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Nachhaltigkeit

Unter dieser Rubrik möchte ich künftig Produkte vorstellen, die sich durch besondere Nachhaltigkeit auszeichnen.

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Tropical Freaks

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Kanwan

Heldenratten

Text: Gudrun Kaspareit

Foto: Wikipedia

https://www.apopo.org/en/contact-us/APOPO-Visitor-Center

11.02.2020

Gambia Riesenhamsterratte
Von Gooutside - Eigenes Werk, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=8058383

 

Die Gambia Riesenhamsterratte ist ein niedliches Tier. Sie lebt ursprünglich in Savannen in ganz Afrika südlich der Sahara. Die Emin-Riesenhamsterratte bewohnt die Regenwälder West und Zentralafrika. Beide Arten sind nachtaktiv und verbergen sich meistens in Dickicht und Unterholz. Sie können selbst Baue anlegen, bevorzugen aber natürliche Öffnungen wie Astlöcher oder Termitenbaue. Riesenhamsterratten können gut klettern und schwimmen. Sie sind größer als unsere heimischen Ratten und haben wie alle Ratten ein ausgesprochen feines Näschen.

 

Riesenhamsterratten werden in Sub-Sahara darauf trainiert, Tuberkulose bei Menschen aufzuspüren. Vorversuche legen nahe, dass die Ratten 150 Speichelproben in 30 Minuten auf Tuberkulose testen könnten. Mit dem Mikroskop können derzeit 20 Proben pro Tag untersucht werden. Im Jahr 2003 stellte die Weltbank 165.000 Dollar für die weitere Erforschung zur Verfügung. Aber was die Ratten zu echten Helden macht, ist ihre Fähigkeit Landminen und Tretminen zu erschnuppern. Sie werden von Menschenhand aufgezogen und dazu ausgebildet Minen aufzuspüren. Sie sind im Vergleich zu Minensuchhunden leichter zu züchten, zu ernähren und zu transportieren und lösen durch ihr geringes Körpergewicht keine Minen aus. Die Ausbildungsdauer beträgt sechs bis zwölf Monate. Die Tiere werden von Apopo seit der Jahrtausendwende für die Minenräumung in Mosambik seit 2010 in Thailand und seit 2015 in Kambodscha eingesetzt.

 

Apopo (Antipersoonsmijnen Ontmijnende Productontwikkeling, deutsch etwa: „Entwicklung von Produkten zur Landminenräumung“ ist eine non profit NGO, die Methoden für den Einsatz von Spürratten für humanitäre Zwecke erforscht, entwickelt und verbreitet.

 

Die Methode zur Landminenerkennung wurde von Wissenschaftlern aus Belgien und Tansania mit Unterstützung der Universität Antwerpen entwickelt. Der erste Einsatz der Ratten zur Minenerkennung in Mosambik verlief erfolgreich. Im September 2015 wurde Mosambik minenfrei erklärt.

 

Minensuchratten weisen gegenüber Metalldedektoren eine 50 mal höhere Treffsicherheit auf. Gegenüber Hunden haben sie den Vorteil, dass sie schneller lernen, besser riechen, weniger fressen und vor allem, dass sie leichter sind und deshalb keine Detonation auslösen.

 

Apopo hat sich das Talent der Ratten zunutze gemacht und bildet diese Tiere zum Auffinden von Minen aus.

 

Auch in Kambodscha trägt die Bevölkerung noch immer schwer an den Folgen des Pol Pot Regimes. Es gibt noch sehr viele Landminen dort und immer noch werden viele Menschen verstümmelt. Wenn die Bauern ein neues Reisfeld erschließen wollten, konnten sie nie sicher sein, in die Luft gesprengt zu werden. Daher lag es nahe dort, in Siem Riep eine Apopo Station einzurichten, in unmittelbarer Nähe zu den Killing Fields.

Die Ausbildung der Ratten beginnt bereits im Babyalter durch enge Bindungen zu den Menschen.

Die für das Training auserkorenen Jungratten lernen mittels Clickertraining, den Geruch von Sprengstoffspuren anzuzeigen. Jedes Mal wenn eine Ratte im Testlabor an einer Stelle schnüffelt, wo der Trainer ein paar Tropfen Sprengstofflösung versteckt hat, klickt dieser mit dem Clicker und gibt der Ratte einen Leckerbissen zur Belohnung. So lernen die Jungratten mit der Zeit, jede korrekte Anzeige mit einem Leckerbissen in Verbindung zu bringen. Im Gelände wird die Ausbildung verfeinert, bis die Riesenratten zur Suche nach echten Landminen eingesetzt werden können. Für diese Aufgabe werden sie zu einem weiteren Arbeitsteam nach Mocambique reisen. Dabei ist es für das Projekt vorteilhaft, dass sich die einzelgängerischen Riesenhamsterratten nicht an einen bestimmten Trainer binden, wie dies etwa Hunde tun würden. Sie können von jeder Person, die entsprechend ausgebildet ist, bei der Arbeit geführt werden.

 

Riesenhamsterratten sind echte Helden, denn sie retten vielen Menschen das Leben.

Riesenhamsterratte beim Suchen von Landminen
Von Gooutside - Eigenes Werk, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=8058383

 

Meinungen aus dem Apopo Visitor Center in Siem Riep:

 

 

„Als wir nach Siem Reap kamen erhielten wir einen Stadtplan, in dem auch eine Anzeige von Apopo abgedruckt war. Das erinnerte uns an eine Dokumentation über Landminen und HeroRatten, die wir vor einer Weile im deutschen TV gesehen hatten.
Es ist sehr leicht, aus der Innenstadt mit einem TukTuk dorthin zu kommen, Fahrtzeit ca 15 min. Wir kamen unangemeldet, dennoch konnten wir gleich an einer Führung teilnehmen, Dauer ca eine Stunde. Kosten 5 $. Der Referent sprach sehr gut verständliches Englisch und beantwortete jede Frage.
Wir bekamen einen guten Überblick über die Lage der Minen, wo wieviele Landminen sind, wer sie wann legte und wie unglaublich aufwändig es ist, sie zu finden und zu entschärfen. Eine einfache Mine kostet in der Herstellung zwischen 3 u ca 100 Dollar. Die Entfernung und Vernichtung eine Mine bis zu 1000$.
Hierbei sind die afrikanische Ratten eine unglaubliche Hilfe. Wir bekamen Haltung und Arbeit mit ihnen beschrieben. Dies alles erklärt zu bekommen ist m.E. ein Muss, wenn man als Tourist hier im Land unterwegs und den Alltag der Leute verstehen möchte. Man sieht vieles anschließend mit anderen Augen, besonders das alltägliche Leben der Landbevölkerung mit der Gefahr.
Wir sind sehr froh, dass wir uns dieses Apopo-Center ansehen konnten und eine so gute Erläuterung dazu bekamen. Vielen Dank!“

 

 

„Sehr informativer Ausflug zu den HERORats. Nach dem Rundgang zu Infotafeln über Minen sowie ein „Minenfeld“ lernt man eine Minensuch-Ratte kennen, die das Vorgehen im Feld demonstriert. Eine wirklich effiziente und sichere Art die noch immer 2 Millionen verbliebenen Minen in Kambodscha ausfindig und unscharf zu machen. Der Eintritt beträgt 5$ für die Unterstützung der NGO, die wir eh gespendet hätten. Super Sache für einen guten Zweck und dringend als 1-stündiger Tagespunkt empfohlen!“

 

Kommentare: 2
  • #2

    B.Bach (Sonntag, 23 Februar 2020 19:00)


    Das mit den Riesenratten-Helden ist ja wirklich sehr interessant !
    Davon hatte ich vorher noch nie gehört oder gelesen !
    Und dieses dämliche TRUMPeltier will wieder das Legen von
    Tretminen erlauben - uuuuunglaublich, dass er SO viel
    Macht hat und diese ohne Rücksicht auf Verluste ausnutzt !
    Würde mich gar nicht wundern, wenn er zu Hause heimlich
    'ne Strichliste führt, wieviele Kinder er wieder zu Krüppeln
    gemacht hat - SEIN *Verdienst* - oh neiiiiin !! Das ist alles
    kaum noch auszuhalten !!!
    Dir - trotz allem - ein schönes Wochenende
    und ganz lieben Gruß von
    BÄRbel ;)

  • #1

    Eva Schmelzer (Montag, 17 Februar 2020 17:30)

    Ein sehr interessanter Artikel, ebenso die weiterführenden Links. Gerne habe ich ein Großteil des Nachmittags damit verbracht, alles zu lesen und anzuschauen. Da ich es ohnehin traurig finde, dass Ratten und Mäuse einen so schlechten Ruf haben, ja, allgemein als Schädlinge, als Ungeziefer abgestempelt sind – mal abgesehen von diesen Helden – freut es mich sehr, einmal in einem so positiven Kontext von ihnen zu hören.