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Bergbau brutal

Text: Gudrun Kaspareit

17. 08. 2014

Mountaintop Mining
Mountaintop Mining Wikipedia By JW Randolph (Friend's work) [Public domain], via Wikimedia Commons

 

Die Appalachen sind das Gebirge im Osten der USA. Zu seinen Füßen liegen Städte wie Washington, DC, und New York. Es ist nur schwer vorstellbar, mit welcher Tagebau-Methode Energieunternehmen dort Steinkohle gewinnen: Sie legen die begehrte Ressource frei, indem sie ganze Bergkuppen wegsprengen und den Gesteinsschutt in angrenzende Täler kippen.

Seit den 1960 Jahren ist es in den USA erlaubt, eine der umweltschädlichsten Methoden der Kohlegewinnung zu praktizieren. Die Bergkuppen werden einfach weggesprengt und der Abraum ins Tal gekippt. Das ist billig und effektiv.

Im März 2009 hatte ein Bezirksgericht der USA entschieden, dass solche pauschalen Erlaubnisse zum Kohletagebergbau rechtswidrig sind, weil nicht sichergestellt werden kann, dass die Wasserschutzbestimmungen (Clean Water Act) eingehalten werden. Am 11. Juni 2009 unterzeichneten das Department of the Army, Department of the Interior und die Environmental Protection Agency eine Absichtserklärung, in der sie verabredeten, zusammenzuarbeiten und negative Umweltfolgen aufgrund des Tagebaus der Kohlegewinnung in der Appalachen-Region so klein wie möglich zu halten. Doch erst in der vergangenen Woche hat das Army Corps of Engineers diese Schnellgenehmigungsverfahren suspendiert. In den sechs Bundesstaaten Kentucky, Ohio, Pennsylvania, Tennessee, Virginia und West-Virginia der Appalachen-Region müssen die Minenbetreiber fortan individuelle Genehmigungen für die umweltschädigende Abraumentsorgung einholen. Inwieweit die aktuelle Entscheidung noch zum Schutz der Täler und der Biodiversität beiträgt - die Bergkuppen dürfen weiter weggesprengt werden, um die Kohle freizulegen -, wird sich zeigen. Eine frühere Abschätzung der US-Umweltschutzbehörde lautete, dass in den Appalachen bis zum Jahr 2012 rund 5.700 Quadratkilometer Waldfläche dem Bergbau zum Opfer gefallen ist. Satellitenbilder zeigen die verheerenden Verwüstungen, die der Kohletagebergbau anrichtet. In den letzten 10 Jahren sind über 2000 km. Bach und Flusslauf in den Appalachen unter Schutt begraben worden. In dem Abraum stecken jede Menge giftige Stoffe, wie Arsen, Mangan , Blei und andere Schwermetalle. Kolumbien, USA,und Russland sind Deutschlands wichtigsten Steinkohlelieferanten. Für die Steinkohle, die in unseren Kraftwerken verbrannt wird, verlieren Indigene in Kolumbien ihr Land, werden in den USA Bergspitzen weggesprengt und in Russland sowie in Südafrika Flüsse und Grundwasser vergiftet.

In Russland kaufen E.on, RWE, Vattenfall und EnBW Kohle ein; vor allem im westsibirischen Kuzbass. Die Region sei ein "ökologisches Notstandsgebiet" Luft, Böden und Trinkwasser seien extrem durch Schadstoffe belastet. Lebensmittel aus dem Kuzbass wiesen sehr hohe Konzentrationen an Blei, Cadmium, Quecksilber und Arsen auf. Die Krebsrate sei in den vergangenen Jahren stark angestiegen, die Lebenserwartung der Menschen deutlich niedriger als anderswo. Und immer wieder würden Kohlearbeiter durch Unfälle in den Minen sterben.

Auch die USA ist ein wichtiges Lieferland. Die für Deutschland bestimmte Steinkohle wird dort vor allem in den Appalachen abgebaut. Um an den Rohstoff zu gelangen, sprengen die Förderkonzerne ganze Bergkuppen und kippen den Abraum in die Täler. Das Verfahren hat bisher 500 Bergkuppen zerstört und 6.500 Quadratkilometer Wald vernichtet – und das in einem der artenreichsten Gebiete Nordamerikas. Schwermetalle und andere Schadstoffe belasteten Flüsse und Grundwasser. Auch die Krankheits- und Sterblichkeitsraten seien durch den Kohleabbau stark gestiegen.

Immerhin will sich die Schweizer Bank UBS, bisher eine der größten Geldgeberinnen des umstrittenen Bergbauverfahrens, aus diesem Geschäft zurück ziehen. Zur Begründung heißt es, dies Verfahren sei billig, aber umweltschädlich. Zahllose Lebensräume werden zerstört, Böden mit Arsen und Quecksilber vergiftet. Umweltschützer begrüßten diese Ankündigung, mahnten aber an, dass nun auch Taten folgen müssten, denn schon 2010 gab es Versprechungen von UBS die Finanzierung einzustellen. 2011 spielte die UBS allerdings eine wichtige Rolle in der rund 7 Milliarden US-Dollar teuren Übernahme von Massey Energy durch Alpha Natural Resources. Die Firma wurde damit zum drittgrößten Kohleproduzenten der USA und verfügte dort fortan auch über die größte Anzahl an Mountaintop-Mining-Standorten.

Kommentare: 2
  • #2

    Klaus (Donnerstag, 05 Mai 2016 16:17)

    Ungeheuerlich! Weil unsere Steinkohle "unwirtschaftlich" ist, helfen wir bei der Zerstörung der Natur in anderen Ländern durch "billige" Importe.

  • #1

    christine (Samstag, 16 April 2016 14:55)

    Wow, ich suche bei google das Gebiet, wo moutaintop-mining durchgeführt wird - und was steht an zweiter Stelle??? Die Naturwelt!!!! Chapeau :)