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Der Klimagipfel von Paris

Text: Gudrun Kaspareit

Quele: Wikipedia

18.12.2015

(c) Gudrun Kaspareit
(c) Gudrun Kaspareit

Obama hat richtig erkannt: „Wir sind die erste Generation, die den Klimawandel zu spüren bekommt und die letzte Generation die ihn stoppen kann.“ Dessen eingedenk haben 195 Staaten einen gemeinsamen Beschluss zur Beschränkung auf unter 2° Erderwärmung unterschrieben. Dies soll bindendend sein. Doch schon haben die Republikaner verlauten lassen, das im Falle eines Wahlsieges in Amerika, sie den Vertrag nicht anerkennen werden. Auch ansonsten bleibt abzuwarten, ob die Beschlüsse nicht nur Lippenbekenntnisse sind.

Dennoch, der Vertrag von Paris ist historisch. Das erste globale Klimaabkommen wurde einstimmig angenommen. 195 in Kultur, Wirtschaft und Geschichte sehr unterschiedliche Staaten haben sich auf ein gemeinsames Ziel geeinigt. Nun müssen sie es nur noch umsetzen.

In erster Linie heißt das, endlich weg von den fossilen Brennstoffen. Speziell Deutschland muss die Finger von der extrem klimaschädlichen Braunkohle lassen. Aber immerhin bestreitet kein Staat mehr die Notwendigkeit zu Handeln und sogar die USA und China arbeiten endlich zusammen. Zuviel Euphorie ist allerdings verfrüht, denn die Welt ist noch nicht gerettet, die Rettung beginnt vielmehr erst jetzt.

 

Chronologie der Klimaschutzbemühungen:

1992: Rio de Janeiro , Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung (UNCED)

Dort wurde eine Klimarahmenkonvention (UNFCCC) vereinbart. Außerdem sollte die Agenda 21 besonders auf regionaler und lokaler Ebene die gesteigerten Bemühungen um mehr Nachhaltigkeit vorantreiben. Die Klimarahmenkonvention verankert völkerrechtlich verbindlich das Ziel, einen gefährlichen und menschlich verursachten Eingriff in das Klimasystem der Erde zu verhindern.

1995: „Das Berliner Mandat“ COP 1

Ein Jahr nach Inkrafttreten der Klimarahmenkonvention fand die erste UN-Klimakonferenz vom 28. März bis 7. April 1995 in Berlin statt. Dort wurde eine Arbeitsgruppe gebildet, das „Berliner Mandat“ Diese Arbeitsgruppe hatte die Aufgabe, zwischen den jährlich stattfindenden Klimakonferenzen ein Protokoll oder ein anderes rechtlich verbindliches Instrument auszuarbeiten, das feste Reduktionsziele und einen Zeitrahmen zu ihrer Erreichung beinhalten sollte. Die damalige Bundesumweltministerin Angela Merkel hatte maßgeblichen Anteil an dem weitgehenden Versprechen seitens der deutschen Delegation, sich frühzeitig auf den größten einzelnen Beitrag zur Treibhausgas-Reduktion unter allen Industriestaaten zu verpflichten. Diese frühzeitige Verpflichtung wird als ein entscheidender Faktor angesehen, weshalb einer rechtlich verbindlichen Emissionsreduktion zunächst ablehnend gegenüberstehende Staaten bis 1997 doch noch ins Boot geholt werden konnten .

1997: „Genfer Deklaration“ COP 2

1997: der Weltklimagipfel in Kyoto (COP3) Diese Konferenz hatte das Ziel, noch ungeklärte Fragen zur Klimapolitik aufzulösen. Diese Konferenz war die größte internationale Umweltkonferenzen, die es je gegeben hat. Die im Anhang B des Kyoto-Protokolls versammelten industrialisierten Vertragsstaaten haben sich darauf festgelegt, ihre Treibhausgasemissionen im Zeitraum von 2008 bis 2012 um durchschnittlich 5,2 Prozent unter das Niveau des Basisjahres zu senken.

2000/2001: Die doppelte COP 6 von Den Hag und Bonn. Dort wurde Hauptsächlich um Ausnahmeregelungen gestritten. Das Kyoto Protokoll wurde deutlich abgeschwächt, die USA zogen sich komplett zurück.

 

2015: Das Paris Abkommen. Im Vorfeld gab es etliche Vorbereitungstreffen. Bis Anfang Oktober dann, hatten 146 Staaten ihre Klimaziele schriftlich festgelegt und bei der UNFCCC eingereicht. Nachdem etliche religiöse Führer, politische Gruppen und Umweltschutzverbände ihre Statements abgegeben hatten, fand die Konferenz in Paris statt und einigte sich in einem Vertragstext, der einstimmig angenommen wurde darauf, die Klimaerwärmung auf unter 2° zu begrenzen. Zudem sollten weniger finanzstarke Staaten mit 100 Milliarden Dollar jährlich ab dem Jahr 2020 unterstützt werden. Alle 195 teilnehmende Staaten unterzeichneten diese Abkommen. Gegenstimmen gab es keine. Von den meisten Politikern und Umweltschutzverbänden wurde dieses Abkommen als großer Erfolg und Durchbruch in der Klimapolitik gefeiert. Doch kritischen Stimmen gehen diese Vereinbarungen nicht weit genug, um die Klimaziele auch wirklich zu erreichen. Ob dem so ist, wird nun die Zukunft zeigen. Werden wir Menschen unsere eigenen Vorgaben einhalten und werden diese Vorgaben genügen? Da ist nicht nur die Politik gefragt, sondern jeder einzelne Bürger. Jeder kann helfen, Energie zu sparen.

Kommentare: 3
  • #3

    Andrea (Sonntag, 03 Januar 2016 16:59)

    Danke, liebe Gurdrun, das hast du prima geschildert .
    Daß ein Regierungswechsel in den USA das Abkommen stürzen kann, darüber bin ich entsetzt. Grad die USA ist doch mit am meisten von Katastrophen betroffen - da kann man nur hoffen, daß die Wähler dazugelernt haben !

  • #2

    Eva Schmelzer (Samstag, 02 Januar 2016 14:32)

    Sehr informativ, noch mal die Chronologie der Versuche zu lesen, die allesamt wenig bis nichts gebracht haben. Aber im an Kapriolen reichen und mit einigen meteorologischen Paukenschlägen endenden Wetterjahr 2015 hat sich besonders drastisch gezeigt, wie wichtig es ist, alles menschenmögliche für den Klimaschutz zu tun. Krassestes Beispiel: Die subtropische Erwärmung des Nordpols. Plusgrade am kältesten Punkt der Nordhalbkugel, wo um die Zeit kein Sonnenstrahl hinreicht und normalerweise klirrende Kälte um 30 bis 40 Grad minus herrscht.
    Sicher mag auch eine natürliche Ursache hinter all den gehäuften Naturkatastrophen stecken. Jeder Meteorologe wird immer eine Epoche in der Erdgeschichte vorweisen können, in der natürliche Schwankungen zu mindestens ähnlich chaotische Wetterereignissen wie den jeweils aktuellen Unwettern geführt haben dürften. Nichtsdestotrotz muss weltweit etwas geschehen. Ich setze in Paris zwar Hoffnung, aber keine radikale Wende weltweit, wie es eigentlich nötig wäre. Die chinesische Regierung z.B. betont, dass sie bei allen „grünen Versprechen“ ihre Souveränität wahren will. Sie pochte darauf, dass jede Änderung der vorgegebenen Ziele für den Zeitraum von 2020 bis 2030 freiwillig sein müsse.
    Indien, der drittgrößte Emittent von Treibhausgas, darf seine Kohleförderung in nur fünf Jahren auf 1,5 Milliarden Tonnen verdoppeln. Nichts hat sich geändert, Indiens Abhängigkeit von Kohle wird vorerst bleiben. In weiten Teilen der arabischen Welt wurde das Pariser Abkommen kaum registriert. Saudi-Arabien, das bis zuletzt allzu harte Regeln zum CO2-Ausstoß blockiert hatte, kommentierte den Vertrag gar nicht offiziell. Auch in Afrika fand der Vertrag wenig Widerhall, obwohl der Kontinent mit am stärksten unter dem Klimawandel leiden dürfte.
    Obwohl die Staatengemeinschaft sich auf eine Verringerung der Kohleverbrennung verständigt hat, dürfte deren Niedergang sich also noch eine ganze Zeit lang hinziehen.
    Trotzdem will ich den Pariser Klimagipfel wie schon gesagt nicht als gescheitert bezeichnen. Die Praxis wird die Verantwortlichen kurzfristig zwingen, weiter tätig zu werden, damit die extremen Unwetter nicht zur Normalität werden, die Mega-Städte nicht im Smog ersticken und wir uns zukünftig nicht um Klima-Flüchtlinge sorgen müssen.
    Das Jahr 2016 soll übrigens noch wärmer werden als die vergangenen.

  • #1

    Erika (Freitag, 01 Januar 2016 21:19)

    Dass Wahlen eines Landes ein solch weltweites Abkommen stuerzen koennten, ist eine bittere Pille. Doch als Einzelperson kann ich vorangehen und auf Freunde einwirken, ebenso bedacht zu handeln. Ein 'Schneeballsystem' hat sich bisher immer bewaehrt.