Folge mir auf Facebook

Folge mir auf Twitter

Die tickende Zeitbombe

Text: Gudrun Kaspareit

Foto: Wikipedia

09.04.2019

Von NASA employee? - http://science.nasa.gov/newhome/headlines/ast27jul99_1.htm, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=111750
Von NASA employee? - http://science.nasa.gov/newhome/headlines/ast27jul99_1.htm, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=111750

Ein Viertel der Landfläche der Erde besteht aus Permafrostböden. Dank des Klimawandels beginnen sie zu tauen. Das führt in Sibirien und Alaska zu Erdrutschen, Überschwemmungen und eingestürzten Häusern. Die Permafrostregionen speichern gigantische Mengen an CO2, die nun nach und nach freigesetzt werden. Es kommt aber nicht nur zu einem Ausstoß von Methan und CO2, welche die Erderwärmung beschleunigen, sondern es lagern auch ungeahnte Mengen Quecksilber in den gefrorenen Böden. Kürzlich stellten Wissenschaftler fest, dass sich dort riesige Mengen an Quecksilber befinden. Einer im Februar in den Geophysical Review Letters veröffentlichten Studie zufolge handelt es sich gar um das größte Reservoir der Welt. Die Befürchtung: Im Zuge der Erwärmung könnte das giftige Element in den Stoffkreislauf und so in die Nahrungskette gelangen – mit unvorhersehbaren Folgen.

 

Schon 2009 dokumentierte Greepeace auf der Halbinsel Jamal in der Karasee, dass die tauenden Böden ins Rutschen kommen. Ganze Wälder kippen, fester Boden wird zu tiefem Sumpf; Asphalt birst, Häuser reißen ein, Öl- und Gaspipelines brechen. Dort kollabieren ganze Landschaften.

Der Permafrost gilt als ein zentrales Kippelement für das Klima. Das heißt, kippt das Klima hier, so hat dies Auswirkungen auf das gesamte Weltklima. Die immensen Mengen an Treibhausgasen, die im Boden lauern, können den Klimawandel ungeheuer beschleunigen.

Permafrostböden sind Kohlenstoffsenken. Schätzungen zufolge könnten dort 1.600 Milliarden Tonnen Kohlenstoff gespeichert sein. Taut der Boden, so wird das organische Material der oberen Bodenschicht von Mikroorganismen zersetzt. Steht dabei Sauerstoff zur Verfügung, entsteht Kohlendioxid (CO2). Herrscht Sauerstoffmangel, weil Wasser auf der Oberfläche steht, entsteht durch Fäulnisprozesse Methan (CH4). Methan ist etwa 21-mal gefährlicher für das Klima als Kohlendioxid. Des Weltklimarats IPCC zufolge sind in den Tundren deutlich höhere Mengen am Treibhausgasen gespeichert, als bislang gedacht.

Und noch andere Gefahren lauern im gefrorenen Boden, wie der Anthrax Ausbruch in Sibiren gezeigt hat. 2016 gaben die angetauten Böden die Sporen des Milzbranderregers frei. Rentiere nahmen ihn beim Äsen auf und infizierten sich. Binnen kürzester Zeit verendeten mehr als 2300 Tiere. Auch Menschen wurden krank. Wer weiß, was noch alles im Frost gefangen ist und bei Tauwetter frei gelassen wird.

Aus all diesen genannten Gründen sprechen Forscher über die Permafrostzonen von einer tickenden Zeitbombe. 

Kommentare: 1
  • #1

    Eva Schmelzer (Montag, 15 April 2019 11:35)

    Der Klimawandel ist ein großes Thema und bleibt es hoffentlich. Aber eine so umfassende Darstellung, vor allem was den Permafrost betrifft, hab ich noch nicht gelesen. Eher waren immer die Pole im Gespräch, nicht aber so sehr andere Gegenden der Erde. Dass sich die Luft der Arktis bereits um drei bis vier Grad Celsius stärker erwärmt als im Rest der Erde, dass deshalb Gegenden der südlichen Arktis nicht mehr ganzjährig zufrieren, war bekannt. Für den Norden aber hatten aktuelle Klimamodelle solche Tauprozesse erst für die zweite Hälfte des Jahrhunderts vorausgesagt. Und jetzt, 2019, nimmt die Dramatik schon ihren Lauf! Ein globales Umdenken und vor allem Taten sind jetzt sofort gefragt. Und - ja auch wir, jeder Einzelne kann und muss dem Wort "Nachhaltigkeit" eine lebendige Bedeutung geben.