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Quendel

Text: Marion Hartmann

Scherenschnitte: Erika Bulow-Osborne

18.04. 2015

Scherenschnitt Quendel
(c) Scherenschnitt Erika Bulow Osborne Quendel

Der Quendel
Er liebt die knallige Sonne und bildet an solchen Orten ganze Teppiche.., der Quendel.
Dieser wilde Bruder des Thymian gehört zur Familie der Lippenblütler.
Hildegard von Bingen schätzte den Quendel sehr neben Bertram und Galgant und bezeichnete ihn als einen der wichtigsten Gewürze, welche als Beigaben zu Speisen ihre Heilkraft entfalten.
Besonders für die Behandlung von Hautproblemen ist der Quendel hervorragend geeignet, weil er von innen reinigt.
Hildegard von Bingen empfiehlt ihn auch gegen Nervenschwäche und Stresserscheinungen.
"Wer schwache Nerven hat, esse viel und oft Quendel!"
Dem Volksglauben nach soll Jungfrau Maria auf ihrer Flucht nach Ägypten auf Quendel ausgeruht haben,
Seiner Zierlichkeit wegen wird er oft zu Kränzen benutzt, welche der Überlieferung nach, jeglichen Schaden von Mensch und Tier abhalten sollen.
Die Griechen mischten ihn zusammen mit Wohlgemutskraut (Dost) den Feldarbeitern unter die Mahlzeit, um diese arbeitsfreudiger zu machen.
Im Salzburger Land flochten die Mädchen Kränze aus Quendel und hingen sie vors Fenster, damit nicht der Teufel in Gestalt eines schmucken Burschen zu ihren hereinkäme. Als einst der Teufel sich als Bauernsohn verkleidet mit einem Mädchen zu Mitternacht vor ihrem Kammerfenster verabredet hatte, gewahrte er dort einen (vorsorglich von dem Mädchen hingestellten) Strauss Kundelkraut (Quendel) und Widerton (goldenes Frauenhaarmoos). Da fuhr er blitzschnell durch die Luft und schrie: "Kundelkraut und Widritat, haben mi um mei Madl bracht!"

Anwendung:
Bäder gut bei Rheuma, menstruationsauslösend, bei Husten, Heiserkeit, Grippe. Mit Schafgarbe als Bad wirkt er tonisierend. Zur Behandlung von Faden- und Spulwürmern. Durch die antibakterielle Wirkung wurde es im alten Ägypten zum Einbalsamieren der Mumien verwendet.
Als Quendelsalbe aufgetragen lindert es Hautausschläge, Neurodermitis, Schuppenflechte. Bei Schilddrüsenüberfunktion nicht nehmen. Bei zu hoher Dosierung kann es zu Lähmungserscheinungen kommen. Das ätherische Thymianöl findet wegen seiner antiseptischen Wirkung gerne in Mund- und Gurgelwässern Verwendung.

Mittsommerstimmung
Still steht der Hirsch mit goldenem Geweih
auf dem hohen Himmelsbogen;
Milde Winde wehen, lassen die blühenden Gräser wogen.
Staubwolken wirbeln in den Raum:
Die Erde träumt den Mittsommertraum.
Barfuß laufen wir, leichten Fußes,
bücken und pflücken Johanniskräuter allerlei:
Dost und Quendel, Garbe und Beifuß und den gelben Bergwohlverleih.
Und beim Tanz unter dem Lindenbaum
fallen auch wir in den Mittsommertraum,
atmen den Blütenhonigduft
und lauschen Freyas Singen und Summen,
träumen mit den Bäumen
und lassen die Gedanken verstummen,
träumen von himmlischen Räumen
in uns
und um uns.
(Wolf Dieter Storl)

Scherenschnitt wilder Thymian
(c) Scherenschnitt Erika Bulow Osborne Wilder Thymian
Kommentare: 2
  • #2

    Erika (Freitag, 01 Mai 2015 16:19)

    H.v. Bingten liebte den Quendel , er war ihr aeusserst wichtig zu Heilungszwecken, sie benutzte ihn gern. Ich danke Marion, die sich genauer umschaute und die schoenen Erzaehlungen ueber kraenze-windende junge Maedchen fand, sowie Quendel zur Arbeitsbelebung bei schwerer Feldarbeit. Es muss Marion sehr gefreut haben, Dr. Wolf-Dieter Stoerls Gedicht zu zitieren und ihn als Nachfolger Hildegard von Bingens zu sehen, der die Heilkraefte der Wild-Pflanzen staerker betont haben moechte.

  • #1

    Marion Hartmann (Montag, 20 April 2015 08:04)

    Wieder einmal ein großer Dank an Erika für die Bereitstellung ihrer kleinen, zauberhaften Kunstwerke, wie auch Dank an Gudrun.., sie hat eine wunderbare Idee mit der "Naturwelt" umgesetzt und betreibt sie mit starkem Engagement!