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Fremdschämen

Gedanken von Dr. Ina Knoblauch zu den Aufmärschen von Pegida, AFD  und Co. zu den Wahlkampfreden der Bundeskanzlerin.

11.09.2017

https://www.facebook.com/ina.garlic

 

Menschen im Abgrund

 

Ich ziehe mir Eure hasserfüllten Gesichter rein, Eure Schreie inmitten des Mobs, Eure abgehackten, marionettenhaften Bewegungen.

 

Ich sehe Euren Selbsthass, sehe, wie fremd Ihr Euch selbst seid.

 

Ich spüre, wie wenig in Kontakt mit Euren eigenen Gefühlen und wie weit entfernt von einem inneren Gleichgewicht Ihr durch Euer Leben taumelt.
Ihr erschreckt mich mit Eurer Kälte und Eurer Bösartigkeit.

 

Ich fürchte mich vor dieser ungezügelten Feindseligkeit, dieser durch nichts mehr gebremsten Aggressivität.

 

Wie könnt Ihr Euch nur selbst ertragen?

 

Ihr treibt mich in den Rückzug. Ich kann Euch nicht folgen in Eure kranken Gedanken, Eure verkümmerte Gefühlswelt.

 

Ich kenne Resignation, ich kenne Versagen, eigenes und fremdes: Ich weiß, wie bitter Enttäuschung schmeckt und wie gnadenlos es ist, zu scheitern, womit auch immer. Ich weiß, wie es war, als eine unsichtbare Hand mich zu Boden drückte, so dass ich nicht mehr atmen, mich nicht mehr rühren konnte. Ich erinnere mich, wie es war, als ich vollständig kapitulieren musste, als ich das Schicksal einfach nur noch hinnehmen konnte. Wie könnte ich es auch vergessen?

 

Aber immer, immer habe ich nach jedem tiefen Fall gekämpft darum, wieder einen Weg zu finden. Hab den Packen wieder geschultert, die Verantwortung übernommen, meine Höhenflüge auf Hüpfer vom Einmeterbrett heruntergefahren.

 

Was zerstört ist, kann wieder wachsen, so lange es lebt.

 

Was wund ist, kann heilen, wenn man es pflegt.

 

Aber wo keine Menschlichkeit mehr ist, was soll daraus werden?

 

Diese Ungeheuer, die aus Euren verzerrten Fratzen zu mir sprechen, rufen nicht danach, gehalten und geschützt zu werden. Ihr habt das Furchtbarste in Euch entwickelt, was ich mir denken kann: eine Abkehr von der Menschlichkeit an sich.

 

Ich muss Euch meiden. Ich kann und ich will Euch nicht mehr verstehen.

 

Wer lange genug in einen Abgrund blickt, wird selbst zu einem.

 

 

 

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