Folge mir auf Facebook

Folge mir auf Twitter

Vertikale Wälder in der Stadt

Text: Gudrun Kaspareit

Foto: Wikipedia

Vertikaler Wald an den Bosco Towern
Foto: Von Thomas Ledl - Fotografie von Thomas Ledl, CC-BY-SA 4.0, https://de.wikipedia.org/w/index.php?curid=9750825

 

Der italienische Architekt Stefano Boeri stellt sein Werk „Waldstädte“ vor. Eines seiner berühmtesten Gebäude ist der "Bosco Verticale", auf Deutsch "vertikaler Wald", zwei begrünte Hochhäuser in Mailand.

 

Vertikale Wälder in der Stadt

 

In China ist Smog und Luftverschmutzung ein sehr großes Problem. China weiß das und setzt immer öfter auf erneuerbare Energien, Umweltschutz, Nachhaltigkeit und andere umweltverträgliche Maßnahmen. So hat China z.B. eine große, grüne Mauer gepflanzt, um die Wüste zurückzudrängen. Auch hat China den Ehrgeiz die größte Solar Anlage der Welt zu bauen. Ein weiteres Großprojekt sollen nun vertikale Wälder an Hochhäusern in Städten sein.Der italienische Architekt Stefano Boeri stellt sein Werk „Waldstädte“ vor. Eines seiner berühmtesten Gebäude ist der "Bosco Verticale", auf Deutsch "vertikaler Wald", zwei begrünte Hochhäuser in Mailand. Auf der äußeren Seite der Wohngebäude sind tausende Bäume, Sträucher und Hecken gepflanzt. Mit seinem Projekt "Forest City", also zu Deutsch "Waldstadt", will er noch mehr. Er möchte u.a.die chinesische Stadt Shijiazhuang in einen grünen Lebensraum verwandeln. Darin sollen laut seinen Plänen 100.000 Menschen wohnen können. Boeri wünscht sich auf der ganzen Welt Nachahmer. "Ich habe absolut kein Problem damit, wenn Menschen das kopieren oder nachbilden. Ich hoffe, dass das, was wir getan haben, auch für andere Arten von Experimenten hilfreich sein kann." Wird Boeri zitieren.

 

Pflanzen sind gut für das Klima, sie entnehmen der Atmosphäre CO2, spenden Sauerstoff, filtern Staub aus der Luft und sparen Energie, da sie als Dämmung dienen. In chinesischen Städten ist oft nicht genug Platz für Grün, deshalb will der Architekt die Fassaden von Hochhäusern begrünen und vertikale Wälder erschaffen. So entsteht in Liuzhou die erste Waldstadt. Bis 2020 sollen sechs staatliche Städtegruppen, 200 staatliche Waldstädte sowie 1.000 vorbildliche Walddörfer in China entstehen.

Eine der Herausforderungen bei der Planung war es, die richtigen Bäume zu finden. Sie sollten nicht zu hoch wachsen, damit ein eventueller Sturm sie nicht aus ihrer Verankerung reißen kann. Sie brauchen genügend Platz für die Wurzeln und müssen zusätzlich gesichert sein, um die Stabilität der Häuser nicht zu gefährden.

In Liuzhou hat nun die Umsetzung der ersten grünen Stadt begonnen. Dort wachsen Bäume, Büsche und Gräser nicht nur in öffentlichen Parkanlagen, wie überall auf der Welt, sondern auch üppig auf Dächern, Terrassen und Balkons . Eine Million Pflanzen werden vertikal an den Außenseiten der Häuser und auf den Dächern und Terrassen wachsen und so große Teile der Stadt überdecken. Der Architekt Boeri legte dabei hohen Wert auf eine große Artenvielfalt. Die Pflanzen Dämmen Hitze, wie Kälte, filtern die Luft und locken Vögel und Insekten an. Allein die 40.000 geplanten Bäume ziehen jährlich circa 10.000 Tonnen CO₂ und 57 Tonnen Feinstaub aus der Luft. Damit setzen sie rund 900 Tonnen Sauerstoff frei. Zudem soll die Waldstadt sich selbst mit Energie versorgen und zwar durch Solaranlagen und Geothermie, damit das Leben in diesen Städten wirklich nachhaltig sein wird.

Man kann diesem Projekt nur das Allerbeste wünschen und wirklich viele Nachahmer auf der ganzen Welt. Ich kann mir gut vorstellen, das die Menschen eine Ur-Sehnsucht haben, nach diesem grünen Leben und diese Waldstädte begeistert annehmen werden.

Kommentare: 2
  • #2

    Eva Schmelzer (Donnerstag, 03 August 2017 16:58)

    Das verblüfft mich sehr! Sollte nun China langsam zum Vordenker in Sachen Umweltschutz und Nachhaltigkeit werden? Es ist bereits die von Dir erwähnte Solaranlage, die mich erstaunt hat, hinzu kommt, dass Chinas Elektro-Autobauer ihren Heimatmarkt bereits jetzt schon weitgehend beherrschen, die Zulassungszahlen kräftig steigen und China mit E-Autos sogar den Weltmarkt erobern will, während Europa schläft. Und dass jetzt die Idee der vertikalen Wälder, auch wenn sie von einem Italiener kommt, so gern angenommen wird, ist einfach großartig. Ich kann kaum fassen, dass bereits mit der Umsetzung begonnen wurde und in Liuzhou eine Million Pflanzen an den Außenseiten der Häuser und auf den Dächern und Terrassen wachsen werden und dass weitere solche Projekte kurzfristig geplant sind.
    Vielleicht muss ein Volk wirklich erst fast nahezu erstickt sein an der Luftverschmutzung, dass so gern und vor allem schnell gehandelt wird. Ich wünsche Stefano Boeri und seinen „Waldstädten“ eine ganz große Zukunft nicht nur in China.

    Zu Erikas vielleicht berechtigter Skepsis möchte ich anmerken, dass Boeri mit Sicherheit alle vorhersehbaren Probleme mit anderen Architekten, Statikern, Gärtnern usw. durchdacht hat. Wie nun die Einzelheiten wie spätere Pflege der Bäume, Büsche und Sträucher gehandhabt wird, sehe ich als recht leicht zu bewältigendes Problem an, zumal ich sicher bin, dass Menschen, die in einem solchen Haus leben, großes Interesse haben, ihren „Wald“ vor dem Fenster und vor der Tür zu erhalten, die Allermeisten werden ihn lieben.

  • #1

    Erika Bulow-Osborne (Dienstag, 01 August 2017 19:44)

    China hat grosse Probleme mit Smog und Luftverschmutzung. Das Interesse , diese gesundheitsschaedigenden Problem zu beseitigen, fuehrten dazu, dass der Schweizer Architekt Stefano Boeri beauftragt wurde, seine Waldhaeuser zu errichten.. Er moechte Nachahmer in anderen Laendern haben, bestimmt mit der Absicht, moeglichst vielen Menschen weltweit zu helfen. Es ist klar , dass die Arten der Baeume nur beschraenkt zugelassen werden koennen, weil ihre Wurzeln Ausdehnung brauchen und das Gebaeude nicht beschaedigt werden darf. Boeri braucht die Erfahrungen anderer Architekten , um Probleme beseitigen zu koennen.
    Ich habe einige Fragen:Was geschieht, wenn ein Baum falsch behandelt wird, wenn er vertrocknet? Wer ist verantwortlich fuer die Pflege des Baumes? Wie wirkt sich ein massiver Einfall von Fressfeinen aus in einem mehrstoeckigen Hochhaus , mit einer limitierten Art von Baeumen?