Folge mir auf Facebook

Folge mir auf Twitter

Der Rückgang der Artenvielfalt stark unterschätzt

Text: Gudrun Kaspareit

22.02.2015

Blumenwiese
Blumenwiese

Es gab schon einige Artensterben in der Erdgeschichte, das Aktuelle aber ist menschengemacht .

Studien gehen davon aus, dass die momentane Aussterberate bis zu 10.000-fach über der Norm liegt. Zählt man dann noch die Mechanismen dazu, die zu einem zeitverzögerten Verlust von Arten und Lebensräumen führen, muss man sagen, das das Artensterben stark unterschätzt wurde, so berichten Forscher in dem Fachblatt "Diversity and Distributions".

Lebensgemeinschaften, die auf kleinen „Lebensrauminseln“ existieren müssen, sind stärker vom Risiko des Aussterbens betroffen. Lebenskreisläufe brechen zusammen, wenn ein Glied ausfällt.

Zudem verschwinden Arten, wenn plötzlich eine Änderung in der Landnutzung statt findet.

Aktuelles Beispiel: Die „Vermaisung“ der Landschaft und das Verschwinden von Wiesenbrütern, wie Kiebitz oder Lerche.

Gut nachvollziehen lässt sich dieser fatale Mechanismus auch am Beispiel betäubender Insekten. Wildbienen und Hummeln sind auf artenreiche Blumenwiesen angewiesen. Fehlen diese, führt das zum Verschwinden der Bestäuber. Fehlen diese Bestäuber führt das wiederum zum Verschwinden bunter Blumenwiesen.

Das die Artenvielfalt verschwindet ist wissenschaftlich gut belegt. Und das die bisherigen Anstrengungen nicht ausreichen, um die Folgen abzufedern, auch.

Die Ursachen des Artensterbens sind also erkannt. Nun muss eine „Bestandsaufnahme“ der Biodiversität erfolgen, um dann zu ermitteln, wie wir unseren „Artenschatz“bewahren können. Das Prinzip der Nachhaltigkeit besteht seit Anbeginn der Evolution. Auch der Mensch muss endlich begreifen, dass er keine Ressourcen übernutzen darf.

Gerade in den armen Ländern der Tropen und Subtropen befindet sich die größte Artenvielfalt, die jedoch auch am meisten bedroht ist, da diese Länder sich oft den Umweltschutz wirtschaftlich nicht leisten können. (Gut zu beobachten in den Regenwäldern von Sumatra und Borneo, wo die Wälder und die Artenvielfalt durch Brandrodung Palmölplantagen weichen müssen.) Aber die Natur hat schon immer ausgesiebt, was nicht nachhaltig ist.

Wenn wir den Kampf gegen das Artensterben nicht gewinnen, zerstören wir das Leben auf der Erde.

2010 wurde zum Jahr der Artenvielfalt ernannt, aber das Artensterben ging ungebremst weiter.

Nach Angaben der Internationalen Union für die Erhaltung der Natur (IUCN) sind knapp ein Viertel der Säugetiere, ein Drittel der Amphibien, jede achte Vogelart und jede fünfte Pflanzenart vom Aussterben bedroht.Nun wurde als neues Ziel vereinbart, das Artensterben bis 2020 zu stoppen. Bisher haben alle Aktionspläne versagt. Noch immer sind 25 Prozent der in Europa heimischen Tierarten vom Aussterben bedroht und 88 Prozent der Fischbestände überfischt, zwei Drittel der beobachteten Lebensräume in Europa sind in "ungünstigem Erhaltungszustand".


Kommentare: 1
  • #1

    Eva Schmelzer (Montag, 02 März 2015 17:13)

    Du schreibst gegen Ende: „Der Mensch muss endlich begreifen, dass er keine Ressourcen übernutzen darf“. Ich bin sicher, dass der Mensch das längst begriffen hat. Auch die, die weiterhin dazu beitragen, dass es ungebremst weitergeht, dass 2010, das Jahr der Artenvielfalt, nur ein schöner Titel war. Solange mit der Zerstörung viel Geld verdient werden kann, bleibt die Gier größer. Deshalb müssten Regierungen weltweit Bremsklötze aufstellen, Schutzgesetze schaffen, die legal einfach nicht zu überwinden wären, auch wenn der Profit minimiert wird, wenn jeder in den Industrienationen Abstriche machen müsste. Aber da auch für die Regierungen „Wirtschaftswachstum“ um jeden Preis, was unweigerlich auf Kosten der Naturzerstörung geht, ganz oben auf der Agenda des Erstrebenswerten steht, gibt es wenig Hoffnung. Aber eine habe ich, die ich schon oft erwähnt habe: Meine Hoffnung sind die Kinder, denen heute der Respekt vor der Natur von immer mehr Eltern, Großeltern, in Kindergärten und Schulen vermittelt wird. Und diese Kinder sitzen später an den verantwortungsvollen Stellen in Politik, Industrie und Wirtschaft. Hoffen wir, dass sie nicht nur begreifen, sondern auch handeln.