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Nachhaltigkeit

Unter dieser Rubrik möchte ich künftig Produkte vorstellen, die sich durch besondere Nachhaltigkeit auszeichnen.

Ressourcen schonen, die Natur entlasten, Chancengleichheit fördern, das alles kann die Menstruationstasse Ruby Cup

Ihr wollt endlich ernst machen mit dem nachhaltigen Lebensstiel? Kein Plastik mehr, keine Naturzerstörung? Dann gibt es hier neue Produkte, welche Ihr auf Eure Liste setzen könnt.

Tropical Freaks

Die Kaffee-TrinkerInnen entscheiden darüber, ob die 100.000 km² Kaffee-Anbaufläche ein naturnaher Lebensraum für Kolibris und viele andere Tiere ist -- oder Monokultur, die ohne Rücksicht auf die Umwelt billigen Kaffee produziert.

Kanwan

Müll am Straßenrand

Text und Foto: Torsten Jäger

25.09.2020

Müllhaufen
(c) Torsten Jäger Müllhaufen

Aufgeräumte Gärten – verdreckte Natur

Der RhineCleanUp war in meiner Heimatgemeinde Bodenheim ein voller Erfolg. Es haben sich fast 30 engagierte und motivierte Menschen beteiligt und wir konnten die Natur am Rheinufer entlang von Müll befreien. Das Ausmaß der Verschmutzung hat mich allerdings schockiert. Man konnte die „To-Go-Kultur“, die durch die Corona-Pandemie gefördert wurde, deutlich in der Natur ablesen. Der nur kurze Rhein-Abschnitt in Bodenheim brachte sehr viel Abfall zu Tage. Speziell die Böschung an der B9 ist teils ein wahrer „Müll-Hotspot“.

Als ich die ganzen Säcke auf der Ladefläche sah, wollte ich ursprünglich nur sehen, was in diesen Müllsäcken steckt, und war dann über die Menge schockiert. Es entstand ein größtenteils ein Meter hoher Haufen auf 2,50 m x 2 m Fläche. Das heißt, es lagen mindestens 3-4 Kubikmeter Plastik, Weißblech, Papier und mehr in meinem Hof. So viel passt in 12-15 große, 240 Liter fassende Mülltonnen!
Ich denke, vielen ist gar nicht bewusst, welche Menge an Müll da in unserer Natur liegt. Daher habe ich sie nun exemplarisch für den Rheinabschnitt Bodenheim fotografiert. Und auch dokumentiert, denn meine Neugierde war geweckt und ich wollte herausfinden, woraus der Müll konkret besteht. Ich habe fast zwei Stunden durchgezählt.

Es waren sage und schreibe:
- 316 Plastikflaschen und -becher, Tetrapacks und To-Go-Becher enthalten.
- Über 100 Weißblechdosen wurden eingesammelt.
- Auf weitere über 30 Dosen und Flaschen hätte es Pfand gegeben.
- Wir sammelten insgesamt mindestens 80 Glasflaschen und Gläser ein.

Der Rest des Mülls bestand aus
- mehreren hundert Verpackungsfolien von Schokoriegeln.
- unzähligen Stücken Plastikfolie, die teilweise bereits brüchig war und zerbröselte, wenn man sie auch nur berührte.
- unzähligen Stücken Styropor, das ebenso beim Anfassen zerbröselte.
Wir fanden zudem Spritzen (zum Glück ohne Nadeln), Blister-Verpackungen voll mit Medikamenten, Öl- und Reinigungsmittelbehälter, Batterien, einige Elektrogeräte, viele Kleidungsstücke, Teppichstücke, zehn einzelne Schuhe und auch etwa zehn Schutzmasken, drei prall gefüllte Hundekot-Beutel aus Plastik, etliche Gläser halb gefüllt mit verdorbenen Lebensmitteln, Schüsseln, Eimer, Alufolie,…
Da war der mit Moos bewachsene Schuh noch das schönste Fundstück.

Der Nabu schätzt, dass allein der Rhein etwa 380 Tonnen Kunststoff in die Nordsee transportiert – pro Jahr! So landet es in den Weltmeeren, am Meeresgrund und in den gewaltigen Müllstrudeln. – Mit allen katastrophalen Folgen für die Ökosysteme und am Ende auch für den Menschen, da es bei ihm wieder auf dem Teller landet. Wenn man sich anschaut, wie viele Plastikfolien in den Hecken am Rhein hingen, kann man sich vorstellen, wie viel Plastik in den Bereichen ohne Heckenbewuchs direkt in den Fluss geweht wird.

Dabei ist ja nicht nur der Müll das Problem, bei der Produktion von Verpackungsmaterialien entstehen große Mengen Treibhausgase, ebenso bei ihrer Entsorgung. Für die Aluminium-Produktion wird Bauxit benötigt, das man u.a. in Brasilien abbaut (Regenwaldabholzung und Lebensraumverseuchung), dann um den halben Globus transportiert, um anderswo mit hohem Energieaufwand und billigem Strom zum Werkstoff verwandelt zu werden. Von dort wird es wieder tausende Kilometer transportiert, damit es für kurze Zeit auf unserem Joghurtbecher klebt, um dann entfernt und entsorgt zu werden… Ist das nicht absurd?

Wir leben in einer Zeit der aufgeräumten Gärten - und der vermüllten Natur. Warum ist das so? Es käme doch keiner auf die Idee, seinen Müll kurzerhand aus dem Küchenfenster in den Garten zu werfen. Oder beim Freundesbesuch die Kippe im Aquarium zu entsorgen. Warum ist es dann eine Selbstverständlichkeit für viele, die unterwegs sind, den Müll einfach so in unser aller Lebensraum zu werfen? Sind es purer Egoismus und Empathielosigkeit? Oder ist es der Einstellung „Aus den Augen aus dem Sinn“ geschuldet? – Dann reicht aber ein Blick in die Nachrichten, um zu sehen, dass der Müll keineswegs verschwindet. Vielleicht ist es auch ein Versuch, schnell Ballast los zu werden? – Das kann man aber leichter haben, indem man weniger und dafür strategisch konsumiert, einfach Unverpacktes kauft. In jedem Fall tragen auch Lebensmittelindustrie und Händler eine große Mitschuld an der Müll-Misere. Denn der Verpackungswahn findet trotz aller Tatsachen leider kein Ende. Ganz im Gegenteil.

Es wird also weiter Müllsammel-Aktionen geben müssen, und vor allem muss es gesellschaftlich out werden, seinen Müll einfach mal so aus dem Fenster oder in die Natur zu werfen. Die Politik sollte sich ein wirkungsvolles Pfandsystem ausdenken und die Mehrwegquote deutlich erhöhen. Der Markt regelt das Problem offenbar nicht, es gibt auch viel zu viele Nutznießer der Einwegverpackungen (Verpackungshersteller und die Entsorger / Recycling-Wirtschaft) Und einfach auch eine noch immer ignorante und egoistische Grundstimmung bei vielen Menschen.

So verbreite ich momentan dieses Bild des Müllbergs. Vielleicht wird dann dem einen oder anderen bewusst, dass er Teil dieses Problems ist – und somit auch Teil der Lösung werden könnte.

Kommentare: 2
  • #2

    Gudrun (Samstag, 17 Oktober 2020 19:41)

    Viele Mitmenschen unterliegen ja dem Mähwahn. Nicht nur der eigene Rasen muss raspelkurz sein, auch der Grasstreifen an der Straße entlang des Grundstückes. Der Müll allerdings, der dabei zu Tage kommt bleibt geflissentlich liegen. Da versagt offenbar das ästhetische Empfinden der Gartenzwergmentalität

  • #1

    Achim (Freitag, 16 Oktober 2020 10:27)

    Hallo Torsten,
    Du sprichst mir aus der Seele. Ich finde es auch furchtbar jeden Morgen mit dem Rad an dem Müll vorbei zu fahren. Es regt mich so auf das ich ihn mitnehme- aber es ist ein Kampf gegen Windmühlen. Danke für die Aktion