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Vegane Ernährung, reicht das?

Text: Johanes Wagenknecht und Gudrun Kaspareit

06.09.2015

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Vegan alleine reicht nicht

Viele Produkte, die uns alltäglich erscheinen, werden aus fernen Ländern zu uns transportiert. Das allein ist schon schlimm genug, weil lange Transporte nie nachhaltig sind. Schlimmer ist aber, dass wir mit unserem Konsumverhalten viele Menschen in diesen Ländern ausbeuten. Besonders bei den Produktkategorien Kaffee, Tee, Kakao und Baumwolle ist fairer Handel extrem wichtig, denn was nützt es, Tierleid zu reduzieren, wenn man gleichzeitig Kinderarbeit in Kauf nimmt ..."

Etwa 100 Mio. Menschen in den Tropen hängen vom Kaffee-Anbau ab. Die Arbeitsplätze werden allerdings weniger, weil der Trend zu billigem, mechanisch geerntetem Kaffee geht. Den Anbauländern bleibt auch nur ein kleiner Teil der Wertschöpfung: https://www.facebook.com/kanwan.Kaffee/posts/1628940854062400

(Johannes Wagenknecht)


Der Grundgedanke bei veganem Essen ist gut. Aber reicht das? Es ist ein wichtiger Schritt, aus ethischen, ökologischen und gesundheitlichen Gründen auf jede Art von Tierprodukten zu verzichten. Es ist ein schöner Gedanke, sich zu ernähren, ohne anderen Leid zuzufügen. Zudem verbraucht die Produktion von Fleisch, Milch, Käse und Eiern sehr viel Energie und Wasser.

Aber vegan ist nicht automatisch auch nachhaltig. Wenn vegane Nahrung nicht biologisch angebaut wird, kann sie genau so Pestizid belastet sein, wie „normale“ Nahrung und die Böden verseuchen.

Vegan sollte also auch BIO sein, denn sonst hat sie ebenso wie herkömmlich erzeugte Nahrung durch Monokulturen, Pestizide und Kunstdünger ausgelaugte Böden zur Folge. Man sollte also versuchen, vegan und Bio unter einen Hut zu bekommen. Ebenso wichtig ist es saisonal und regional zu konsumieren. Weite Transportwege sind ebenfalls nicht nachhaltig genau so wenig wie lange Lagerungshaltung. Es gibt inzwischen schon Eiweißersatzprodukte aus Lupinen und Soja aus europäischen Nachbarländern.

Aber das ist immer noch noch nicht alles. Fair gehandelt sollten die Produkte auch sein.

Wie Johannes eingangs schon sagte, gerade bei Produkten aus tropischen Ländern, wie Kaffee, Kakao, Tee und Baumwolle ist es wichtig auf das „Fair Trade“ Siegel zu achten, denn sonst lässt man sich seinen Genuss durch moderne Sklaverei, gar durch Kinderarbeit erwirtschaften. Das geht dann an dem Gedanken, sich zu ernähren, ohne anderen Leid zuzufügen meilenweit vorbei.

War es das nun? Nein! Meiner Meinung nach ist auch Palmöl nicht vegan. Palmöl, bzw. die Anlage von Palmölplantagen, ist dafür verantwortlich, dass die Regenwälder gerodet, oft sogar gebranntrodet werden. Indigene Völker werden vertrieben und viele Tiere, wie z.B. die Orang Utans sind vom Aussterben bedroht. Also ist Palmöl auch für viel Leid verantwortlich, und damit nicht vegan. Leider ist aber Palmöl in fast allen Fertigprodukten enthalten.

Wer sich also wirklich gesund, ethisch und ökologisch korrekt ernähren will, für den wird Einkaufen zu einer echten Herausforderung. Oder er nimmt sich die Zeit, wieder vermehrt selber zu kochen und zu backen und auf Fertigprodukte zu verzichten.

Kommentare: 3
  • #3

    Gudrun Kaspareit (Sonntag, 28 August 2016 13:04)

    Lieber Peter,
    ich ernähre mich seit 10 Jahren fleischfrei und habe OHNE Nahrungsergänzungsprodukte keinerlei Mangelerscheinungen. Für einige religiöse Richtungen, die es ablehnen Tiere zu essen, trifft das ebenfalls zu. Wir Menschen sind Allesesser, wir können Fleisch essen, müssen es aber nicht, wir können es uns aussuchen, dass ist unser Privileg

  • #2

    Peter Grünhage (Montag, 22 August 2016 18:39)

    Guten Tag,

    ich kann leider diesem Trend so nicht zustimmen.
    So wird zum Beispiel gern argumentiert, dass veganes Schuhwerk aus Ölprodukten ein Ersatz für Leder ist.
    Es wird Soja als Eiweißprodukt empfohlen, obwohl Soja aufwendig für den Menschen aufbereitet werden muss.
    Letztens habe ich gar veganes Düngen als Empfehlung gelesen.

    Der Mensch ist ein Omnivor und wird sich nie mehrheitlich ausschließlich von Pflanzen ernähren können, ohne sich aufwendigst mit Nahrungsergänzungsmitteln eine Restgesundheit zu erkaufen.

    Wenn wir einen sauberen Weg einschlagen wollen bedeutet dies unter anderem, dass der Mensch seine an eine Pandemie erinnernde Reproduktion in den Griff bekommen muss. Dann ist Massentierhaltung auch kein Thema mehr und der Planet kann auch den Menschen (er)tragen. Jetzt auf alle einzuwirken, welche aus dem Zwang des Geldmangels heraus dem Profitdenken der Großproduzenten - sprich Massentierhaltung zu unwürdigen Bedingungen - unterliegen, ist am Thema vorbei gedacht. Weniger und dafür besseres Fleisch aus kontrollierter Tierhaltung wäre meiner Meinung nach deutlich besser geeignet.

    Grüsse

    Peter

  • #1

    Eva Schmelzer (Samstag, 03 Oktober 2015 14:51)

    Über die Nachhaltigkeit von veganen Lebensmitteln habe ich auch schon nachgedacht, bin aber recht ratlos geblieben. Deshalb freut mich dieser Beitrag besonders.
    Wer sich bemüht, sich im Hinblick auf Menschenrechte, Umwelt und Tiere so rücksichtsvoll wie möglich zu ernähren, hat es anfangs allerdings nicht leicht. Aber hat man erst herausgefunden, auf was zu achten ist, ist der Einkauf nicht schwieriger als jeder andere, im Gegenteil, es bleibt ja auf weniger „saubere“ Produkte beschränkt.
    Zum Thema Öle und Fette stand ich vor kurzem vor einer Frage. Ich hatte nämlich gehört, dass Kokosfett wirksam gegen Alzheimer und Demenz ist. Palmöl boykottiere ich natürlich schon lange, aber Kritik an Kokosfett bezüglich verheerender Zerstörungen hab ich noch nicht gehört. Greenpeace sagt dazu: „Kokosöl ist im derzeitigen Anbau nachhaltiger als Palmöl, weil es oft von Kleinbauern produziert wird. Sollte Kokosöl aber als tatsächliche Alternative zu Palmöl in vielen Bereichen verwendet werden, ändert sich an der Problematik rein gar nichts.“
    War wohl nix mit der Patentlösung, und es bleibt wie in so vielen Bereichen: Unser derzeitiges Konsumniveau ist nicht nachhaltig und ungesund. Da gibt es nichts schönzureden. Aber erstmal immer noch besser Kokos- als Palmfette (oder die Deklarierung „pflanzliche Öle und Fette“, hinter der sich in aller Regel Palmöl verbirgt).
    Alles in allem hat sich mein Kochen dahingehend sehr reduziert, dass es nur noch klar erkennbare puristische Nahrungsmittel gibt und viele Gewürze und Kräuter. Es ist kein Zeitaufwand, z.B. Paprika und Zwiebeln(möglichst aus der Region) in Stücke zu schneiden, mit fein gehackten Knoblauchzehen in einen Wok oder eine Pfanne zu geben, am Schluss zu würzen und nebenbei Reis zu kochen oder (eifreie) Nudeln. In 20 Minuten steht alles – inklusive Zubereitungszeit auf dem Tisch!