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Monsanto und die Bauern

Text und Screenshots: Gudrun Kaspareit

02.06.2018

Vor einiger Zeit habe ich den Artikel über die Horrorfusion von Monsanto/Bayer online gestellt. Ihr erinnert euch sicherlich. Der Artikel war extrem erfolgreich. Mehr als 29000 Menschen haben den Beitrag gelesen, er wurde mehr als 400 Mal geteilt (weiter verbreitet) und er wurde auf meiner analogen Facebook Seite mehr als 600 Mal kommentiert. Allerdings muss ich sagen, dass die Diskussion auf Facebook von der Landwirtschaft dominiert und auf sehr negative Weise geführt wurde. Die Landwirte freuen sich offenbar auf Monsanto und seine „Segnungen“ . Ich bin von der Heftigkeit der Landwirte, die mich wegen des Artikels attackiert haben, total überrascht worden. Für vernunftgesteuerte Argumente erntete ich überwiegend Hohn. Ich habe deshalb diese Diskussion nochmals aufgearbeitet. Immerhin gaben mir die Bauern tiefe Einblicke in ihre Schädel. Sie mögen die Jagd und hassen die Wölfe. Sie lieben Glyphosat und hassen die Grünen, den NABU, den BUND, aber am meisten Peta. Sie äußern sich hämisch über ihre Kollegen die Bio Bauern und sie machen sich über Fahrradfahrer lustig (warum kann ich nicht sagen) Auch haben sie sich sehr über Tierrechtsaktivisten erbost, die in die Ställe einbrechen und Tierquälereien dokumentieren. Ich weiß, dass mein Text stark verallgemeinernd klingt. Sicher gibt es auch kritische Bauern, die Monsanto ablehnen, doch diese haben sich an der Diskussion nicht beteiligt. Die Kommentare waren z.T. sehr persönlich und beleidigend ich kam kaum mit dem Löschen und Blocken hinterher.(Manchmal habe ich Screenshots angefertigt). Die ganze Unterhaltung wirkte dadurch allerdings oft aus dem Zusammenhang gerissen. Deshalb werde ich den Artikel alle paar Wochen erneut bei Facebook veröffentlichen. Dann werde ich besser vorbereitet sein. Eine gewisse Frau B. hatte sich zur Wortführerin aufgeschwungen. Ihre sehr gute Retorik ließ mich mutmaßen, dass sie geschult war. Und da sie sich so bedingungslos für Monsanto einsetzte, in jeder Beziehung, kann man sich ausmalen, von wem sie geschult wurde. Ich nenne sie einen Monsanto Troll. Sie hatte eine Anzahl Vasallen um sich gescharrt, die alles beklatschten was sie sagte. Die Herstellung von Saatgut war offenbar ihr Fachgebiet und sie kam immer wieder auf dieses Thema zurück (wirklich immer wieder, auch nach einer Woche noch, denn solange beruhigte sich dieser Thread nicht)

Liebe Frau B. Es ist mir völlig egal, wie die Bauern an ihr Saatgut kommen, solange es nicht genetisch verändert wurde und solange es nicht mit Gift gebeizt wurde. Natürlich wird durch Zucht und Auswahl das Saatgut ebenfalls verändert, aber erst Konzerne wie Monsanto manipulieren es so, dass es z.B. immun gegen Glyphosat ist oder dass es keimunfähig wird. Das revolutioniert die Landwirtschaft zwar, aber es tötet auch die Insekten und macht die Bauern abhängig. ( Einige Mitdiskutanten wollten mir erklären, dass Glyphosat ein Herbizid und kein Pestizid ist und deshalb für Insekten nicht schädlich sei. Hallo! Keine Blümchen, keine Bienchen.) Auch als ich einen Link schickte, der dokumentiert, dass sich in Indien seit den 1970iger Jahren schon 200000 Bauern umgebracht haben, die Verträge mit Monsanto geschlossen hatten

https://rp-online.de/wirtschaft/unternehmen/monsanto-uebernahme-bayer-beherrscht-die-aecker-der-welt_aid-23147065

blieb das unkommentiert und wurde einfach übergangen, obwohl ansonsten jedes meiner Worte heftig kritisiert wurde. Ich sei nicht kritikfähig, wurde mir unterstellt. O.K. Wenn mein Artikel mit den Worten „Der Witz der Woche“ geteilt wird, hat das wohl eher nichts mit konstruktiver Kritik zu tun, sondern mit Verunglimpfung. Als ich vorschlug, ob man sich immerhin auf diesen kleinsten Nenner einigen könnte

 Antwortete Frau B. Wie aus der Pistole geschossen

Gerne wurde ich auch in die rechte Ecke gestellt. Wir Bio Konsumenten seien alle Nazis, jeder wüsste doch, dass der Gründer von Demeter ein Nazi gewesen sei …. (Rudolph Steiner ist 1925 gestorben, Hitler kam 1933 an die Macht – finde den Fehler)

Auch Worte wie Öko Nazi und Öko Terrorist sind gefallen

Aber bei einer Aussage von Frau B. Ist mir buchstäblich der Mund offen stehen geblieben

Danach sind also alle Menschen, die Verbrecherunternehmen wie Monsanto, Nestlé oder Unilever boykottieren genau so schlimm, wie Hitlers Schergen.

Ein anderer sagte, diese Umweltschützer kriegen von mir eine Breitseite, wo immer ich sie erwische. Ich sah mir mal sein Profil an. Dort stand, er sei Landwirt und gläubiger Christ.

Ein weiterer meinte, ich hätte wohl keinen Intellekt, da ich nicht verstünde, was Frau B. mir sagen wollte, aber wenn man schon der Albert Schweitzer Stiftung angehört.....

??? Nö, gehöre ich nicht an, aber ich habe ein Zitat von Albert Schweitzer auf meinem Profil stehen.

Ich antwortete dann, dass jemand, der den großen Albert Schweitzer nicht kennt, das Wort Intellekt nicht in den Mund nehmen sollte.

Das Thema Gülle kam auch immer wieder auf. Tatsächlich sagte Frau B. Gülle sei besser als Mist.

Kein Wort von den gülleverseuchten Böden, vom nitrat-verdreckten Grundwasser, nichts über belastete Gewässer. usw.

Egal, worüber wir sprachen, die Landwirte drehten mir das Wort im Mund herum. Einige Aussagen: „Regenwürmer leiden nicht unter Glyphosat.“ „Der Kiebitz profitiert vom Mais.“ „Wegen der Gülle gäbe es mehr Insekten.“ (???? Das Gegenteil ist der Fall) „Ich würde die falschen Studien lesen, alles Blödsinn, was ich erzähle.“

Regenwürmer leiden sehr unter der Glyphosatdusche. Ein Landwirt schrieb, mechanische Bodenaufbereitung (pflügen) sei schlimmer für die Bodenmakrophagen als Glyphosat. Der Bauer pflügt also nicht, nachdem er den Schlag totgespritzt hat? Wie bringt er dann das Saatgut in die Erde? Aber ich bin ja doof. Wenn ich hier die Landwirtschaft so beobachte, wird erst ein Totalherbizid eingesetzt (Glyphosat), dann gepflügt, gesät, gespritzt, mehrmals gegen verschiedene „Schädlinge“ und nach der Ernte gleich wieder gepflügt und gedüngt. Armer Regenwurm.

Was den Kiebitz betrifft, der KÖNNTE vom Mais profitieren, wenn der Landwirt den Maisacker in Ruhe ließe, bis der Vogel seine Brutzeit beendet hat UND wenn der Landwirt mit der Giftspritze aufhörte, damit die Kiebitze genug zu fressen finden, aber leider ist beides nicht der Fall

Immer wieder machten die Landwirte darauf aufmerksam, dass sie es ja seien, welche die Menschheit ernähren. Immer wieder sagte ich als Gegenargument, dass wir statt der ganzen Überschüsse, lieber hochwertigere Lebensmittel erzeugen sollten. Es sollte nichts weggeworfen werden und es sollte mit den Überschüssen nicht der afrikanische Markt überschwemmt werden, um dort den Bauern die Preise nicht kaputt zu machen. Auch hier völlige Uneinsichtigkeit. Ich würde nur Blödsinn erzählen und hätte keine Ahnung, war noch die harmloseste Erwiderung

Einige verstiegen sich auch zu der Meinung, ich sei so eine Tierschutz Organisation, die nur Geld erbetteln wollte. Als ich das mehrmals verneinte, wurde es nicht geglaubt.

Wie gesagt, die Diskussion hat sich über eine Woche hingezogen (irgendwie funktionierte die Deaktivierung der Kommentarfunktion nicht, ich hatte es mehrmals versucht) Ich habe hier nur einige Schlaglichter wiedergegeben. Aber wenn das die mehrheitliche Meinung der Agrarwirtschaft ist, lobbygestützt und politisch protegiert, dann Gnade uns Gott. Dann werden wir weder das Insektensterben noch das Vogelsterben in den Griff bekommen. Biodiversität ist für jene ein Witz und sie werden ihre Interessen völlig rücksichtslos durchsetzen. Als Ernährer der Menschheit fühlen sie sich dabei auch noch vollkommen selbstgerecht. Kritische Selbstreflektion? Fehlanzeige.

 

Ich möchte ausdrücklich betonen, dass ich viele Landwirte persönlich kenne, da ich sehr ländlich wohne und die überwiegende Mehrheit sehr sympathisch ist. Viele engagieren sich durchaus für den Umweltschutz und sind auch monsanto-kritisch oder haben Angst vor dem Bienensterben. Den meisten, vor allem den Kleinbauern wird das Leben schwer gemacht durch all die vielen Auflagen und die geringe Verdienstspanne. (Steigende Preise beim Einkauf, stagnierende Preise beim Verkauf) Oft schafft der Kleinbauer es nur, weil er einen Nebenjob hat. Manchmal schafft er es gar nicht, dann fällt sein Hof an die Großen in der Agrarindustrie. Kleinbauer zu sein ist der reine Idealismus. Er schuftet ohne Feiertage oder Wochenenden zu haben. In der Ernte arbeitet er sogar Tag und Nacht durch. Doch der Verdienst ist denkbar gering.

Kommentare: 8
  • #8

    Jörg Sühring (Montag, 25 Juni 2018 09:56)

    Profit ist ALLES, Eins der lukrativsten und folgenreichste Produkte, seiner Zeit, fand wohl in Vietnam seine Anwendung. Es gibt schon bodenschonende Möglichkeiten der Bearbeitung ,um Erosion u.s.w. zu verhindern .

  • #7

    Britta (Montag, 25 Juni 2018 00:37)

    Hallo ich glaube zu wissen mit dem aufreissen des Bodens ist Grubbern gemeint.
    Ich finde den Artikel sehr gut und nicht zuletzt habe ich große Angst vor dem was uns erwartet.
    Ich lebe mit meinem Mann auf einem alten Hof mit im Naturschutzgebiet hier ist die Welt noch ein Stück in Ordnung.

  • #6

    Gudrun (Samstag, 23 Juni 2018 20:37)

    Lieber Hanns-Peter,
    wenn du das so sagst, glaube ich es dir. Das heißt dann ja im Umkehrschluß, dass diejenigen, die pflügen kein Glyphosat verwenden. Die Frage ist aber, ob das "Aufreißen" des Bodens, wie du es nennst, den Regenwürmern nicht oder weniger schadet, als andere mechanische Arten, den Boden zu bearbeiten, denn das war ja der Kontex.
    Liebe Grüße, Gudrun

  • #5

    Hanns-Peter (Samstag, 23 Juni 2018 10:35)

    Ich bin vollkommen auf deiner Seite, aber es gibt einen Fehler in deiner Argumentation: Es muss tatsächlich NICHT gepflügt werden um Saatgut auszubringen.In Norddeutschland wird darauf weitgehend verzichtet. Nach den Ausbringen von Glyphosat wird der Boden nur "aufgerissen" (den richtigen Ausdruck dafür habe ich vergessen). Ich war gerade auf einer Begehung einer landwirtschaftlichen Versuchsfläche dabei - daher kann ich alles von dir Gesagte unterstützen, eben bis auf das mit dem Umpflügen.

  • #4

    Martina Sparfeld (Montag, 18 Juni 2018 11:40)

    Liebe Gudrun,ich hatte es schon erwähnt Du hast es nicht mit wirklichen Menschen zu tun gehabt.Trolle werden inzwischen sehr häufig eingesetzt.Sie reagieren auf Stichwörter die sie im Netz suchen.Vom wem diese eingesetzt werden.....ich weiß es auch nicht.Sicher ist das sie verunsichern wollen und auch Meinungsbilder verändern,das ist ihr Ziel.Wir lassen uns nicht verunsichern und bitte mach weiter so.Danke dafür!

  • #3

    Gudrun (Sonntag, 17 Juni 2018 18:41)

    Von ganzem Herzen DANKE ihr beiden. Ein wenig Zuspruch tut wirklich gut, damit man nicht ans Aufhören denkt, denn Aufgeben ist keine Option. Wir dürfen unsere Zukunft nicht in die falschen Hände geben.
    Ich grüße euch ganz herzlich, Tina und Eva eure Gudrun

  • #2

    Eva Schmelzer (Sonntag, 17 Juni 2018 16:23)


    Ich bin begeistert von Deinem Einsatz und gleichzeitig entsetzt von den Reaktionen vieler, in deren Händen und Gesinnung ein so wesentlicher Teil der Zukunft unserer Umwelt liegt. Es ist mir unbegreiflich wie Menschen, die der Natur tagtäglich so nahe sind, ihr gleichzeitig so feindlich gegenüber stehen können. Wie können sie das mit ihrem Gewissen vereinbaren? Gewiss, die Landwirte ernähren uns, wie Du sie ja auch im Artikel zitierst, aber gleichzeitig berauben sie uns des Wertvollsten, was wir noch haben und wir dringend zum Überleben brauchen.
    Ich schließe mich der Bewunderung für Deinen Kampf an, liebe Gudrun!

  • #1

    Tina (Freitag, 15 Juni 2018 22:02)

    Liebe Gudrun!
    Da hast Du ja offensichtlich in ein Wespennest gestochen.
    Deine Kampfbereitschaft für die Wahrheit im Sinne der Natur ist
    bewundernswert und mutig. Ich gebe Dir zu 100% Recht!!
    Lasse Dich um Gottes Willen nicht provozieren. Bleibe bei den
    Fakten und schreibe sie nur einmal. Wahrheit muss sich nicht
    rechtfertigen. Ich würde mich auf Information statt auf Diskussion
    konzentrieren, sonst reibst Du Dich nur auf.
    Deine Seite ist super interessant, ich lerne jedesmal was dazu.
    Danke für Deinen unermüdlichen Einsatz.
    Liebe Grüße
    Tina.