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Nachhaltigkeit

Unter dieser Rubrik möchte ich künftig Produkte vorstellen, die sich durch besondere Nachhaltigkeit auszeichnen.

Ressourcen schonen, die Natur entlasten, Chancengleichheit fördern, das alles kann die Menstruationstasse Ruby Cup

Ihr wollt endlich ernst machen mit dem nachhaltigen Lebensstiel? Kein Plastik mehr, keine Naturzerstörung? Dann gibt es hier neue Produkte, welche Ihr auf Eure Liste setzen könnt.

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Kanwan

Der Holunder

Text, Fotos und Pastellkreidezeichnung: Ulrike Beschow

10.09. 2020

Schau, von weitem sieht

man es leuchten,

dieses

zarte Blütenkleid.

Frau Holle

hält Hochzeit.

Ein üppiges, strahlendes 

Kleid mit dem Duft

von

Jugend, Fürsorge und

Weisheit.

 

Ulrike Beschow

 

Sambucus nigra

 

Familie: Geissblattgewächse- Caprifoliaceae

 

Heute habe ich mich für den Holunder entschieden. Leider ist die schöne Holunderblüte ja schon einige Zeit her, aber inzwischen leuchten die schwarzen Beeren köstlich in der Sonne.

Der schwarze Holunder ist in ganz Europa, Asien und auch in Nordafrika zu Hause. Er siedelt sich gerne in der Nähe von Menschen an, auf alten Bauernhöfen, an Weg- und Waldrändern, im Hag (Hecken) von Feldrainen, in Laubwäldern und an alten Mauern. Auch in den Städten kann man ihn auf Abrissgrundstücken und alten, zerfallenen Häusern oft antreffen.

Vor einigen Jahren haben wir meine alte Heimat Sachsen besucht. Als wir durch die schmalen Gassen von Bautzen schlenderten, bot sich uns vor einem alten, leer stehenden Stadthaus ein lustiges Bild. Vor der Eingangstür, die mit Sicherheit so manche Geschichte hätte berichten können, stand mitten auf der Stufe ein stolzer, selbstbewusster Holunder: Das ist jetzt schon lange mein Heim!

Der bekannteste volkstümliche Name des Holunders ist wahrscheinlich der Hollerbusch, fast jeder kennt den Abzählreim aus Kindertagen.

Es ranken sich unzählige Geschichten um den Holunder, welche immer um die dreifaltige große Göttin kreisen. In den Kreisen der Sprachwissenschaftler bestehen zwar Zweifel, dass der Name Holunder auf die alte Göttin Holle zurückgeht, aber Vieles scheint doch dafür zu sprechen. Wir alle kennen wohl die Frau Holle aus Grimms Märchen. Sie ist keine andere als die große Göttin, die Erdgöttin, die schwarze Morrigan, und so wie das Licht aus der Dunkelheit hervorgeht, so wird aus Morrigan im Jahreskreis die strahlende Brigit. Jedes Volk hat für diese Göttin ihre eigenen Namen; bei den Germanen ist es „Hol“, die Holle. An dieser Stelle möchte ich die Mythologie nicht so weit vertiefen, es würde einfach zu weit führen, aber es ist trotzdem sehr, sehr spannend. In meinem Kräuterbuch habe ich mehr darüber geschrieben.

Holunderbusch
(c) Ulrike Beschow Holunderbusch

Heilwirkungen

Rinde, Beere, Blatt und Blüte.

Jeder Teil ist Kraft und Güte. Jeder segensvoll“.

 

Dieser alte, weise Spruch drückt auch heute noch die große Heilkraft des Holunders aus. Die früheren Bauern und das Landvolk, welche sich die teure Medizin nicht leisten konnte, wussten um die Kräfte, die in diesem Baum steckten und begegneten ihm ehrfurchtsvoll. Vor dem Hofholunder wurde der Hut gezogen. Er war für sie die Apotheke am Haus. Vielfältig sind auch hier die Heilwirkungen. Der Holunder wirkt blutreinigend, schweißtreibend, entzündungshemmend, blutstillend, harntreibend, krampf- und schleimlösend, pilztötend und erweichend.

 

Sein Hauptanwendungsgebiet sind allerdings Erkältungskrankheiten und alles, was damit in Verbindung steht. Hierfür kann man sich aus frischen oder getrockneten Blüten (die Dolden mit den Stielen nach oben zum schnellen Trocknen auslegen, aber nicht in der Sonne, anschließend die Blüten abzupfen und trocken aufbewahren) einen Tee, dem man auch noch Kamillenblüten zufügen kann, zubereiten und diesen mehrmals am Tag trinken. Dieser regt das Schwitzen an, löst Verschleimungen und wirkt fiebersenkend. Wer gerne in die Sauna geht, kann sich hier die schweißtreibende Wirkung zu nutze machen und zuvor ein Tässchen Holundertee trinken.

Der Holunderblütentee verschafft Linderung bei Entzündungen der Stirnhöhlen und bei Allergien, wie z.B. dem Heuschnupfen. Hilfreich für die Stirnhöhle können auch Dampfbäder mit einem Absud sein. Durch seine blutreinigende Wirkung kann man den Holunder auch bei Gicht, Rheuma und Akne einsetzen, während die harntreibende Wirkung die Nieren anregt und bei Blasenentzündung unterstützend wirkt. Ein Bad mit dem Blütenabsud beruhigt die Nerven und verschafft auch Linderung bei Nervenschmerzen wie z.B. Ischias, Migräne oder beim Hexenschuss. Hier kann die Heilwirkung noch mit Holunderbeerensaft unterstützt werden.

Da wir übers Jahr schon etwas mehr von diesem Saft benötigen, werden die Beeren dampfentsaftet, heiß in saubere Flaschen gefüllt und mit Gummikappen verschlossen. Hierbei sollte man beachten, dass die Flaschen randvoll (am besten mit einem kleinen Berg Schaum darauf) gefüllt werden und man die Kappe dann von der Seite her über den Flaschenhals schiebt. Dieser Saft tut nicht nur unserer Gesundheit gut, sondern er findet auch in der Küche oft Anwendung. Aber dazu später mehr.

Dieser Saft stimuliert das Immunsystem und stärkt die Nerven. Der blaue Farbstoff der Beeren begünstigt auch die Atmung der Zellen, weshalb der Holundersaft als Begleittherapie bei Tumoren in Betracht kommt. Da er auch antiviral wirkt ist er hervorragend dazu geeignet ihn bei viralen Infekten und bei Herpes (den Saft direkt auf die Bläschen tupfen) oder Gürtelrose einzusetzen. Bei den Beeren ist zu beachten, dass man sie nur gekocht (auch die getrockneten) verwendet, nie roh. Wer überwiegend im Sitzen arbeiten muss, dem bringt der Saft (100ml/Tag) frische Energie. Die getrockneten Beeren sind schon alleine wegen des Aromas eine gute Beigabe für jeden Kräutertee. Und wenn Sie einmal von Durchfall geplagt werden, so können die getrockneten Beeren Abhilfe schaffen, denn sie wirken stopfend.

Bei den Kelten, bei Naturvölkern in Sibirien und bei nord- amerikanischen Indianern wurde auch die innere Rinde des Holunders genutzt. Dazu wurde sie entweder nach oben oder nach unten abgeschabt. Die Abkochung der Rinde bewirkte durch ihre Giftigkeit als Abwehrreaktion des Körpers eine Reinigung des Verdauungstraktes. Die Schabrichtung gab der Psyche die Richtung vor, wie ausgeschieden werden sollte: Entweder durch Erbrechen oder als Darmkatarrh. Über die dabei entstehenden Schweißausbrüche wurde der Körper zusätzlich gereinigt (purgiert). Mit diesem Purgieren wurden nicht nur Krankheitskeime ausgeschieden, sondern auch die Krankheitsgeister. Marcellus Empiricus beschreibt die Menge der dafür abgeschabten Rinde passe genau in eine Walnussschale. Ob diese Behandlungsmethoden dem heutigen Westeuropäer zu empfehlen sind, bleibt dahin gestellt.

Aus den grünen Blättern lässt sich eine hilfreiche Jauche für den Garten herstellen, welche man gegen Wühlmäuse und die Möhrenfliege einsetzt. Dazu vergärt man 1 kg. Blätter mit 10 Liter Wasser. Gegen Wühlmäuse gießt man die Jauche in deren Gänge und bei der Möhrenfliege den Boden vor dem Aufgehen der Saat unverdünnt, später dann alle zwei Wochen 1:10 verdünnt.

Holunderbusch
(c) Ulrike Beschow Holunderbusch

 

Hier noch ein Tipp zu einem besonderen Pilz, er wächst hauptsächlich am Holunderholz. Der Christusverräter Judas soll sich von dem Holunder magisch angezogen gefühlt haben. Es war ein Holunder, an dem er sich aufhängte. Deshalb nennt man diesen Pilz auch Judasohr. Es sind rotbraune, auf der Oberfläche samtig aussehende, gallertartige, feste Pilze, die einer Ohrmuschel gleichen. Hier in unseren Breiten ist er als Speisepilz weniger bekannt, vielleicht auch wegen der Assoziation zu dem Verräter Judas. Aber dieser Pilz ist durchaus ein leckerer Pilz für eine Chinapfanne und sehr gesund dazu. In China (und bei uns im Supermarkt) ist er unter dem Namen Mu-Err (Wald- oder Baumohr) bekannt und einer der ältesten Speisepilze. Bei Augenentzündungen verschafft er, frisch aufgelegt, Linderung. Er stabilisiert das Immunsystem und hemmt Entzündungen der Schleimhäute und der Haut. Am häufigsten findet man das Judasohr im Herbst und Winter, es bevorzugt feuchte Standorte. Bei uns die Jahreszeiten wo es am meisten regnet. Wenn der Regen ausbleibt, trocknet der Pilz ein und entfaltet sich wenn der Himmel wieder weint.

 

Räuchern

Zum Räuchern werden die getrockneten Blüten und das Mark aus dem geschnittenen Holz verwendet. Wegen seiner schützenden und heilenden Eigenschaft ist er für Heilungszeremonien zu empfehlen. Der Holunder unterstützt uns bei der Findung der Lebensaufgabe und steht uns in schwierigen Übergangsphasen bei. Er vermittelt uns die wärmende Geborgenheit und Fürsorge der großen Göttin und hilft dabei uns mit den Energien von Mutter Erde zu verbinden. Da er aber keinen intensiven Geruch verbreitet kann man ihn gut mit Fichtenharz und Wacholder mischen. Beide unterstützen die Wirkungsweise des Holunders.

Verwendung in der Küche

Der Holunder bietet eine Vielzahl an Verwendungsmöglichkeiten für die Küche und eine jede ist eine Gaumenfreude. Der Geschmack der Blüten wird dabei durch Beigaben von Zitronensaft oder –schale hervorragend unterstrichen. Die Blüten und der Saft kommen bei uns das ganze Jahr über zum Einsatz. Ich möchte hier nur Tipps für Rezepte geben, welche man mit getrockneten Blüten und Holunderbeeren zubereiten kann. Ein leckeres Brotrezept findet Ihr separat. Freuen wir uns schon jetzt auf die wunderschönen, frischen Blüten im Frühling. Für kalte Wintertage, wenn man einmal so richtig durchgefroren, oder eine Erkältung im Anzug ist, ist eine Suppe aus Holunderbeersaft mit gerösteten Weißbrotwürfeln genau das Richtige.

Man erhitzt den Saft mit Zimtrinde, Nelken und Zucker (natürlich geht auch anderer Süßstoff) und bindet mit etwas Stärke ab. Die Brotwürfel werden in etwas Butter angeröstet und über die Suppe gestreut. Die Fleischesser unter Euch können Holundersaft für fast jede Bratensauce statt des Rotweins verwenden. Holunder- mit Brombeersaft gemischt und ein beim Kochen zugefügter Minzebund, ergibt ein leckeres Gelee. Statt Minze lässt sich auch gut Basilikum verwenden.

Wer sich noch einen Vorrat an Saft zulegen möchte, sollte noch schnell die leckeren Beeren sammeln und entsaften.

Ich lege sehr starken Wert auf die Feststellung, dass alle hier erwähnten medizinischen Therapievorschläge der alten, traditionellen Kräuter- und Pflanzenheilkunde entstammen und auf keinen Fall als meine persönlichen Therapie- und Behandlungsvorschläge zu verstehen sind! Sollte ein Leser dieses Artikels trotzdem von den hier erwähnten medizinischen Vorschlägen Gebrauch machen, so tut er dies in seiner alleinigen Verantwortung, bzw. im Vertrauen auf altes Kräuterwissen.

Bei längeren, unklaren Beschwerden sollte man immer einen Arzt seines Vertrauens hinzuziehen.

 

Genießt den wunderschönen Herbst, in diesem Sinne alles Liebe

Eure Ulrike Beschow

Holunder
(c) Ulrike Beschow Holunder

Rezepte zum Holunder

 

Holunderblütenbrot: Für das Brot braucht Ihr:

1 kg Mehl (wir nehmen 600 gr. Dinkelvollkorn und 400 gr. helles Dinkel), 600 ml Buttermilch, 20 gr. Salz, 10 gr. Zucker, 1 Würfel frische Hefe, abgeriebene Schale von zwei Bio-Zitronen, 14 frische, abgezupfte Blütendolden oder 3-4 Eßlöffel getrocknete Blüten.

Bereiten Sie aus diesen Zutaten einen elastischen Teig und lassen Sie ihn eine Stunde an einem warmen Ort zugedeckt gehen. Danach wird er etwa acht Minuten lang kräftig durchgeknetet und auf zwei eingefettete Kastenformen, eine große und eine kleine (Rehrückenform sieht hübsch aus) verteilt und mit zerlassener Butter bestrichen. Nun werden die Formen mit Frischhaltefolie abgedeckt und noch einmal zwei Stunden gehen gelassen. Wenn es im Sommer sehr warm ist, verkürzt sich dieser Vorgang eventuell etwas. Jedenfalls sollte der Teig nicht überlaufen. Der Backofen wird auf 200º vorgeheizt (bei Umluft 180º) und ein kleiner Topf mit Wasser wird auf den Herdboden gestellt. Jetzt kommen die Brote in den Ofen und werden ca. 40 Minuten goldbraun gebacken. Vielleicht wird es ja schon wegen des betörenden Dufts, der durch das Haus zieht, Ihr Lieblingsbrot. Dieses Rezept stammt aus dem Buch" Der Geschmack von Blumen und Blüten", von Elisabeth Lestrieux und Jelena de Belder. Ich backe dieses Brot schon viele Jahre.

 

Ein Tolles Rezept für Menschen die gern Quitten essen. Ich habe es einmal im Internet gefunden, man möge mir verzeihen, wenn ich die Quelle nicht mehr nennen kann. Ich backe die Quitten anstelle des Rotweins aber mit Holundersaft.

Freiburger Ratsherrenquitten: Dafür benötigen Sie: 2 Quitten (am besten Apfelquitten), 250 gr. Zucker, 250 ml Holundersaft, 2 EL Nelken, 2 Zimtstangen (ca. 5 cm) und 1 Pck. Vanillezucker auf 200 gr. Schlagsahne. Die Quitten werden abgerieben, halbiert und entkernt. In eine feuerfeste Form wird die Hälfte des Zuckers gestreut, die Quitten mit der Schnittfläche nach unten darauf gesetzt und der Zimt und die Nelken dazugegeben. Nun wird der Saft angegossen und der restliche Zucker über die Quitten gestreut. Ich streue den Zucker immer so über die Quitten, dass etwas Saft aufgesogen wird und über die Früchte "wandert". Im auf 200º (Ober- Unterhitze) vorgeheizten Ofen ca. eine Stunde backen. Auskühlen lassen und mit der steifen Sahne servieren.

 

Viel Spaß beim ausprobieren und guten Appetit.

 

Kommentare: 3
  • #3

    Gudrun (Sonntag, 20 September 2020 00:38)

    Ach ich liebe den Holunder: Holundersaft, Gelee und Suppe sind gerade wieder aktuell. Und im Frühjahr werden die Blüten zu Holundersirup, Limonade und Holundersekt verarbeitet. Sooo lecker.

  • #2

    Ulrike (Samstag, 19 September 2020 17:19)

    Herzlichen Dank für die lieben Kommentare. Auf die leckeren Hollerküchlein freuen wir uns auch schon das ganze Jahr. Ich back immer ganz dünne Eierkuchen und drücke die Dolden dann in der Pfanne hinein. Sehr lecker sind dazu selbst gesammelte, gezuckerte Walderdbeeren, aber normale tun es auch.

  • #1

    Eva Schmelzer (Donnerstag, 17 September 2020 20:41)

    Dieser Beitrag lässt nichts aus: Wir werden mit allem bekannt gemacht, was wissenswert ist. Von der Geschichte bis hin zu nachahmenswerten Rezepten! Und alles geschmückt mit Foto- und Zeichenkunst. Wunderbar!
    Wenn ich blühenden Holunder sehe, muss ich an die „Hollerküchlein“ meiner österreichischen Tante aus Kindertagen denken. Wir pflückten die Dolden, befreiten die Blüten von eventuellen Tieren, wuschen sie aber nicht, weil man sonst den Blütenstaub abwäscht, der der intensivste Geschmackgeber ist. In einer Pfanne wurde Öl erhitzt, die Blüten in einen nicht zu dünnflüssigen Palatschinkenteig (Pfannkuchenteig) getaucht und dann ins heiße Fett geben. Vor dem Umdrehen wurde der überstehende dicke Stiel mit der Schere abgeschnitten. Man briet beidseitig bis die Küchlein leicht hellbraun waren und bestreute mit Zimtzucker. Lang, lang ist's her, aber heute bestimmt noch so lecker wie vor vielen Jahrzehnten.