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Die Gletscher schmelzen und es ist nicht mehr aufzuhalten

Text und Foto: Gudrun Kaspareit

28.08.1205

Eis
(c) Gudrun Kaspareit

 

Die Gletscher schmelzen und zwar schneller als gedacht. Die Gletscherschmelze folgt den Klima und Temperaturschwankungen. Es gab schon immer natürliche Schwankungen, aber seit den 1970iger Jahren führt der Treibhauseffekt zu einem vermehrten Gletscherschwund. Betroffen sind alle Regionen, von den Tropen bis zu den Polen. Die Gletscher folgen einem Domino Effekt und schwinden viel schneller, als ursprünglich errechnet.

 

Die Folgen werden erheblich sein. Zunächst wird es Überschwemmungen geben, durch das über die Ufer Treten der Flüsse, später dann wird es in den betroffenen Regionen zu Wassermangel und Trockenheit kommen. Zudem werden, durch den Abfluss des Gletscherwassers, die Meeresspiegel ansteigen.

 

In den meisten Regionen steigen die Temperaturen infolge des menschlichen Ausstoßes von Treibhausgasen an. Die Eigendynamik der Gletscher wird gestört.

 

Entscheidend für das Fortbestehen eines Gletschers ist seine Massenbilanz, die Differenz von Akkumulation (wie Schneefall, Ablagerung von Triebschnee und Lawinen, Kondensation von atmosphärischem Wasserdampf und Anfrieren von Regenwasser) und Ablation (Schmelze, Sublimation sowie Abbruch von Lawinen). Jeder Gletscher besteht dabei aus einem Nähr- und einem Zehrgebiet. Im Nährgebiet (Akkumulationsgebiet) bleibt zumindest ein Teil des Schnees auch während des Sommers erhalten und formt sich dann zu Gletschereis um. Im Zehrgebiet (Ablationsgebiet) dagegen überwiegt die Ablation gegenüber dem Nachschub durch Schnee. Getrennt sind diese beiden Gebiete durch die Gleichgewichtslinie. Entlang dieser Linie entspricht die Ablation im Sommer der Akkumulation im Winter. Bei einem Klimawandel können sich sowohl Lufttemperaturen als auch der Niederschlag in Form von Schnee verändern und damit die Massenbilanz verschieben.

 

Auf eine Abkühlung oder eine Verstärkung des Schneefalls, die eine positive Massenbilanz hervorrufen, reagiert ein Gletscher mit Wachstum. Dadurch nimmt die Gletscherfläche im Zehrgebiet, dort ist die Ablation am höchsten, zu. Somit erlangt der Gletscher ein neues Gleichgewicht. Auf eine Klimaerwärmung wie die globale Erwärmung oder eine Abnahme des Schneefalls, die zu einer negativen Massenbilanz führen, reagiert der Gletscher mit einem Rückgang. Dadurch verliert der Gletscher Teile seines meistens tiefer gelegenen Ablationsgebiets, sodass Akkumulation und Ablation wieder ausgeglichen sind. Wenn sich ein Gletscher jedoch nicht zu einem neuen Gleichgewichtspunkt zurückziehen kann, befindet er sich im andauernden Ungleichgewicht und wird, sofern dieses Klima bestehen bleibt, komplett abschmelzen

 

Die Folgen, akuter Wassermangel in den betroffenen Gebieten und der Anstieg des Meeresspiegels, werden erheblich sein. Vor allem in den Städten der Himalaya Regionen, die ihr Trinkwasser hauptsächlich aus den Schmelzwasserflüssen der Gletscher beziehen, werden Mensch, Natur und Landwirtschaft zu leiden haben. Auf dem asiatischen Kontinent wird ein erheblicher Anstieg des Wasserverbrauchs erwartet. Dieser ansteigende Bedarf trifft in Zukunft auf immer weniger verfügbares Wasser aus den Gletschern des Himalaya. In Nord-Indien hängt die Landwirtschaft vom Schicksal der Gebirgsgletscher ab. Ebenfalls sind Indiens und Nepals Wasserkraftwerke bedroht.

 

Forschungsergebnissen zufolge ist die Eisschmelze in der Antarktis nicht mehr zu stoppen. Selbst wenn ab sofort die Emission von Treibhausgasen gestoppt würde. Offenbar hat der Thwaites-Gletscher in der Westantarktis den „Point of no return“ überschritten. Und sollte er auseinanderbrechen, verlieren auch die benachbarten Gletscher ihre Stabilität. Alleine dadurch wird der Meeresspiegel um 1,2 m. ansteigen. Ein komplettes Abschmelzen des westantarktischen Eisschilds als Folge des Klimawandels würde zu einem Anstieg um drei bis vier Meter führen.

 

Gletscher sind die größten Süßwasserspeicher der Erde. Ihr Anteil an in Eis gebundenem Süßwasser beträgt 70% während sich im Grundwasser nur etwa 30% des Süßwassers befinden. 1/3 der Weltbevölkerung ist von Gletscherwasser abhängig. Die Himalaya-Gletscher versorgen beispielsweise die sieben größten Flüsse Asiens und damit zwei Milliarden Menschen mit Wasser.

 

Ebenso beziehen die Südamerikanischen Städte Quito und La Paz ihr Trinkwasser aus Gletschern. Doch auch hier ziehen sich die Gletscher extrem zurück.

 

Aber nicht nur in Asien und Südamerika wird man unter den Folgen der Gletscherschmelze zu leiden haben. Die Alpengletscher sind Europas größtes Süßwasserreservoir. Der Rhein wird durch Gletscherwasser gespeist, ebenso der Po, die Rhone und viele Donauzuflüsse, sowie der Bodensee.

 

Ebenfalls hängen Stauseen und Wasserkraftwerke vom Gletscherwasser ab. Die Großstädte in Süddeutschland, der Schweiz, Norditalien und Frankreich beziehen ihr Trinkwasser aus den Alpengletschern.

 

All diese Dinge waren schon lange bekannt, dennoch hat die Menschheit es nicht geschafft den Klimawandel zu stoppen und die CO2 Emissionen zu reduzieren. Es hätte jetzt auch für das weltweite Schmelzen der Gletscher keine Relevanz mehr, zumindest nicht unmittelbar. Erst in ca. 50 Jahren könnte sich das Klima wieder einpegeln, vorausgesetzt wir machen ernst und beenden die Erderwärmung. Andere indes haben sich schon auf die neuen , schlechten Zeiten eingestellt und stecken ihre Claims ab. Zum Beispiel Nestlé, die das Monopol auf Trinkwasser anstreben. Sollte ihnen das gelingen, sind sie der mächtigste Konzern der Welt, denn ohne Wasser gibt es kein Leben.

Eis
(c) Gudrun Kaspareit
Kommentare: 2
  • #2

    Eva Schmelzer (Samstag, 02 Januar 2016 15:38)


    Ich habe diesen ja bereits Beitrag mit Schrecken (und dieser Ausdruck ist nicht übertrieben) gelesen, und hatte nun Hoffnung, dass es doch wider Erwarten neue, positive Erkenntnisse gibt. Du schreibst "...den Klimawandel zu stoppen und die CO2 Emissionen zu reduzieren hätte jetzt auch für das weltweite Schmelzen der Gletscher keine Relevanz mehr, zumindest nicht unmittelbar." Also wird auch der inzwischen stattgefundene Klimagipfel in Paris nichts ändern. (Anmerkung: Darüber kann man sich in Gudruns Beitrag „Klimagipfel in Paris“ sehr umfassend informieren, auch über die in den Jahren zuvor stattgefundenen Treffen zum Thema).
    Nach dem Lesen Deines Artikels hab ich mir die Frage gestellt, ob es sein kann, dass das aktuelle Niedrigwasser des Rheins – zumindest in meinem Beobachtungsbereich D’dorf – damit zusammenhängt? Es kann nicht nur mit dem trockenen Frühjahr und Sommer zusammenhängen. Die hatten wir in anderen Jahren auch, aber um den Jahreswechsel allerspätestens hatte der Wasserstand schon lange wieder den Normalpegel erreicht. Bedrückende Aussichten für die gesamte Erde – außer vielleicht für Nestlé. Dessen Bestreben darf nie, nie, nie erfüllt werden.

  • #1

    Eva Schmelzer (Dienstag, 01 September 2015 18:34)


    Dass es dramatisch ist war mir natürlich bekannt, aber nicht, dass es keine Hoffnung mehr für die Gegenwart gibt, ist erschütternd. All diese Dinge waren schon lange bekannt, dennoch hat die Menschheit es nicht geschafft den Klimawandel zu stoppen und die CO2 Emissionen zu reduzieren, schreibst Du. Die Menschheit hätte es schaffen können, Alternativen gibt es schon lange, nur haben Industrie- und Wirtschaftsinteressen dagegen gestanden. Z.B. hat bereits in den 1930er Jahren der Erfinder und Elektroingenieur Nikola Tesla ein voll funktionsfähiges Elektroauto vorgestellt. Wäre es aufgegriffen und weiterentwickelt worden, wäre das Problem jetzt mit Sicherheit kleiner. Ölmultis (die teilweise in den Regierungen saßen) wussten das zu verhindern. Was wird alles noch passieren in den ca. 50 Jahren bis das Klima sich wieder einpegeln könnte. Wird nun endlich den vielen Worten die Tat folgen? Wird die UN-Klimakonferenz in Paris im Nov/Dez etwas bewirken?
    Angst macht Nestlé, die auch ohne Wasser-Monopol schon beängstigend mächtig sind, in vielen Sünden ihre Finger haben. Aber ich kann einfach nicht daran glauben, dass diese Monopolisierung möglich werden kann, obwohl ich die Bestrebungen kenne.