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Irmela, die "Polit-Putze"

Text: Gudrun Kaspareit

Foto: Wikipedia

23.03.2017

Irmela Mensah-Schramm
Von Ppntori - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=26101377

 Schon seit 30 Jahren übersprüht Irmela Mensah-Schramm, die sich selber „Polit-Putze“ nennt, Nazi und Hass Parolen und entfernt Nazi-Propaganda-Sticker und Aufkleber mit einem Schaber ganz nach dem Motto „ Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“ Inzwischen ist sie 70 Jahre alt. Und ihre kreative Arbeit ist ist wichtiger denn je, die aktuellen politischen Ereignisse, machen es deutlich. Die Menschenrechtsaktivistin, übersprüht SS Runen und Hassparolen in Berlin und macht harmlose Bildchen daraus. Sie hat das Ausstellungsprojekt „Hass vernichtet“ ins Leben gerufen und hält Vorträge an Schulen. Für ihr Engagement gegen Rechtsextremismus ist Irmela Mensah-Schramm mehrfach ausgezeichnet worden – darunter mit der Bundesverdienstmedaille und dem Göttinger Friedenspreis.

 

Angefangen hatte alles mit Nazi Aufklebern, welche 1986 die Freiheit von Rudolf Hess, Hitlers Stellvertreter, forderten. Irmela Mensah-Schramm begann diese Aufkleber zu entfernen. Sie entwickelte einen unbändigen Drang, den Hassbotschaften etwas entgegenzusetzen, bzw. sie umzuwandeln.

 

Obwohl Irmela sich unermüdlich für die Menschenrechte und gegen Hass einsetzt, wird sie oft beschimpft oder wegen Sachbeschädigung angezeigt. Einmal erlitt sie eine Körperverletzung, als sie an einem S-Bahnhof Graffiti übersprühte, die sich gegen türkische Mitbürger richtete. Der Wachschutz, der sie ertappte, schubste sie und sie prallte mit dem Hinterkopf auf, sodass sie ein Schädel-Hirn-Trauma erlitt und im Krankenhaus behandelt werden musste.

 

1994 erhielt sie das Bundesverdienstkreuz. In ihrer Dankesrede las sie unter anderem Morddrohungen vor, die sie im Laufe der Zeit erhalten hatte.

 

2000 gab sie ihr Verdienstkreuz wieder zurück, da sie erfahren hatte, dass auch der ehemalige NPD-Politiker Heinz Eckhoff, der im Zweiten Weltkrieg Mitglied in der Waffen-SS gewesen war, die Medaille für seine Arbeit als CDU-Kommunalpolitiker erhalten hatte.

 

Unfassbarerweise wurde die „Sprayer Oma“, wie sie auch genannt wird, nun wegen Sachbeschädigung vom Amtsgericht Tiergarten in Berlin verurteilt. Doch die engagierte Rentnerin denkt gar nicht ans Aufhören. Sie hatte eine „Merkel muss weg“ Schmiererei mit schöner pinker Farbe übersprüht und „Merke! Hass weg!“ daraus gemacht. Der zuständige Richter hätte das Verfahren wohl gerne eingestellt, aber die profilierungssüchtige Staatsanwältin bestand auf einem Prozess. Sie sprach Irmela Mensah-Schramm eine Vorbildfunktion ab. Irmela Mensah-Schramm wurde vom Richter ermahnt und muss im Falle einer Wiederholungstat 1800,- Euro Geldstrafe zahlen. Es ist nicht zu verstehen, dass der Staat hier ein Exempel statuiert, aber kaum etwas gegen die Nazi Propaganda unternimmt. Irmela lässt sich indes nicht beirren und kündigte an, weiter machen zu wollen. Das Berliner Bündnis „Berlin Nazifrei“ nannte das Urteil einen Skandal und bot an, die Geldstrafe für Irmela zu übernehmen.

 

Derweil hat die Sprayer Oma schon ein neues Projekt ins Auge gefasst. Sie will nach Wittstock fahren und eine Schmiererei dort an einem Einkaufszentrum „Fuck Asyl“ in „ Fuer Asyl“ umwandeln.

 

Lebenslauf der Irmela Mensah-Schramm:

1945 wurde sie in Stuttgart geboren. Bis 2006 arbeitete sie als Heilpädgogin an einer Berliner Schule für geistig behinderte Kinder. Ab 1986 begann sie mit der Entfernung von rassistischen und antisemitischen Aufklebern und Graffiti in ganz Deutschland. Sie dokumentierte ihre Arbeit in über 100 Ausstellungen und Vorträgen mit dem Titel „ Hass vernichtet“, ohne staatliche Unterstützung.

 Ab 1975 unterstützte sie die Flüchtlingsberatung bei Amnesty International.

2016 wird im Deutschen Historischen Museum Berlin die Ausstellung „Angezettelt , antisemitische und rassistische Aufkleber von 1880 bis heute“, gezeigt mit über 100000 von Irmela entfernten Aufklebern.

1981 wurde Mensah-Schramm Mitglied der „Alternativen Liste“ (der Vorgängerpartei der „Bündnis 90/Die Grünen“) und der Zehlendorfer Friedensinitiative.

Im Oktober 2016 wird sie wegen Sachbeschädigung angezeigt und verurteilt.

Auszeichnungen:

1996: Bundesverdienstmedaille – wurde von ihr 2000 zurückgegeben, nachdem sie erfuhr, dass der ehemalige NPD- und spätere CDU-Politiker Heinz Eckhoff, der zur Zeit des „Dritten Reichs“ Mitglied der SS war, ebenfalls mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt wurde.

1998: „Band für Mut und Verständigung“ der Initiative „Gemeinsam für Ausländer“ vom Amt der/des Ausländerbeauftragten des Senats von Berlin

2005: Erich-Kästner-Preis des Presseclubs Dresden e.V. „für ihre Zivilcourage“

2006: Preis Aktiv für Demokratie und Toleranz der deutschen Bundesregierung

2015: Göttinger Friedenspreis

2016: Silvio-Meier-Preis     

Kommentare: 3
  • #3

    Erika (Montag, 03 April 2017 06:58)

    Ich hoffe, dass der so oft geehrten Frau Irmela Mensah-Schramm weitere Helfer zur Seite eilen. Ihre guten Taten zeigen mehr Intellekt und Weisheit als das eigennuetzige Vorgehen einer Staatsanwaeltin. Moege Frau Irmela Mensah-Schramm durch Ausstellungen und Vortraege in vielen Schulen ein noch groesseres Feld der Aufklaerungsarbeit gegeben werden, sie verdient unsere volle Unterstuetzung.

  • #2

    Christine Fiedler (Sonntag, 02 April 2017 18:32)

    Prima, du machst sie uns allen bekannt! Gruß, Christine

  • #1

    Eva Schmelzer (Samstag, 01 April 2017 15:53)

    Es ist unglaublich, welcher geistige Dünnpfiff in so manchen Oberstübchen (auch in denen von Staatsanwältinnen) herumschwappt. Ich finde das Engagement der Dame bewundernswert und wünschte mir mehr solcher Menschen, die gegen den alltäglichen Rassismus und Hass des rechten Sumpfes aktiv tätig werden. Vielleicht sollte die übereifrige Staatsanwältin die Verhältnismäßigkeit wahren und berücksichtigen, dass Frau Mensah-Schramm gar keine Sachbeschädigungen begeht, sondern bereits bestehende lediglich verändert, nämlich von Hass befreit.