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Abschied

Text und Foto: Mone Dopp

12.11.2016

In liebevollem Gedenken an meine Freundin Lilian-
geboren am 3.Oktober 2004 in Spanien - gestorben am 9.Juni 2016 zuhause

Hund
(c) Mone Dopp

 

Abschied von dir.
Immer wieder streichle ich sacht dein kleines Köpfchen, unendlich vorsichtig - mit einem Finger nur - ein Hauch, ganz leicht - dir zu vermitteln, ich bin hier. Es ist ruhig um uns herum, Ruhe und Frieden auch in unserem Inneren.
Es gibt für alles eine Zeit - unsere, ist nun die Zeit des Abschieds.
Wehmut breitet sich aus in mir - weh fließt es durch mich hindurch, schmerzt und brennt und füllt meine Augen mit Tränen. Es tut weh zu ahnen was kommt, zu ahnen, wie es sein wird - ohne dich.
Es tut sehr weh.
Aber da ist auch Mut. Der Mut der Verzweiflung - nein - nicht nur. Wehmut. Wir beide, du und ich, wir hatten eine wunderbare Zeit , viele Jahre der Freundschaft, des Miteinandergehens, des Füreinanderdaseins. Wir sind Verbündete, fest zusammengeschweißt, aneinandergekettet - für immer in Liebe verbunden. Das hat uns schon auf so vielen unserer gemeinsamen Wege mutig gemacht. Ich werde ihn mir bewahren -
deinen Löwenmut - glitzernd und funkelnd, noch zugedeckt von trauriger Wehmut
- dein Mut, deine Kraft und deine Liebe werden mich weiter begleiten.
Dein Atem wird schwächer, dein Herz klopft leiser, dein leichtes Seufzen wird zu meinem.
Ich lege meine Hand auf deinen Rücken, ich bin da, du bist nicht allein, ich bin an deiner Seite.
Ich sehe wie dein schöner Körper allmählich verfällt, krank und verbraucht.
Du machst dich auf den Weg in eine andere Welt, schickst mir bunte, lebendige Bilder - von einer Wiese im Sonnenlicht und wie du läufst, schnell wie der Wind, so dass ich schon lächeln muss, ob deines fliegenden Übermutes. Die Anhöhe läufst du fröhlich bellend hinauf, bis hin zum Waldrand, dort warten die anderen Hunde auf dich. Du siehst dich noch einmal nach mir um, schenkst mir einen letzten Blick aus deinen schönen bernsteinfarbenen Augen, und ich - ich werfe dir eine Kusshand zu. Es ist gut, du darfst gehen.
Ich darf dich nicht festhalten, Reisende soll man nicht aufhalten und was man liebt, so sehr liebt,
muss man loslassen - dann kehrt es zu einem zurück. Ich hoffe sehr, dass das so ist, denn das Loslassen ist nicht leicht.
Während der vielen Stunden, die ich an deinem Lager sitze, schweigend, liebkosend und Gedankenversunken fühle ich mich reich beschenkt. Ich darf mich verabschieden - von meinem Hund, meiner Freundin. Darf innige Nähe mit allen Sinnen genießen - darf Liebe und Dankbarkeit empfinden. Schlaf schön Lilian. Es ist Zeit. Wir sehen uns.
Mone

Kommentare: 2
  • #2

    Mone Dopp (Samstag, 17 Dezember 2016 23:51)

    Liebe Eva - danke - für Deine Worte und Dein Verstehen. Seit dem 3. Oktober - Lilians Geburtstag - ist Aussa in unserem Leben. Fast zwei Jahre alt, gerettet aus einer Tötung in Spanien, wunderschön und fröhlich und so herrlich jung. Und wenn ich in ihre sanften Augen sehe, muss ich lächeln, weil ich weiß warum Aussa alles richtig macht bei uns, und alles so leicht ist mit ihr - sie hat eine kluge kleine Souffleuse im Öhrchen.

  • #1

    Eva (Sonntag, 11 Dezember 2016 18:09)

    Ja, liebe Mona, wenn ein geliebtes Tier stirbt, erlebt man einen tiefen seelischen und manchmal sogar körperlichen Schmerz. Zu dem Verlustkummer kommt manchmal die Verzweiflung darüber, vom Umfeld nicht verstanden zu werden, denn nach Meinung einiger Außenstehender war es ja "nur" ein Tier. Du beschreibst auf so intensive Art, dass Du viel mehr als "nur" ein Tier verloren hast: einen Lebensbegleiter über viele Jahre, eine beste Freundin, Vertraute, Seelengefährtin. Das alles und noch vieles mehr ist Dir Deine Lilian gewesen. Sei dankbar, dass Du die Gabe hast, Deinen Kummer und Deine Trauer auszudrücken. Dass Du versuchst loszulassen. Und dass Lilian zu Hause sterben durfte. Ich hatte einige geliebte Tiere in meinem Leben, sie waren alle mehr als ein Haustier, es waren Freunde und Kinder. Alle starben beim Veterinär in der Klinik oder Praxis. Nur meine letzte Freundin ist zu Hause gestorben. Es war das schwerste, aber auch das schönste Ende. Von 18 Uhr abends bis 23 Uhr hat es gedauert. Aber es war kein Todeskampf. Es war so, wie Du es beschreibst: „Dein Atem wird schwächer, dein Herz klopft leiser, dein leichtes Seufzen wird zu meinem. Ich lege meine Hand auf deinen Rücken, ich bin da, du bist nicht allein, ich bin an deiner Seite...“ Es ist unendlich schwer, aber auch sehr tröstlich. Und es ist etwas, das wir nicht verdrängen sollen. Der Tod ist uns allen doch so nah, wir können ihn nicht ausklammern aus unserem eigenen Leben und dem unserer Lieben. Und wenn ein Tod ein so gnädiger ist wie der Lilians ist es ein guter gewesen.
    Seit Juni ist nun eine Zeit vergangen. Ich wünsche Dir so sehr, dass die Wunden verheilt sind, dass Du ohne tiefen Schmerz an sie denken kannst, dass es nicht jedes Mal weh tut. Dass Du loslassen konntest wie Du es Dir gewünscht hast und dass die Verzweiflung einem dankbaren Erinnern gewichen ist.