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Eine Frage des Charakters

Text: Manuel Weber

31.08.2016

 

Ist euch schonmal aufgefallen, dass sich die Wortwahl und die Diskussionskultur von Gutmenschen und besorgten Bürgern drastisch unterscheidet?
Ganz deutlich wird dies, wenn man sich mal vorstellt, Gutmenschen würden sich in Kommentaren wie Besorgtbürger äußern.
Das würde dann wohl so aussehen:

"Ich bin ja kein Gutmensch, aber das muss ich mal loswerden!!! Ihr rechtsbraunversifften Schlechtmenschen! Eure rechtsradikalen Übergriffen sind angeblich alles nur Einzelfälle. Ihr naiven Brandsatzwerfer und Abschiebeklatscher!
Ihr werdet erst wach, wenn eure Frauen von Nazis geschändet werden. Alle Nazis sind Hartz IV-Schmarotzer und DDR-Wirtschaftsflüchtlinge, die auf unsere Kosten den ganzen Tag vor Flüchtlingsheimen randalieren. Das ist Fakt!! Wird Zeit, dass der Maas mal wieder kommt und aufräumt! Ihr gehört doch eh alle zur Anti-Antifa und werdet von der AfD bezahlt. Danke Petry!!!1!! Das wird man ja noch sagen dürfen!!?!!"

So klingen leider häufig die "Argumente" von AfD-Anhängern und anderen besorgten Patrioten.
Ich kann damit leben, dass nicht Jeder meine Meinung teilt, aber deswegen muss ich den Anderen nicht beleidigen oder bedrohen.

Aber warum werden Flüchtlinge, Politiker oder Menschen, die sich nicht an der Hetze beteiligen, so oft beschimpft?
Weil sich in den Kommentaren der Charakter der Verfasser offenbart.

Wenn man eine Orange auspresst, kommt Orangensaft heraus.
Presst man eine Zitrone aus, kommt Zitronensaft heraus.
(Sollte Apfelsaft herauskommen, handelt es sich vielleicht um die berühmte Lügenpresse).
Unter Druck kommt halt immer das heraus, was im Inneren ist. Und aus einem Grund, der mir nicht ganz klar ist -denn in Deutschland geht es uns immer noch sehr gut- stehen besorgte Bürger gerade unter Druck.
Und heraus kommen Lügen, Beleidigungen und Drohungen.
Wo Schlechtes drin steckt, kommt auch Schlechtes heraus.

Nach dem Abendbrot die Kinder ins Bett bringen, Gute-Nacht-Kuss geben und sich danach an den PC setzen, sich bei Facebook einloggen und sich bei Focus Online darüber freuen, das im Mittelmeer ein Flüchtlingsboot untergegangen ist. Das macht man nicht, wenn man einen guten Charakter hat.

Vielleicht sind diese Leute ja gerne Schlechtmenschen. Vielleicht fühlen Sie sich als Fieslinge ja wohl. Das ist schade.
Aber mich werden sie deswegen nicht zu einem Fiesling oder Schlechtmenschen machen.
Ich werde auch weiterhin freundlich und respektvoll kommunizieren. Denn so machen das nette Menschen. Auch mit Fieslingen.
Auf das Benehmen meines Mitmenschen habe ich keinen Einfluss, auf mein eigenes schon.

Mit bewusst freundlichen Grüßen,
Euer Manuel

Kommentare: 4
  • #4

    Marion Hartmann (Donnerstag, 03 November 2016 20:05)

    Mit Meinungen kann man, wie ich es sehe, nichts anfangen. Stets handelt es sich entweder um höchst individuelle oder gleichgerichtete Bewusstseinsinhalte, in welcher Richtung und zu welchem Thema auch immer.
    Greifbare, nachweisliche Fakten allein sind es, die über einen Sachverhalt Aufschluss geben und nach denen beurteilt werden muss.
    Es sind sowohl traumatisierte Flüchtlinge, als auch kriminelle Übergriffe von Flüchtlingen in ganz Deutschland nicht zu leugnen.
    Wie man letzteres den Menschen des Aufnahmelandes verdaulich machen will, weiß ich nicht. Speziell hier bei uns.., Raubüberfälle, Drogenhandel, sexuelle Übergriffe auf Minderjährige.
    Ich hatte dieser Tage ein Posting auf Facebook, ein Wiener Fotograf schrieb: "Eine jahrelange, wunderbare Facebookfreundschaft. Plötzlich erscheint von diesem Freund ein fremdenfeindlicher Satz.
    Ich war geschockt und löschte diesen Freund sofort von meiner Seite.., weg und fort. Frage: wie könntet Ihr mir dazu raten?" Und ich schrieb ihm,..einen Freund sofort von der Kante zu stoßen, finde ich nicht gut. Besser wäre, ihn nach den Gründen dieser, seiner Äußerung zu fragen, mit ihm darüber zu reden.
    Man wirft viel zu schnell mit braunem Sumpf nach den Leuten.
    Der wirkliche braune Sumpf denkt nicht, fragt nicht, er ist gezeichnet von Gewalt und Hass.
    In unserer Gegend haben sich einige Flüchtlingsfamilien eingelebt, sie sind freundlich, aufgeschlossen und ebenso tritt man ihnen auch entgegen. Wir haben ein Flüchtlingslager ganz in der Nähe, man trifft täglich auf diese Menschen, ohne Probleme.
    Ich mag es nicht, wenn diese Thematik nur einseitig betrachtet wird.., alles super oder..alles schlecht.


  • #3

    Friedrich (Dienstag, 04 Oktober 2016 19:17)

    Es gibt unter den Menschen stets verschiedene Meinungen, da ja auch die Menschen verschiedenartig sind. In einer Diktatur gibt es eine vorgegebene "richtige" Meinung. Eine echte Demokratie wird von der Verschiedenheit der Meinungen bereichert. Allerdings nur, wenn diese Meinungen sachlich, den anderen respektierend und gewaltfrei vertreten werden. Leider hat die politische Streitkultur in unserem Land ganz schön gelitten. Das haben nicht zuletzt auch die Ereignisse in Dresden zum Tag der Einheit gezeigt. Aber nicht nur da! Wir müssen verbal abrüsten, ehe dieser Prozeß weitergeht und irgendwann und in offene Gewalt umschlägt. Haßkommentare nicht stillschweigend hinnehmen, sondern einen eigenen Standpunkt dazu finden und öffentlich vertreten. Bei uns in Sachsen gibt es immer wieder Menschen, die das mutig tun, aber es reichliche Beispiele, das sie von Politik und Staat allein gelassen werden - bis hin zum Bürgermeistern, die dann irgendwann das Handtuch warfen. Nur ein Beispiel: Unsere Kanzlerin hat jetzt, als sie in Dresden war, mit dem Imam der Moschee gesprochen, gegen die ein Anschlag verübt wurde. Der sächsische Ministerpräsident Tillich hat das nicht fertig gebracht.

  • #2

    Eva Schmelzer (Sonntag, 02 Oktober 2016 11:24)

    Danke, Manuel, für diese Gedanken! Du hast das so treffend in Worte gefasst, was ich fühle (und sicher viele, viele andere). Ich habe auch noch mal Deine früheren „Gedanken“, den „Versuch eines Dialogs“ und Deinen „Alptraum“ in diesem Zusammenhang gelesen, was ein erschreckendes Gesamtbild gibt, aber andererseits auch die tröstende Gewissheit verstärken, dass es diese Menschen wie Dich ja auch gibt.
    Ich bin auch sicher, dass viele gerne zu den „Schlechtmenschen“ gehören. Und sie geben es desto offener zu, je mehr sich ungeniert dazu bekennen, weil auch eine solche Gruppe stärker und mutiger wird, je größer sie wird.
    Jeder Mensch hat die verschiedensten Gefühle, nur sind bei einigen alle positiven verkümmert, und es dominiert das eine: Hass!

  • #1

    Torsten (Samstag, 01 Oktober 2016 20:42)

    Lieber Manuel, danke für diesen tollen Artikel - Du sprichst mir damit aus der Seele!
    Und das Beste ist ja: Wenn diese "besorgten Bürger" sich derart regierungskritisch äußern würden, wie sie es heute tun, hätte man sie in einer Gesellschaft, die sie anstreben, schon längst mundtot gemacht...
    Es ist wichtig, dass wir diesem sinnlosen Hass, diesen Vorurteilen, mit Anstand und Charakter entgegen treten. Auch mit solchen Artikeln wie Deinem.