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Die Silberpappel

Text und Fotos: Marion Hartmann

Scherenschnitte: Erika Bulow-Osborne

25.02.2014

 

Meine Hommage an die Pappel, einmal in Anlehnung an eine Gruppe von Silberpappeln in meiner Gegend und zum anderen zur Erinnerung an mehrere gefällte Pappeln, die einem neuen Betriebsgelände einer Autovermietung weichen mußten.
Auch meine geliebten Robinien im nahen kleinen Park gibt es nicht mehr. Von hohen Hecken war der kleine Park zu drei Seiten umgeben, ..herrliche Rosenrabatten, lauschige Bankplätze, blühende Sträucher.
Ganz hinten Wald- Erdbeeren.., habe immer mal kleine Pflänzchen geholt und sie bei mir auf dem Balkon eingepflanzt, es sieht so herrlich aus!
Jetzt ist da nichts mehr außer einer riesigen Tiefgarage für die nahen Wohnblöcke. Man wird etwas darüber pflanzen, aber es wird nicht dasselbe sein.
Irgendwann wurde der Park privatisiert, die Stadt kümmerte sich nicht mehr darum und alles verwilderte, bis eben nach 2 Jahren die Maschinen anrückten.
Nein, es hat sich niemand dagegen gewehrt, man hat zugeschaut.

Silberpappel,  Populus alba,  Balsam Pappel  Populus balsamifera Kanada Pappel  Populu canadensis Grau Pappel      Populus canescens Schwarzpappel  Populus nigra Balm Pappel     Populus candicans Zitt
Scherenschnitt Erika Bulow-Osborne Silberpappel, Populus alba, Balsam Pappel Populus balsamifera Kanada Pappel Populu canadensis Grau Pappel Populus canescens Schwarzpappel Populus nigra Balm Pappel Populus candicans ZitterPappel Populu

 

Die Silberpappel findet man speziell entlang von Flüssen und Bächen, dort wo periodische Überschwemmungen zu erwarten sind und nicht selten in größeren Populationen.
Auch sind Pflanzungen zum Schutz an Flussufern und als Windschutz üblich.
Die Windschutzfunktion der Pappeln wird vor allem in Russland, in der Ukraine und in Kanada genutzt.
In Auwäldern wächst die Pappel gern in Gemeinschaft mit Stiel- Eichen, Ulmen, Eschen und Erlen.
Pappeln sind Vertreter der Weidengewächse, es gibt sie als männliche und weibliche Pflanzen.
Als erdgeschichtlich uralte Gattung hat die Silberpappel auch eine lange Liste von Schädlingen, in erster Linie sind es Bockkäferarten wie Moschusbock und Pappelbock.
Junge Triebe werden von Dammwild und kleinen Nagern gern verspeist.
Auch wenn ein Feuer etwa einen größeren Baumbestand zerstört, überlebt das Wurzelnetz und so kann die Kolonie Tausende von Jahren überdauern.
Im amerikanischen Utah ist eine Gruppe von Pappeln bekannt, die möglicherweise bereits seit 80000 Jahren dort steht.
Die Pappeln können sich sehr gut durch Wurzelausschläge vermehren.
Auch abgebrochene Zweige und umgefallene Bäume können sich durchaus wieder bewurzeln.
Pappeln werden meist 100 bis 200 Jahre alt.
Die erste Blüte erfolgt im Alter von etwa fünf bis zehn Jahren.
Eine wichtige Rolle spielen Silber- und Schwarzpappeln in der Holzproduktion.
Das Holz aller Pappelarten ist recht ähnlich und hat einen hohen Zelluloseanteil.
Die Nutzung von Pappeln für Holz, Brennholz und Einstreu für Tiere ist seit der Antike belegt.
1947 wurde die Internationale Pappel Kommission (International Poplar Commission) unter der Ägide der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der UNO (FAO) gegründet.

http://www.panguaneta.com/de/news/108-commissione-nazionale-per-il-pioppo

 

Weltweit gibt es rund 6,7 Mio Hektar gepflanzte Pappeln, davon 3,8 Mio zur Holzproduktion.
2,9 Mio dienen dem Umweltschutz.
Aus Pappelholz werden Paletten und Sperrholz produziert.
Der Kern von Snowboards und der Korpus von Streichinstrumenten, Gitarren und Trommeln, besteht häufig aus Pappelholz.
Fein gespalten wird das Holz der Pappel auch als Lebensmittelverpackung verwendet, z.B. für Camembert.
Zerkleinertes Pappelholz wird als Holzwolle für Verpackungszwecke eingesetzt.
Auch werden daraus Streichhölzer hergestellt.
Pappeln, die Napoleon Bonaparte als Wegweiser entlang von Flüssen pflanzen ließ, prägen heute noch die Landschaften vieler Flußauen und Alleen.

Mytologie

 

Leuke war eine Nymphe, die von Hades, dem Gott der Unterwelt, verfolgt und bedrängt wurde.
Die Gattin des Hades, Persephone, rette das Mädchen, indem sie es in eine Silberpappel verwandelte.
Helios, der griechische Sonnengott, trug Silberpappel- Kränze..., wohl wegen der silbrigen Seite der Blätter.
Damals herrschte die Überzeugung, dass die Silberpappel in der Unterwelt wächst.
Silberpappeln wurden in der Folge bei Friedhöfen und Denkmälern gepflanzt.

Medizin der Pappel

Eine kleine Geschichte über die Pappel

 

Als ich jung war hatte ich einen Brieffreund in Indien, der hat auf die Skelette von Pappelblättern kleine Kunstwerke gemalt
(Gudrun Kaspareit)

Kommentare: 3
  • #3

    Eva Schmelzer (Samstag, 01 März 2014 13:55)

    Ich, die Pappel, bedanke mich für diesen Beitrag. Bin ich nämlich laut Keltischem Baumhoroskop.
    Gudrun sagt im Kommentar schreibt: "beständig wispern und flüstern sie" – genau das ist es, was auch ich an ihnen so besonders finde. Aber sie scheinen auch immer öfter um Hilfe zu rufen. Gerade hier am Niederrhein gibt es viele Pappelarten. Die schlanken Bäume gehören neben dem behäbig dahin fließenden Rhein, der weiten Ebene mit ihren Auenlandschaften, den Weiden, Wiesen, Altrheingewässern und Deichen zu den herausragenden landschaftsprägenden Elementen. Die hohen Pappeln bieten der flachen Landschaft Struktur und geben dem Auge dadurch festen Halt. Pappeln gehören für die Niederrheiner zu ihrer Heimat dazu. Seit Menschengedenken fühlen sie sich ihnen emotional sehr verbunden, wovon viele Dokumente Zeugnis geben.
    Leider gibt es auch hier eine traurige Seite: „Pappeln am Niederrhein“ werden in den letzten Jahren fast nur noch mit dem Begriff „Fällung“ in Verbindung gebracht. Selbst gesunde Bäume fielen in der Vergangenheit der Motorsäge zum Opfer – aus den unterschiedlichsten (oft nur vorgeschobenen) Gründen. Sie wird im Reigen der Bäume oft auf eine der untersten Stufen gestellt und sogar aus vielen Baumschutzsatzungen wieder herausgenommen. „Nicht schützenswert“ lautet das vernichtende Urteil. Das historische Landschaftsbild am Niederrhein steht kurz vor dem Aus. Tausende Pappeln, Pappelreihen und Pappelalleen sind in den letzten Jahren verschwunden, die verbliebenen werden in Kürze fallen. In den Naturschutzgebieten auf dem Gebiet der Stadt Viersen wurden beispielsweise in den letzten Jahren 800 Pappeln gefällt - ohne Ersatzpflanzung. In Rees sind hunderte Pappeln gefallen, der Kreis Heinsberg gibt offen zu, dass die Pappeln in den Rur- und Schwalmauen in einem Jahr verschwunden sein werden - wegen guter Holzpreise! Ähnliche Meldungen kommen aus vielen anderen Städten.
    Daher haben sich in Bürgerinitiativen gegründet, die das Ziel haben, der „Pappelphobie“ der Verwaltungen etwas entgegenzusetzen.
    Und so wie Deine geliebten Robinien mussten am letzten Dienstag an einer Kirche in der Düsseldorfer Innenstadt 30 alte, kerngesunde Bäume (Platanen, Robinien, Trompetenbäume) das gleiche Schicksal erleiden, auch wegen einer Tierfgarage, für die es aber noch nicht mal eine Baugenehmigung gibt!!! Es gab massive Proteste im Vorfeld, bei einigen war ich dabei. Am Dienstag allerdings hätte ich nicht dabeisein mögen - es war ja auch zu spät. Ich hätte nur noch dem Sterben zusehen können...

    Ein großes Danke natürlich wieder an Erika, die auch von meiner geliebten Silberpappel Scherenschnitte gezaubert hat.

  • #2

    Erika Bulow-Osborne (Donnerstag, 27 Februar 2014 07:00)

    Aus traurigem Anlass weiss Marion von Silberpappeln zu berichten, ihrer jahrelangen Freude und dem Verlust, weil eine Autovermietung angeblich wichtiger war. Aehnlich traurig war der Verlust von Robinien und Rosen in einem kleinen Park mit Baenken. Ohne Proteste der Bevoelkerung entstand dort eine Tiefgarage.
    Aus Pappeln in Kanada und Europa zog man Hybriden Pappeln.
    Der Anteil von Pappeln weltweit fuer Holzverarbeitung ist gleichbleibend hoch.
    Pappeln sind wichtig in Arzneigewinnung. Wir muessen alles tun, dass die Schwarzpappel nicht ausgerottet wird, sie gilt als stark gefaehrdet.
    Ein grosser Dank geht an Marion fuer ihren vielseitigen Bericht.

  • #1

    Gudrun Kaspareit (Dienstag, 25 Februar 2014 22:07)

    Ich liebe Pappeln, beständig wispern und flüstern sie, selbst wenn sich kein Lüftchen regt.
    In Neustadt in Holstein hat sich Ende des zweiten Weltkrieges ein grauenhaftes Schiffsunglück ereignet. Die Opfer, die man gefunden hat, wurden am Cap Arcona Ehrenfriedhof beigesetzt und es wurde ein kleiner Pappelhain gepflanzt. Wann immer man hier verweilt und innehält, glaubt man die Toten flüstern zu hören. Ich frage mich, ob sie uns verziehen haben?

    http://de.wikipedia.org/wiki/Ehrenfriedhof_Cap_Arcona

    http://de.wikipedia.org/wiki/Cap_Arcona_%28Schiff,_1927%29