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Die Apokalypse

Dieser Begriff wird gerne inflationär gebraucht  und klingt unheilschwanger, aber sehr überzogen. Er ist eigentlich eher etwas für Hollywoods  Katastrophenfilme.  Was jedoch die aktuelle Klimakrise angeht, hat sich erwiesen, dass dieser Begriff eher noch zu harmlos gewählt ist.

Schon jetzt zeigen sich die Folgen der Erderwärmung deutlich. Stürme, Erdrutsche, Überschwemmungen, Dürrezeiten, Waldbrände nehmen zu.  Gletscher und Permafrostböden tauen. Die Meere erwärmen sich. Gerade auch in Deutschland steigt die Zahl der Waldbrände dramatisch an.

Studien belegen, die Erderwärmung schreitet schneller voran, als gedacht.  Wissenschaftler und Forscher appellieren SOFORT aus der Kohle auszusteigen.

Oktober 2018: Der Weltklimarat (IPCC),  die anerkannteste Institution auf dem Gebiet, der alles Wissen und die aktuellen Studien zusammen trägt, sagt Folgendes: Die auf den ersten Blick gering scheinenden 0,5 Grad haben tatsächlich massive Auswirkungen. Unter anderem werden Dürren und Waldbrände viel häufiger; der Meeresspiegel wird massiv stärker steigen; mehr Tierarten werden aussterben; Korallenriffe werden bei einem Temperaturanstieg um 2 Grad fast vollständig verschwinden. Und  die Permafrostböden werden auftauen in der Größenordnung   der zwei- bis vierfachen Fläche Frankreichs.

 

November 2018:  Im vierten "National Climate Assessment" der US-Regierung prognostizieren die Autoren horrende Kosten und katastrophale Folgen für die USA.  Neue Beobachtungen und Vorhersagen weisen darauf hin, dass Entscheider weniger Zeit haben als bisher gedacht, um auf die Folgen der Klimaveränderung zu reagieren.

Dezember 2018. Forscher schreiben in "Nature", es gebe Hinweise darauf, dass die Erhitzung schneller voranschreite als gedacht und dass die Erde nicht erst im Jahr 2040 um 1,5 Grad wärmer sein wird, sondern schon im Jahr 2030.

Januar 2019: Das Eis im Südwesten Grönlands schmilzt schneller als bisher angenommen, wie eine Studie zeigt. Dabei handelt es sich nicht um Gletschereis, sondern um das Eisschild selbst, in einer Gegend, die bisher nicht als sonderlich gefährdet galt.  Auch das Volumen der meisten Gletscher in Asien ist kleiner als bisher angenommen, schreiben Forscher der ETH Zürich in „Nature Geoscience“. Das hat Folgen für die Wasserversorgung für viele Staaten in Asien, in denen die Himalaja-Gletscher wichtige Süßwasserspeicher sind. U.A. wird der Ganges, Indiens wichtigste Wasserader, aus Himalaya Gletschern gespeist.

Februar 2019: Kanadas Wälder speichern wegen Klimaschäden, Waldbränden, Insektenbefall und Abholzung weniger CO² als bisher gedacht und werden in der Klimabilanz des Landes bisher nicht angemessen berücksichtigt.

März 2019: Das Umweltprogramm (Unep) der Vereinten Nationen warnt: Neue Daten legen nahe, dass der arktische Permafrost viel schneller auftaut als bisher angenommen. Damit könnten schneller große Mengen Methan in die Atmosphäre gelangen, die im vereisten Boden gespeichert sind. Methan hat eine viel stärkere Treibhauswirkung als CO². Damit würde sich die Erderhitzung beschleunigen und könnte schnell außer Kontrolle geraten. Wenn das passiert, wäre erreicht, was Wissenschaftler "Kipp-Punkt" nennen: Der ganze Prozess gerät völlig außer Kontrolle, verstärkt sich selbst und der Mensch hat keine Möglichkeit mehr, einzugreifen.

Juni 2019: Wissenschaftler aus Harvard kommen zu dem Schluss, dass die Gefahr durch auftauende Permafrostböden noch viel größer ist als geglaubt – weil die in Alaska etwa 12 Mal mehr N2O (Distickstoffmonoxid, bekannt als Lachgas) abgeben als bisher geglaubt. Und N2O ist ein extrem wirksames Treibhausgas, es erhitzt die Erde viel stärker als CO2. Bisher war die Wissenschaft eher davon ausgegangen, dass Lachgas in Permafrostböden keine sonderlich große Gefahr darstellt.

Forscher der Universität von Alaska Fairbank haben festgestellt, dass der kanadische Permafrostboden viel schneller taut als erwartet. An allen Messpunkten sei der Boden jetzt so stark oder stärker getaut, als es Prognosen für das Jahr 2090 vorhergesagt haben – also 70 Jahre früher als geglaubt.

 

Das alles bedeutet, dass die sog. Kipppunkte, an denen dann nichts mehr geändert oder aufgehalten werden kann, sehr viel schneller eintreten und uns Menschen kaum noch Spielraum zum Handeln lassen. Wir müssen diese Informationen sehr ernst nehmen und entschlossen handeln. JETZT!

 

Kommentare: 1
  • #1

    Eva Schmelzer (Dienstag, 16 Juli 2019 13:31)

    Ja, es ist irgendwie ungemütlich, aber es ist die Pflicht eines jeden, diesen Artikel und die Links dazu zu lesen. Wir haben keine Wahl mehr, müssen uns mit dem Klimawandel beschäftigen. Das Schlimmste wäre, dass wir uns an das Thema gewöhnen, nicht mehr zusammenzucken, wenn wir wieder neue, noch dramatischere Forschungsergebnisse erfahren. Das gilt für die Bürger gleichermaßen wie für Verantwortliche in Politik und Wirtschaft. Auch CO2-Kompensationen fallen in dieses Feld. Von der Schuld freikaufen? Mit gutem Gewissen fliegen, weil man das CO2 ja ausgeglichen hat, zum Beispiel ein Projekt zur Aufforstung des Regenwalds unterstützt hat? Im Vergleich zu dem Schaden, den eine Flugreise oder Kreuzfahrt anrichtet, ist der Nutzen von wenigen Bäume gering. Der Versuch der Eindämmung muss auch vermehrt über Verbote laufen und darf nicht mehr länger über Freiwilligkeit und Steuern laufen. Der Journalist und ehemalige ARD-Moderator Franz Alt verglich die Bekämpfung des Klimawandels mit der Bekämpfung der Sklaverei oder Kinderarbeit: "Warum denn immer Steuern, warum verbieten wir nicht einfach das Verbrennen fossiler Brennstoffe? Sklaverei oder Kinderarbeit sind doch auch nicht abgeschafft worden, weil Sklaven oder die Produkte arbeitender Kinder ein bisschen besteuert wurden, sondern weil es verboten wurde."
    Den Klimawandel finden die meisten Menschen schlimm - im Alltag verändern nur wenige etwas.