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Der Lein

Text: Marion Hartmann

Scherenschnitte: Erika Bulow Osborne

12.07.2019

Ein Unikum unter den Pflanzen ist zweifellos der Lein.., er ist sozusagen ein Johann Wolfgang von Goethe unter der Pflanzenwelt mit seinen breitgefächerten Bereichen, in denen er im Laufe der Jahrtausende zur  Wirkung gebracht wurde, nur mit dem Unterschied, dass er nicht nur zur Einzelerscheinung in der Weltgeschichte wurde, sondern ein immerzu verwendbarer Freund, Helfer und Heiler.

 

So treffen wir ihn als Flachs im besonderen in der Leinenindustrie an, wobei mit ihm zur Fasergewinnung ordentlich Arbeit anfällt, denn die Verarbeitung ist sehr aufwendig.

Seit dem 19. Jahrhundert durch die Baumwolle fast vollständig aus der Textilindustrie verdrängt, gewinnt er aber heute wieder an Bedeutung.

 

Der Gemeine Lein tritt fast nur als Kulturpfflanze auf, selten ist er verwildert. Er stammt vom Zweijährigen Lein ab, der im Mittelmeergebiet heimisch ist. Schon 7.500 v. Chr. wurde diese Art in Mesopotamien kultiviert, jedenfalls stammen die ältesten Funde von Leinsamen aus dieser Zeit, und die ältesten Funde von Leinenstoffen in Ägypten werden auf 4.000 vor Chr. datiert.

Herstellung und Handel mit Leinen waren im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit wichtige wirtschaftliche Säulen in Venedig, Mailand, Augsburg, Ulm, Kempten, Gent, Brügge und Antwerpen.

2005 war der Lein Heilpflanze des Jahres und 2009 wurde durch Kontrollen kanadischer Leinsaat in Baden Württemberg eine erhebliche Verunreinigung mit gentechnisch verändertem CDC Triffit -Leinsamen gefunden.

Eigentlich ist der Lein nicht abzuhandeln in einem kurzen Bericht, gerade weil er sich durch die ganze Menschheitsgeschichte zieht, wozu auch die Weberaufstände zählen.

Und doch, man würde klüger und klüger werden allein durch lange Fokussierung auf den Lein, hier erschließt sich ein ganzes Weltreich.

 

Goethe: Palermo, 13. April 1787

 

"Der Lein hat schon Knoten gewonnen, der andere Teil blüht. Man glaubt in den Gründen kleine Teiche zu sehen, so schön blau - grün liegen die Leinfelder unten!"

 

Man erschaut wahrlich den blauen Himmel in den Blüten des Leins.

Mit seinem hohen Gehalt an Omega 3 Fettsäuren bietet das Leinöl eine wichtige Ernährungsgrundlage, wie auch die Leinsamen in der medizinischen Verwendung hinreichend bekannt sind.

Es ist auch das wichtigste Bindemittel für Ölfarben und wird weiters verwendet für die Behandlung von Oberflächen wie Holz, Klinker, Metall, Mineralien und Stein.

Was würde der Maler tun ohne die Leinwand, auch hier hat der Lein eine große Bedeutung.

Leinen ist ein reines Naturprodukt und gilt als die umweltfreundlichste und haltbarste Textilpflanze.

Der beste Lein/ Flachs wird in Deutschland angebaut.., die ebenso intelligente und dennoch bescheidene Pflanze kommt nahezu ohne Dünger aus.

 

Hildegard von Bingen empfiehlt im folgenden Link:

http://www.lauftext.de/naturkosmetik/lein.htm

 

Wir sehen wieder, dass alle Natur als Geschenk an den Menschen zu werten ist.., wir erfahren durch sie, wir lernen von ihr, wir leben durch sie.., erst die Natur macht uns zu dem, was wir sein sollen, jener Mensch, welchen sie sich durch uns erbittet im ständigen Geben.., ein Freund, ein ständiger Begleiter durch alle Jahreszeiten, ein Hüter der Schöpfung.

Ob es dem jetzigen Menschen noch gelingen wird, sich ganz klein zu machen vor der großen Natur, das steht in den Sternen, aber es ist die einzige Möglichkeit des Überlebens.

 

 

"Wem seine Lage es erlaubt, sich bisweilen aus den engen Schranken des bürgerlichen Lebens herauszuretten, errötend, daß er so lange fremd geblieben der Natur und stumpf über sie hinweggehe, der wird in der Abspiegelung des großen, freien Naturlebens einen der edelsten Genüsse finden, welche erhöhe Vernunfttätigkeit den Menschen gewähren kann."

Alexander Freiherr von Humboldt (1769 - 1859), Friedrich Wilhelm Heinrich Alexander von Humboldt, deutscher Naturforscher, Begründer der physischen Geographie

Kommentare: 1
  • #1

    Eva Schmelzer (Dienstag, 16 Juli 2019 15:28)

    Wäre die Verfasserin dieses Artikels nicht erwähnt worden - ich hätte nach dem Lesen des ersten Absatzes auch so gewusst, dass es Marion ist, zumal die unverwechselbaren Scherenschnitte Erikas alles Geschriebene in einen passenden Rahmen stellen. Nun gehören 2 Esslöffel Leinöl seit langem schon zu meinen täglich einzunehmenden "Medikamenten" und ebenso geschrotete Leinsaat, deshalb hat es mich besonders gefreut, so vieles über den guten alten Lein zu lesen, das über die außerordentliche Vielfalt seines Nutzens hinausgeht. Danke Marion, danke Erika!
    Ach ja, noch eine kleine Anekdote dazu aus meinen Kindertagen: In den frühen 50er Jahren hatte ich nur ein paar lederne feste Winterstiefelchen. Die wären beim Toben im Schnee schnell durchnässt gewesen und selbst nach dem abendlichen Ausstopfen mit Zeitungspapier und Trocknen am Kohleofen, der ja nicht die ganze Nacht brannte, bis zum nächsten Morgen nicht trocken geworden. Da mein Vater gemalt hat, gab es bei uns Leinölfirnis, womit er die Sohlen und Nähte einrieb, was sie wunderbar imprägnierte und wasserdicht machte. Auf keinen Fall sollte man für Ledersohlen ein anderes Öl verwenden, denn die Sohle eines Lederschuhs darf nicht weich werden, sonst erhöht sich ihr Abrieb drastisch. Leinöl ist dagegen das einzige Öl, welches nach dem Trocknen aushärtet und diesem Effekt entgegenwirkt.