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Nachhaltigkeit

Unter dieser Rubrik möchte ich künftig Produkte vorstellen, die sich durch besondere Nachhaltigkeit auszeichnen.

Ressourcen schonen, die Natur entlasten, Chancengleichheit fördern, das alles kann die Menstruationstasse Ruby Cup

Ihr wollt endlich ernst machen mit dem nachhaltigen Lebensstiel? Kein Plastik mehr, keine Naturzerstörung? Dann gibt es hier neue Produkte, welche Ihr auf Eure Liste setzen könnt.

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Kanwan

Der Beifuß

Text, Bild und Foto: Ulrike Beschow

10.09.2021

 

Traurigkeit überkommt mich

beim Anblick

der trostlosen, schmutzigen Fläche

inmitten der Stadt.

Da bleiben meine Augen

an einer auf den ersten Blick

unscheinbaren Pflanze hängen.

Und ich weiß,

sie wird sich machtvoll darüber

erheben

und die Seele des Ortes reinigen.

 

Ulrike Beschow

 

 

 

Pastellkreidezeichnung Ulrike Beschow

Artemisia vulgaris

Familie: Korbblütler- Asteraceae- boraginaceae

 

Der Sommer neigt sich dem Ende entgegen und somit auch die Zeit des Kräutersammelns. Aber heute möchte ich Euch noch eine Pflanze vorstellen, welche mir sehr am Herzen liegt. Mit etwas Glück kann man noch blühende Pflanzen entdecken.

 

Der Beifuß ist eine weit verbreitete Pflanze. Man findet sie überall in Europa, Asien und in Nordamerika, wo sie auch heute noch für die indigene Bevölkerung eine starke Heil- und Ritualpflanze für Körper und Seele ist. Pollenanalysen haben ergeben, dass der Beifuß zu jenen Pflanzen gehörte, die sich nach dem Rückzug der Gletscher, also vor rund 10.000 Jahren, in den Tundren Eurasiens ansiedelten. Das lässt darauf schließen, dass er eine sehr robuste und zähe Pflanze ist. Wenn Ihr einmal schaut, wo man ihn hauptsächlich vorfindet, so werdet Ihr feststellen, dass er sich sehr oft jene Orte sucht, mit denen der Mensch nicht gerade pfleglich umgegangen ist. Er wächst häufig an und auf Schutthalden, an Bahngleisen, auf den Brachflächen unserer Städte und an Straßen- und Wegrändern. Von daher ist er eine Pflanze, die sich dem Städter, der den Zugang zum grünen Volke sucht, geradezu anbietet. Fast kann man den Eindruck bekommen, dass Mutter Erde ihn ganz bewusst zu diesen trostlosen Orten schickt, damit sie mit seiner Hilfe und Kraft die kranke Seele dieser Orte reinigen und heilen kann. Das wir es bei dieser eher unscheinbaren Pflanze, mit ihren winzigen gelb- rotbraunen Blüten, mit einer sehr kraftvollen Pflanze zu tun haben, fällt erst einmal schwer zu glauben. Wenn man allerdings auf jene Exemplare trifft, die auf gutem Boden in einem gesunden Umfeld wachsen und dort gut und gerne zwei Meter an Wuchshöhe erreichen, ist man schon etwas mehr von dieser Pflanze beeindruckt. Sie scheint dann förmlich vor Kraft und Energie zu strotzen. Dort kann man „eintreten“ in den herben, würzigen Duft, den Energien nachspüren und sie auf sich wirken lassen. Als wir noch einen Garten auf einer Permakulturfläche unser Eigen nennen durften gab es an anderen Stellen größere Flächen mit Beifuß. Dort konnten wir selbst diese Erfahrung machen; man konnte eintreten. Der Beifuß wird seit Urzeiten rund um den Globus rituell als Zauber-, Kraft- und Heilpflanze genutzt, und die Verwendung ist überall recht ähnlich. Das Volk hatte natürlich wieder seine eigenen Namen, welche die Verwendung erkennen lassen. So z. B. Besenkraut, Gürtlerkraut, Gänsekraut oder Sonnenwendgürtel. Für die germanischen Stämme war er wohl die mächtigste Pflanze überhaupt. Sie nannten ihn „Mugwurz“, was „Machtwurz“ bedeutet. Die heidnischen Sachsen bezeichneten ihn gar als „Wyrta Modor“, Mutter der Wurzeln oder Schicksalsmutter. Sie ist die erste Pflanze im angelsächsischen Neunkräutersegen aus dem 11. Jahrhundert, er wurde von Odin und den Kräuterkundigen folgendermaßen angesprochen.

 

 

„Erinnere dich, Mugwurz, was du verkündetest.

Was du feierlich festgesetzt hast.

Una heißt du, Älteste der Kräuter.

Macht hast du gegen dreißig und drei.

Macht gegen das fliegende Gift.

Macht gegen das Übel, das über das Land fährt.

 

 

Der Beifuß war ein wichtiges Ritualkraut des Festes der Sommersonnenwende. Es war ein sehr extatisches und freudenreiches Fest, an dem man sich auch Gürtel aus Beifuß flocht und sich um die nackte Taille legte. Dieser Brauch geht auf den mächtigen, keltischen Donnergott Thor zurück. Die Zwerge flochten ihm aus Beifuß einen Machtgürtel, den "Megin gjarder", welcher seine Kraft in allen Bereichen verdoppeln konnte. Da der Beifuß eine stark reinigende Fähigkeit besitzt wurden aus ihm auch Besen gebunden. Hier ist allerdings nicht das Staubputzen gemeint, sondern eher eine Reinigung auf energetischer Ebene. Hauptsächlich wurden damit Altäre, Räume oder Ritualgegenstände gereinigt. Unzählige Geschichten ranken sich um dieses Kraut, was wieder einmal beweißt welchen Stellenwert diese Pflanze bei unseren Vorfahren hatte. Man benötigt gar kein so großes Wissen um sich der alten Kräuterheilkunde wieder zu nähern. Hätten unsere Vorfahren dieses Wissen um die heilsamen Eigenschaften nicht gekannt, wäre die Menschheit schon lange ausgestorben.

 

Heilwirkung

 

Wie ihr Gattungsname Artemisia schon verrät, war diese Pflanze der griechischen Göttin Artemis geweiht, welche auch die Hüterin des weiblichen Schoßes war, den Frauen beistand und sie war ebenso die Mondgöttin. Dementsprechend wurde der Beifuß auch in der Heilkunde eingesetzt. Um die Wehen der Gebärenden anzuregen und die Geburt zu erleichtern, banden sich die Frauen Beifuß um den Schoß. Er war praktisch in der gesamten Frauenheilkunde präsent. Da der Zyklus der Frau normalerweise mit dem des Mondes übereinstimmt, bringt der Beifuß eine unregelmäßige Menstruation wieder zurück in ihren Rhythmus. Er dämpft auch Periodenschmerzen und Gebärmutterkrämpfe, er wirkt beruhigend und krampflösend. Aber Achtung: Der Beifuß darf nicht in der Schwangerschaft angewendet werden. In der Phase der Wechseljahre der Frau, dem Übergang in einen neuen Lebensabschnitt, ist er ein hervorragender Begleiter. Er ist ein kräftiger Reiniger sowohl auf physischer als auch auf psychischer Ebene. Durch seine ätherischen Öle und Bitterstoffe regt er die Magen- und Gallensäfte an, er entgiftet den Körper und reinigt das Blut.

 

Für viele Frauen sind die Wechseljahre eine Zeit der Zerrissenheit und Sinnsuche, mit der großen Frage „Was kommt jetzt“, wenn die Kinder aus dem Haus sind und „Bin ich noch attraktiv?“, wobei meistens nur der äußere Aspekt Beachtung findet. Oft führt dann der Weg für viele Frauen, die meinen in einer auswegslosen Situation gefangen zu sein, zum Arzt, in der Hoffnung auf eine rettende Pille. Doch gerade diese Zeit im Leben einer Frau bietet ein überwältigendes Spektrum an Möglichkeiten und Chancen. Ich möchte all diesen Frauen nur raten sich von der Mutterrolle zu befreien. Natürlich werdet Ihr bis an Euer Lebensende Mutter bleiben. Aber jetzt habt Ihr die Zeit, die Euch fehlte als Eure Kinder Euch 24 Stunden am Tag beschäftigt haben und Euer Gatte eventuell pünktlich sein Essen auf dem Tisch und die Pantoffeln darunter haben wollte. Das klingt vielleicht etwas drastisch, aber dafür auch deutlich. Jetzt seit Ihr endlich dran, nutzt diese Zeit. Lasst Euch in den natürlichen Rhythmus des Lebens fallen, und bedenkt , dass die Wechseljahre keine Krankheit sind. So oder ähnlich könnte die Botschaft des Beifuß lauten, und er steht Euch in dieser Zeit zur Seite. Er fördert die Intuition und Kreativität, gibt Euch Kraft und innere Stärke, er fördert Euer Selbstvertrauen und gibt Euch Klarheit, Ruhe und Gelassenheit.

 

Der Beifuß ist auch eine Pflanze des Merkurs oder auch des Hermes, dem geflügelten, leichtfüßigen Götterboten. Sein Name verrät es eigentlich schon: Er tut den Füßen und den Beinen wohl und dies ohne Rücksicht auf das Geschlecht. Schon Plinius schrieb über ihn als ein wohltuendes Mittel gegen die müden und schmerzenden Füße und Beine erschöpfter Wanderer. Man sollte den Beifuß an das Bein binden oder auch ein Zweiglein in den Schuh legen. Wenn man sich mit dem zerknüllten Kraut die Beine einreibt, so merkt man sofort seine erfrischende Wirkung. Nach einem anstrengenden Tag in der Stadt, wo man sehr viel negativer Strahlung ausgesetzt ist und hauptsächlich auf Beton unterwegs ist, tut ein erfrischendes Beifuß-Fußbad Wunder. Dafür nimmt man zwei bis drei handvoll frisches oder getrocknetes Kraut, setzt es mit kaltem Wasser an und läßt es dann ca. fünf Minuten abgedeckt kochen. Für müde Füße lassen wir das Wasser erkalten und baden sie dann darin, bei Unterleibsbeschwerden baden wir die Füße in dem heißen Wasser. Aber man kann sich natürlich auch aus dem blühenden Kraut ein Öl oder eine Salbe zum Einreiben der Beine zubereiten.

 

Der Beifuß gilt als eine heiße, trockene Pflanze, die die Hitze des kosmischen Feuers, der Blitze und der Sommersonne enthält. Wer häufig unter kalten Händen und Füßen leidet sollte sich dies zu Nutzen machen. Er wirkt auch antibakteriell und antimykotisch, also gegen Pilze, und ist ein starker Reiniger auf allen Ebenen. Durch seine Bitter- und Gerbstoffe fördert er die Verdauung und den Appetit, er regt den gesamten Verdauungsapparat positiv an und soll sogar Darmparasiten vertreiben.

 

Hildegard von Bingen empfiehlt den Beifuß äußerlich bei Ekzemen. Dazu wurde das frische Kraut zerrieben um den Pflanzensaft zu gewinnen. Dieser wurde mit Honig vermischt und dann auf die betreffende Stelle gestrichen. Auch sollte man Eiweiß darüber streichen und das Ganze mit einem Tuch abdecken. Diese Prozedur wurde wiederholt bis die Stelle abgeheilt war.

 

In China wird der Beifuß zur Moxibustion verwendet. Das heißt das kleine, feste Kräuterkügelchen auf Akupunkturpunkten auf der Haut verbrannt werden um den Energiefluss der entsprechenden Organe und ihre Heilung in Gang zu setzen. Wir selber nutzen die starke Reinigungskraft des Beifusses auch in Bezug auf die starke Belastung mit Funkstrahlen, die uns in der Stadt mitunter sehr zu schaffen machen. Wenn wir dem nicht entgehen können nehmen wir ein paar Beifußzweige mit oder stecken sie uns auch schon mal in das Haar. Dies ist auch recht hilfreich bei längerer Arbeit am PC. Für diese Zwecke leisten auch Rauchquarze hervorragende Dienste.

 

Räuchern

 

Der Beifuß ist eine unserer stärksten und meistgenutzten Räucherpflanzen. Über die Standorte habe ich ja schon geschrieben. An dieser Standortsignatur lässt sich ihre Verwendung gut erkennen. Der Beifuß neutralisiert schlechte Energien wie z.B. Elektrosmog oder Funkstrahlung und löst Spannungen vieler Art auf. Dies bezieht sich auch auf Streitigkeiten und Disharmonien im zwischenmenschlichen Bereich. Mit ihm wurden auch einst Haus und Hof bei aufziehenden Gewittern und Unwettern beräuchert um Schaden abzuwenden und die Energien auszugleichen. Wie schon gesagt ist der Beifuß eine starke Segens-, Schutz- und Reinigungspflanze. Er ist universell für jegliche Veränderungen und Übergangsrituale einsetzbar. Beim Einzug in eine neue Wohnung sollte man zuvor ein gutes Reinigungsritual mit ihm durchführen um fremde Energien zu lösen.

 

Beim Räuchern mit Beifuß werden die weiblichen Energien gefördert, die Intuition und ebenso das Traumbewusstsein. Er regt die spirituellen Kräfte in uns an und verschafft Klarheit, in dem er den Blick auf die Dinge öffnet. In Zeiten der Trauer wärmt und weitet er das erkaltete Herz und hilft uns somit beim Loslassen.

 

Bei uns ist der Beifuß fast immer die Grundlage für alle Räucherungen. Er schafft eine gute Energiebasis für eventuell andere Kräuter und Harze. 

 

Verwendung in der Küche

 

Den meisten unter uns ist der Beifuß durch den weihnachtlichen Gänsebraten als Gewürz bekannt. Er macht diesen fetten Braten wie alle anderen fetthaltigen Gerichte leichter bekömmlich. Wer den Geschmack von Beifuß mag, kann ihn auch als Gewürz in den verschiedensten Suppen und Eintöpfen ausprobieren und damit experimentieren. Er passt gut zu Kartoffeln, Zwiebeln, anderen Kräutern, Geflügelgerichten und auch zu Fisch. In den kalten Wintermonaten bereiten wir gerne einmal unseren eigenen Schmalztopf zu, wo auch der Beifuß seinen Platz bekommt.

 

In dem Buch „Heilkräuter und Zauberpflanzen“ von Wolf-Dieter Storl (AT-Verlag 2004) haben wir noch ein Göttergetränk entdeckt, wofür folgende Zutaten benötigt werden:

 

2 Beifußzweige, 2 EL Honig, 1 Tasse Heidelbeersaft oder eine handvoll Heidelbeeren, 1 L Wasser. Die Beifußzweige werden in das kochende Wasser gegeben und dies lässt man abkühlen. Alsdann werden der Honig und die Beeren, bzw. der Saft eingerührt.

Wohl bekomm `s!

 

Ich lege sehr starken Wert auf die Feststellung, dass alle hier erwähnten medizinischen Therapievorschläge der alten, traditionellen Kräuter- und Pflanzenheilkunde entstammen und auf keinen Fall als meine persönlichen Therapie- und Behandlungsvorschläge zu verstehen sind! Sollte ein Leser dieses Artikels trotzdem von den hier erwähnten medizinischen Vorschlägen Gebrauch machen, so tut er dies in seiner alleinigen Verantwortung, bzw. im Vertrauen auf altes Kräuterwissen. Bei längeren, unklaren Beschwerden sollte man immer einen Arzt seines Vertrauens hinzuziehen.

Eure Ulrike Beschow

Räucherfeuer
(c) Ulrike Beschow

Räuchern mit Beifuß

Kommentare: 1
  • #1

    Eva Schmelzer (Mittwoch, 15 September 2021 17:19)

    Ich empfinde es als so wunderbar, wenn ich Ulrike Beschows Beiträge über Pflanzen lese, von denen ich zunächst sagen würde: „Na klar, kenne ich!“ (so wie diesen über den Beifuß). Und dann? Dann merke ich beim Lesen, dass ich so gut wie gar nichts wusste! Eine Vielfalt und Fülle an Wissenswertem und bislang Unbekanntem tut sich auf!
    Wunderschön die Zeichnung und sehr anrührend der nebenstehende Text.