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Das Anthropozän

Text: Gudrun Kaspareit

Quelle: Wikipedia

10.03.2016

So lautet der Vorschlag einiger Wissenschaftler, das neue geologische Zeitalter zu benennen. Es heißt so viel, wie „Das Zeitalter des Menschen“. Es begann, als der Mensch das Antlitz der Erde veränderte, nämlich als er sesshafft wurde und durch Waldrodung, Ackerbau, Viehzucht und Städtebildung die Umwelt formte.

 

Inzwischen ist der Mensch der wichtigste Einflussfaktor für biologische, geologische und atmosphärische Prozesse geworden.

 

Die „Geological Society of London“, die älteste geologische Vereinigung befand, dass das Holozän, ein zwischeneiszeitliches Zeitalter, mit einem stabilen Klima zu Ende gehe und in einen stratigrafischen Abschnitt übergegangen sei, für den es in den letzten Millionen Jahren keine Entsprechung gegeben hat. Zurückzuführen sei das durch die sämtlichst von Menschen gemachten Veränderungen, als da wären: Massiver Anstieg von Treibhausgasen, Übersäuerung der Meere, Vernichtung von Vegetation durch Monokulturen und ein großes, weltweites Artensterben, das 6. im Laufe der Erdgeschichte, aber das 1. menschlich verursachte.

Nach dem Vorschlag britischer Geologen soll das Anthropozän 1800 beginnen, dem Zeitalter der Industrialisierung. Untersuchungen von Eisbohrkernen der Arktis ergaben ab dem Zeitpunkt einen Anstieg von CO2 in der Athmosphäre.

Geowissenschaftler der University of Leicester schlagen als Beginn des Anthropozäns das Datum des 16. 07. 1945 vor, denn an diesem Tag wurde in New Mexico die erste Kernwaffe zu Testzwecken gezündet. Mit diesem Tag begann also das „Atomzeitalter“

Für Geologen der University of Leeds hingegen stellt bereits das Jahr 1610 den Beginn des Anthropozäns dar: durch die Einschleppung von Krankheiten in die „Neue Welt“ und dem dadurch bedingten Massensterben der Indigenen Bevölkerung kam es zu einem markanten Rückgang der Kohlendioxidkonzentration in der Atmosphäre, da die von den Ureinwohnern Amerikas genutzten Felder brach lagen und von der Kohlendioxid-fixierenden Vegetation zurückerobert wurden. Zudem begann in diesem Zeitraum ein in der Geschichte des Planeten nie zuvor dagewesener Artenaustausch zwischen den naturgemäß weitestgehend isolierten Kontinenten.

Albedo

So wird das Rückstrahlvermögen der Erde genannt, welches wesentlich von den Eismassen der Erde abhängt. Durch die Abnahme der Gletscher, hat sich diese Eis-Albedo-Rückkopplung sehr verändert.

Artensterben

In den letzten 600 Millionen Jahren hat es fünf große Massenaussterben gegeben, die sich jedoch über lange Zeiträume, teilweise über Millionen Jahren, hingezogen haben. Viele Wissenschaftler setzen das derzeitige Artensterben mit diesen vorangegangenen gleich, mit dem Unterschied, dass es sich rasant entwickelt und menschengemacht ist. 34000 Arten sind direkt vom Aussterben bedroht (Stand 2007) Allein in Europa sind durch die zunehmenden Monokulturen die Bestände von Brutvogelarten und Insekten in nur 30 Jahren um 50% zurück gegangen.

 

Der bedeutsamste Unterschied früherer Massensterben zur derzeitigen Situation ist, dass das heutige Artensterben durch eine einzige biologische Art - nämlich den Menschen mit seinen Aktivitäten und seinem Raum- und Ressourcenanspruch - verursacht wird, wohingegen frühere Ursachen wohl in der Regel geologische oder atmosphärisch-kosmische Ursachen hatten

Artenverschleppung

Durch menschliche Aktivitäten (Handel, Warentransporte, Tourismus, Verkehr usw.) werden eine Vielzahl von Arten auf andere Kontinente sowie in Lebensräume verschleppt, die ursprünglich und eigentlich nicht die ihrigen sind; die Klimaveränderung begünstigt oftmals ihre Etablierung an den neuen Standorten und führen zu diversen Problemen. Die Tigermücke z.B. überträgt Gelbfieber und Denguefieber. Der Chytrid Pilz, der ursprünglich aus Südafrika kommt hat sich über die ganze Welt verbreitet und tötet z.B im Urwald in Panama 96% der Amphibienpopulation. Das weiße Stängelbecherchen, ein Baumpilz, stammt aus Japan und ist für den Untergang der europäischen Eschenbestände verantwortlich. Solche Beispiele gibt es unzählige. Viele Neobioten und Neophyten verdrängen heimische Arten.

Weitere Folgen des „Menschenzeitalters“ sind die Klimaerwärmung, die Gletscherschmelze, die Schmelze der Polkappen, die Versauerung der Meere und der Anstieg der Meeresspiegel.

 

Kommentare: 4
  • #4

    Gudrun Kaspareit (Dienstag, 15 März 2016 16:29)

    Liebe Andrea,
    das von der Wissenschaft so benannte und auch definierte Anthropozän, soll aufzeigen, welchen Schaden unser derzeitiger Lebensstil hat. Ich möchte die Leser zum nach und umdenken anregen. Jeder kann durch sein Verhalten entscheiden, ob er an der allgemeinen Zerstörung teil hat oder nicht. Das geht natürlich nicht von heut auf morgen. Aber ohne Bewusstmachung geht es gar nicht.
    Liebe Grüße - Gudrun

  • #3

    Andrea Haberland (Montag, 14 März 2016 22:37)

    Liebe Gudrun , liebe Leser,

    Gern folge ich deinen informativen und auch kritischen Seiten.
    Wohin aber führt uns das Wissen über das sogenannte Anthropozän.
    Zur Veränderung unserer Wahrnehmung, zur Frustration oder zur Negation? Ich frage mich beständig , wie wahr ist wahr? Welche Informationen sind für mich bzw. andere schlüssig, da sie primär von mir nicht überprüfbar, sondern übernommen sind, also sogenanntes Second Hand Wissen...Aber trotzdem danke für alle mühevollen Recherchen.

  • #2

    Erika (Dienstag, 01 März 2016 14:22)

    Ich moechte nur etwas zu den Krankheitserregern der Stechmuecken sagen. Die asiatische Tigermuecke, invasiv nun fast weltweit verbreitet,uebertraegt fatale Krankheiten auf den Menschen(den West-Nil Virus, Gelbfieber Virus,Erreger der Enzephalitis, Dengue Fieber und Chikungunya Fieber). Zwar gibt es keine Malaria in Europa, nur sogenannte Flughafen Faelle durch Menschen, die in den Tropen reisten und sie weitergeben.Mehr Faelle pro Jahr entstehen durch solche Tropenreisende und Einreisende aus fieber-gefaehrdeten Gebieten.

  • #1

    Eva Schmelzer (Dienstag, 01 März 2016 12:23)

    Dieser Artikel zeigt einmalig deutlich die Chronologie des durch den Menschen verursachten Klimawandels auf, aber er beschreibt auch vor allem sehr gut die Veränderung des „Antlitzes der Erde“ durch ihn. Wie viele Dinge da im Spiel sind, war mir gar nicht so bewusst und auch nicht, dass diese Veränderung schon in dem Moment statt fand, als er sesshaft wurde und danach Schritt für Schritt das Gleichgewicht immer mehr beeinflusste.
    Wie sähe heute wohl unsere Erde heute aus, wäre sie niemals vom Fuß eines Menschen betreten worden…?