauen und "nordafrikanisch und arabisch aussehende" Männer waren.
Wo waren denn die deutschen Männer? Wo waren die Männer, die eingreifen und die Frauen beschützen?
Ich lese auf FB ständig Kommentare, in denen halbstarke Patrioten "dem Muselmanen" Kloppe androhen, wenn sie seine Frau anzufassen. Aber an dem Abend hat keiner was mitbekommen? Niemand ist eingeschritten? Ich habe nicht gelesen oder gehört von Schlägereien oder Körperverletzungen.
Ich finde das seltsam.
Vielleicht waren die auch zu sehr damit beschäftigt, Böller in die Menge zu werfen.
Ich kann es jedenfalls nicht verstehen.

Auch wenn es vermutlich nichts bringt, kann ich trotzdem nur davor warnen, jetzt alle Flüchtlinge unter Generalverdacht zu stellen (obwohl sie das bei vielen leider eh schon sind). Ansonsten landen wir nämlich bald alle unter Generalverdacht. Dann ist jeder Ehrenamtler ein linksversiffter Gutmensch, jeder AfD-Wähler ein Brandstifter, jeder Obdachlose ein Säufer und jeder Politiker ein Volksverräter.

In so einem Land möchte ich nicht leben!

Ich weiß nicht, wie es weitergeht. Ich bin aber Optimist, kenne viele Flüchtlinge und viele gute Deutsche. Ich glaube, dass alles gut ausgeht.
Aber selbst wenn nicht, selbst wenn sowas wie in Köln häufiger passieren sollte - ich würde alles wieder genauso machen.
Denn es gibt doch nur zwei Möglichkeiten:

Es klappt und alle sind glücklich - außer der brauen Mob, denn nun ist es nicht mehr länger salonfähig zu hetzen.

Oder es klappt nicht. Dann werden die Hetzer sich auf die Schulter klopfen und mit dem Finger auf uns Gutmenschen zeigen und sagen: "Wir haben es ja gewusst."
Ich werde dann aber die Gewissheit haben, dass ich dafür gearbeitet habe, dass es klappt und mir selbst und anderen bewiesen habe, dass es in diesem Land noch Nächstenliebe und Menschlichkeit gibt.
Wenn wir, wie die rechten Propheten es voraussagen, wirklich untergehen sollten, dann gehe ich in Würde und mit Liebe unter. Immer noch besser als Recht gehabt zu haben, aber ein hasserfüllter Egoist zu sein.

Wir schaffen das!

Euer Manuel

Kommentare: 1
  • #1

    Eva Schmelzer (Montag, 01 Februar 2016 12:14)

    Dieser Artikel rührt mich an und spricht mir aus dem Herzen. Ich glaube auch nicht, dass es so viele „besorgte Bürger“ gibt, ich denke, es ist den meisten eine willkommene Gelegenheit, mal so richtig auf Polizei und Asylanten und „Gutmenschen“ loszugehen. Manuel, wir werden nicht untergehen. Nur wird Deutschland mit der Zeit anders aussehen. Es ist aber heute auch anders als vor 100 Jahren. Die Zeit verändert eben die Dinge. Wovor sollen wir Angst haben? Freuen wir uns auf eine Zukunft, wo Menschen in diesem Land friedlich miteinander leben. Was interessiert es mich, ob die Vorfahren meines Nachbarn seit Generationen (in meinem Fall) Düsseldorfer sind oder irgendwann zugewandert sind? Was ändert das an einem guten Verhältnis? Menschen sind in erster Linie nicht einer Religionsgemeinschaft zugehörig, nicht Volk eines Staates und einer anerzogenen Gesellschaftsform, Menschen sind Menschen, die alle die gleichen Bedürfnisse haben, um leben zu können, die lachen und weinen und Schmerz empfinden.
    Danke auch für die Links zum Thema