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Die Vertreibung aus dem Paradies

Text: Gudrun Kaspareit

Fotos: COAC, Center for Orang Asli Concerns

https://www.facebook.com/centerfororangasliconcerns

20.06.2015

(c) COAC Center for Orang Asli Consens
(c) COAC Center for Orang Asli Consens

Sieben Familien der Jakun vegetieren nun am Straßenrand, denn sie sind am 1.Juni 2015 von 100 Soldaten mit Bulldozern aus ihrer Heimat vertrieben worden. Ihre Heimat, 2 Hektar in einem Naturschutzgebiet, in dem sie schon immer lebten, in und mit dem Wald. Sie wurden aufgefordert, es zu verlassen. Aber wo sollten sie hin? Nun hausen sie an der Straße, nur wenige Kilometer von den Traumstränden entfernt, wo Touristen, klettern, wandern, raften, tauchen. Hier die Ökotouristen und dort Polizeigewalt und Menschenrechtsverletzungen. Gleichzeitig wurden von der Regierung Konzessionen vergeben für Holzeinschlag und Rohstoffgewinnung in eben jenem Naturschutzgebiet auf der malayischen Halbinsel an der Ostküste in der Nähe von Mersing.


Es ist der alte Konflikt, nicht nur dort, auch auf Borneo, im größten Bundesstaat Sarawak, wo sich die Orang Asal mit dem Taib Regime um den Wald steiten, denn beide erheben Anspruch auf ihn. Die Indigenen brauchen den Wald zum Leben. Zur Beschaffung ihrer Nahrung. Zum Bauen ihrer Häuser. Zum Begraben ihrer Toten. Sie können nirgendwo anders leben. Werden sie vertrieben, sind sie entwurzelt und verelenden.

Der Borneo Resources Institute Koordinator Mark Bujang sagte der Regierung von Sarawak, die Eingeborenen hätten das Land verlassen. Auch für die Indigenen gebe es Grenzen, deren Überschreitung Strafe nach sich zieht. Tatsächlich aber leben die Ureinwohner nomadisch und durchstreifen die Wälder. Eigentlich ist diese Tradition in den Gesetzen berücksichtigt worden, aber die Regierung weigert sich, dies anzuerkennen. Die Jagdtgebiete der Indigenen befinden sich in den Holz. und Wasserreservoirs , welche die Regierung für sich haben will. Doch die Ausgleichsgrundstücke für die Orang Asli sind zu klein und reichen ihnen nicht zum Leben.


Sarawak in Malaysia ist eine Gegend mit einer großen Artenvielfalt. Überdies gibt es in seinen Regenwäldern eine reiche, seit Jahrhunderten gewachsene, indigene Kultur. Sarawak ist Malaysias am dünnsten besiedelter Bundesstaat. 40 verschiedene Ethnien leben dort, die Hälfte davon sind Indigene, wobei die Iban die größte Gruppe ausmachen. Die Penan und andere Völker aus dem Landesinnern wie Kelabit, Kenyah und Kayan bezeichnen sich manchmal auch kollektiv als Orang Ulu.

Sarawaks Regenwälder wurden durch das Taib-Regime großflächig abgeholzt. Satellitenbilder machen deutlich, dass heute nur noch zehn Prozent der Primärwälder intakt sind. Ölpalm-Plantagen breiten sich in raschem Tempo aus. Außerdem arbeitet das Taib-Regime an der Realisierung von mindestens zwölf Staudämmen in Sarawaks Regenwäldern.

Gouverneur Abdul Taib Mahmud und seine Familie profitieren in starkem Maße von der Nutzung der natürlichen Ressourcen. Die Familie Taib hat mit Korruption und Vetternwirtschaft ein Geschäftsimperium aufgebaut, mit Holzfirmen, Plantagenwirtschaft, Elektrizitätswerken, Immobilienkonzernen und Medien. Sie hat zum eigenen Wohle die Regenwälder abgeholzt und die Indigenen vertrieben.

Das Taib Regime möchte unbedingt verhindern, dass die Rechte der Indigenen anerkannt werden, um das Land ungestört ausbeuten zu können. So werden die Orang Asli vertrieben und das Land statt dessen an Holzkonzerne und Plantagengroßbauern verpachtet. Die Orang Asli werden zu rechtlosen Bewohnern ihres eigenen Landes. Ihre traditionelle Lebensweise wird damit unmöglich. Es gibt zwar inzwischen Gerichtsurteile, die besagen, dass diese Vorgehensweise unrechtmäßig ist, aber die Beweislast liegt bei den Ureinwohnern.

(c) COAC Center for Orang Asli Consens
(c) COAC Center for Orang Asli Consens

Malaysia: Video beweist Korruption von Sarawaks Regierungschef Taib

Penan stellen Ultimatum an die Regierung von Sarawak 13 November 2012

Kommentare: 2
  • #2

    Eva Schmelzer (Sonntag, 02 August 2015 11:11)

    Ergänzen möchte ich noch, dass ich weiß, dass es eine UN-Menschenrechtscharta gibt, die also für die Einhaltung weltweit verantwortlich wäre. Aber schon die Präambel „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren“ hört sich in Anbetracht der obigen Schilderungen zynisch an.

  • #1

    Eva Schmelzer (Sonntag, 02 August 2015 10:36)

    Beim Lesen dieses Berichtes hatte ich einen Kloß im Hals... Wir leben in einer Zeit der fortschreitenden Globalisierung, die sich aber nur wirtschaftliche Interessen zunutze macht. Warum nur ist es nicht möglich, dass es eine Weltgemeinschaft gibt, die auf ethisch-moralische Werte achtet? Die korrupte Regierungen in die Schranken weist? Nichts hat sich geändert, seit Eroberungszügen und seit Kolonialiserungen für die indigene Bevölkerung in allen Teilen der Welt. In diesem speziellen Fall liegt die Beweislast bei den Ureinwohnern, wie Du schreibst, die sich nicht wehren können. Warum ist die westliche Welt nicht Anwalt der Unterdrückten?