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Süßholz

Text: Marion Hartmann

Scherenschnitt: Erika Bulow-Osborne

19. 02. 2015

Scherenschnitt Süßholz
(c) Erika Bulow-Osborne Scherenschnitt Süßholz

Süßhölzer/ Lakritz

Schaut man etwas genauer auf die Gattung der Süßhölzer, aus denen bekanntlich die schwarze Süßigkeit Lakritz hergestellt wird, dann stellt sich heraus, dass es sich bei den Süßhölzern auch um Heilpflanzen handelt.
Im Jahr 2012 erwählte der interdisziplinäre Studienkreis - Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzen - am Institut für Geschichte und Medizin Würzburg gemeinsam mit dem WWF die Gattung der Süßhölzer aufgrund ihrer Wirkung gegen Husten, Heiserkeit und Magenprobleme zur Arzneipflanze des Jahres.
Zu den Süßhölzern zählen etwa 30 Arten, die in der Mittelmeerregion, Asien, Australien und dem amerikanischen Kontinent beheimatet sind.
Die sehr alte Kulturpflanze, Glycrrhiza glabra L., ist ein etwa 1,20 m hoher Strauch mit gefiederten Blättern und fliederfarbigen, traubenförmig herunter hängenden Blüten. Sie ist mit den Hülsenfrüchten verwandt. Eine junge Pflanze braucht 8 Jahre Entwicklungszeit, ehe die Wurzeln dann alle 3 Jahre ausgegraben und beschnitten werden können. Sie wachsen in sandigen Böden und können zwischen 5-10 m lang und bis zu 30 kg schwer werden. Zur Erntezeit werden dann zwischen den Pflanzenreihen zum Bloßlegen der Wurzeln tiefe Gräben gezogen.
Wann das "braune Gold" nach Europa gelangte und wie aus ihm eine geschätzte Nascherei wurde, weiß niemand ganz genau.
Vielleicht brachten die Dominikanermönche den Strauch aus dem Mittelmeerraum mit, denn in Pontefract, einer nordenglischen Festungsstadt wurde die Süssholzwurzel schon ab dem 15. Jahrhundert kultiviert.
Seit Anfang des 17. Jahrhunderts ist in Pontefract der "Lakritz-Taler" dokumentiert, der zu medizinisch-therapeutischen Zwecken eingesetzt wurde. Und 1760 mischte der Apotheker George Dunhill den Talern dort Zucker bei und proklamierte die Erfindung der Süßigkeit für sich.
Den höchsten Verbrauch von Lakritz haben die Niederländer mit zwei Kilogramm pro Person und Jahr.
Im Film "Goldrausch" konnte Charlie Chaplin seine Schuhe und Schnürsenkel verspeisen, weil diese aus Lakritz waren.
Napoleon soll stets Süßholzwurzel bei sich getragen haben.
Im Grab des Tutanch Amun wurde Süßholz gefunden,
Die Heerscharen Alexander des Großen sollen die langen Feldzüge teilweise ohne Wasser überstanden haben, weil sie sich statt dessen mit Süßholz versorgten als Durstlöscher.
Französische und türkische Soldaten führten sogar noch im ersten Weltkrieg als Bestandteil ihrer Verpflegung Süßholz mit.

Berühmt ab dem Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert hinein für den Anbau des Süßholzes war Bamberg!
So berühmt war Bamberg dafür, dass ein Besuch der Süßholzfelder an der Weide zum Pflichtprogramm einer Bamberger Stadtbesichtigung gehörte.
Bis um 1960 wurde Bamberger Süßholz verkauft.
Natürlich hat die vielfach verwendbare Pflanze auch einen Ehrenplatz im Himmelsgarten der Michelskirche (ehemalige Abteikirche) gefunden, wurde doch ihre Kultur vom Benediktinerorden im ganzen Abendland propagiert.

Zu erwähnen wäre noch eine Wild- Süßholzart.., die Hauhechel ohne Stacheln.
Diese Pflanze hatte  es den Kindern angetan. Sie wurden ausgegraben  und wie Lakritze gekaut, deshalb wild Liqorice oder wilde Lakritze genannt. Sie wurde medizinisch im 17. Jahrhundert bei Nieren-Krankheiten benutzt. Die Schale der Wurzel mit Wein wurde bei Gallensteinen verordnet und das Pulver der Wurzeln bei Geschwüren verwendet.
Hildegard beschreibt in der Physica: 1- 119 die guten Einsatzgebiete des Süßholzes
„Das Süßholz ist von gemäßigter Wärme und bereitet dem Menschen eine klare Stimme …
Macht seinen Sinn mild und erhellt seine Augen und erweicht seinen Magen zur Verdauung.
(R1-055) Aber auch dem Geisteskranken nützt es sehr, wenn er es oft isst…

Kommentare: 2
  • #2

    Eva Schmelzer (Dienstag, 03 März 2015 10:39)

    Seit Jahren vergessen – und dabei mag ich es seit Kindertagen so gern! Danke für diesen mal wieder so informativen wie unterhaltsam zu lesenden Beitrag. Mir fiel wieder ein, dass ein Verwandter vor Jahren mit Magenproblemen zu kämpfen hatte. Den habe ich ständig Lakritz lutschend in Erinnerung, allerdings schmeckte der sehr streng, war ziemlich hart und war kaum süß. Aber dass es wohltuend für den Magen ist, erwähnst Du ja hier auch. Ich brauch Dir wohl nicht zu sagen, dass ich noch diese Woche Lakritz kaufen werde, und zwar, ebenfalls inspiriert durch Deinen Salz-Beitrag: gesalzenes Lakritz, das ich besonders mag. Über das Aussehen der Pflanze habe ich mir nie Gedanken gemacht. Schön, auch sie jetzt kennengelernt zu haben, auch durch Erikas Kunstwerke. Zu diesem Artikel passen die schwarzen Scherenschnitte natürlich besonders gut.

  • #1

    Erika (Sonntag, 01 März 2015 20:23)

    Suesshoelzer/Lakritze
    Marions Artikel enthaelt hoechst wertvolle Hinweise.
    Interessant ist die lange Entwicklung einer Jungpflanze von 8 Jahren , bis eine Wurzel alle drei Jahre geschnitten werden darf. Tiefe Graeben werden zur Ernte fuer Wurzeln benoetigt.
    Pontefract kultivierte Suessholz seit dem 15. Jahrhundert. Der 'Lakritz Taler' zur Gesundung wurde benutzt und, als noch Zucker beigemischt wurde, war die beliebte Suessigkeit 'Lakritze' weltweit geboren. Interessant ist Marions Hinweis, dass Lakritzen von Soldaten gegen Durst benutzt wurde.
    Bamberg fuegte den Besuch der Suessholzfelder als Besonderheit ein und Haribos Suessigkeiten sind immer noch beliebt.
    Die Wild Liquorice wurde von Kindern gern benutzt und der medizinische Gebrauch von Suessholz ist wieder aktuell, weshalb Suessholz zur Medizinpflanze des Jahres 2012 erhoben wurde.
    H.v. Bingen kannte den Wert des Suessholzes, wir sollten oefter die Weisen befragen. Danke liebe Marion.