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Neophyten (Invasive gebietsfremde Pflanzen)

Text und Scherenschnitte: Erika Bulow-Osborne

22.01.2016

Riesenbärenklau
Riesen Bärenklau

 

Neophyten, ortsfremde Pflanzen als Kämpfer, Konkurrenten, Krankheiterreger.

 

Lasst uns in unseren eigenen Gärten versuchen, mehr einheimische Pflanzen zu hegen, unsere Neigung und Begeisterung für Exoten zu bremsen und ortsfremde Pflanzen nur nach gründlicher Hinterfragung eventueller negativer Auswirkungen zuzulassen. Das oft günstige Angebot von Neobiota, ortsfremden Pflanzen, in Supermärkten ist so gefährlich, dass im Jahre 2020 eine strenge, gesetzliche Regelung kommen wird, um solcher Entwicklung ein 'Stop' entgegenzusetzen. Ortsfremde Pflanzen sind meist sehr stark, schnell-wachsend, haben viele Samen, die durch Wind, Vögel und andere Tiere verbreitet werden (und leider durch rücksichtslose, unwissende Menschen als Gartenmüll, selbst im Naturschutzgebiet hinterlassen). Einheimische Pflanzen haben sich evolutionsmäßig über lange Zeiträume angepasst. Invasive Neophyten neigen zu Hybridbildung sodass einheimische Pflanzen verändert oder ganz verdrängt werden. Das notwendige Beseitigen invasiver Neophyten muss sofort erfolgen, durch Ausgrabung, durch mehrfaches Mähen, ständige Beobachtung und Unterbindung von Ausläufern.

Die Konkurrenz der Pflanzen bedeutet Kampf um Fotosynthese, Nährstoffe und um bestäubende Insekten. Wenn das nicht mehr funktioniert, sind Symbiosen (Nahrungsgesetze)

gestört und bilden eine trophische Kaskade, denn alles Fehlende hinterlässt eine Lücke.

Es gibt Neophyten, die sehr schwer zu bekämpfen sind, die Robinie und der Staudenknöterich gehören dazu.

Fatale Gesundheitsgefahr bringt der Riesen-Bärenklau. Seine Samen werden durch Wildschweine,Wind und Gewässer weit-getragen und verbreiten diese überall. Man sollte sich ihm bei Sonnenschein nur in einem Schutzanzug und mit Atemschutz nähern, denn diese Pflanze erzeugt mit Sonnenlicht fototoxisch Furocumarine, welche schmerzende Blasen und Verbrennungen ersten und zweiten Grades verursachen. Ihre Größe ist auffallend, drei Meter hohe Pflanzen sind normal. Der Stängel umfasst 2-10 cm, er weist weinrote und dunklere Flecken auf. Die Blütendolden können eine Breite bis zu 50 cm erreichen. Jede Doppelachäne (die gespaltene Frucht bei Doldenblütlern) hat zwei Samen und sie hat den Vorteil vor einheimischen Pflanzen. Sobald Frost kommt, beginnt das neue Keimen. Die riesigen Blätter werfen große Schatten, sodass heimische Pflanzen keine Wachs-Chancen haben. Früher baute man sie als hemerochore Pflanzen (von Menschen verbreitete Bienenweiden) an und benutzte sie als Deckung für Wild. Heute ist das Ansalben (die Aussaat ortsfremder Pflanzen durch den Menschen) der Riesen-Bärenklau in Deutschland genehmigungspflichtig, denn sie erzeugt auch Erosionen.

Der Essigbaum (Götterbaum) ist invasiv schädigend. Beim Essigbaum sind alle Teile giftig.Das kann zu Magen-und Darmbeschwerden führen, sowie Bindehautentzündung verursachen. In der Schweiz ist er verboten, in Österreich ist er nur selten oder verwildert anzutreffen.

 

Man verwendete früher die Früchte zur Säureverstärkung im Essig. In Amerika benutzten die Indianer Wurzeln zum Blutstillen, die Fruüchte bei Lungenbeschwerden und einen Tee aus der Rinde für innere Leiden. Der Gerbstoff in den gefiederten Blättern wurde zum Gerben von Leder genommen.

Robinien sind sehr invasive Pionierpflanzen. In Amerika wurden sie zur Aufforstung nach Bränden benutzt. Sie verhindern Bodenerosion und haben Bedeutung als Leguminose (eingebundener Stickstoff aus der Luft ). Das Holz riecht sehr unangenehm wegen der Bestandteile von Glycosiden und Cumarin.

Alles ist giftig. Die Rinde ist besonders giftig,wegen ihres Robin, der Phasiden und Syringen. Sie wirken auf Blutkörper ein und zerstören das Gewebe. Dies führt zu Erbrechen, Schlafsucht und Zuckungen. Für Pferde ist eine Dosis von 150 g bereits tödlich. Das Kauen von Samen und Wurzeln wäre fatal. 4-5 Samen erzeugen Brechreiz und seine Pollen verursachen Heuschnupfen.

 

Am schlimmsten aber ist die Bedrohung von Magerrasen und Kalkmagerrasen, weil alle Pflanzen dieser Bioptypen für immer verschwinden. In Deutschland wurden solche Bioptypen durch Robinien schwer betroffen denn auch Spinnen und Laufkäfer verschwanden mit den heimischen

Pflanzen. Andererseits lieben die Bienen den Nektar der Robinien und das Holz ist gut nutzbar.

Um sie loszuwerden hilft am besten Ringeln, das großflächige Entfernen der Borke.

Der Kirschlorbeer kam aus Westasien und Südosteuropa. Es ist ein 2-4m hoher Strauch. Er ist sehr gefährlich für Pferde, Rinder, Kühe, Schweine, Hunde, Katzen und Vögel. Die Blüten-Trauben duften stark, Blätter und Samen sind giftig, sie riechen nach Bittermandel wegen der blausäure-haltigen Glycoside. Das Fruchtfleisch könnte Kindern gefährlich werden, wenn sie den Samen

zerkauten und Blausäure freisetzten. Hoffentlich passiert das nicht. Wenn der Kern als Ganzes geschluckt wird, ist er ungefährlich. Blätter erzeugen Übelkeit, Erbrechen, Brennen im Mund und Reizung in Magen und Darm. Bei starker Vergiftung könnte das Atemzentrum gelähmt werden. Medizinisch wird das Öl bei Asthma-Erkrankungen eingesetzt und in der Homöopathie bei Husten, Heiserkeit und Herzschwäche.

 

Buddleja oder Sommer-Flieder, aus China, Tibet, Indien und jetzt in Europa verwildert,wurde erstmalig auf einer Kiesbank des Rheines 1928 entdeckt. Er ist eine echte Pionierpflanze die sich neues Gebiet erobert. Sie ist giftig, besonders die Blätter und Samen. Diese enthalten Glykoside, Catalpol, Auculin und Saponine. Man findet sie an Bahngleisen, auf Brachflächen und an Flussufern. Nur unter 20 Grad minus stirbt der Sommer Flieder ab. Bienen, Hummeln, Taubenschwänzchen und Schmetterlinge lieben ihn. In England gilt er als invasiver Neophyt, weil er einheimische Pflanzen verdrängt.

 

Die Kanadische Goldrute kam 1644 nach Paris und ist seit dem19. Jahrhundert ein Neophyt in Europa. Eine echte Bienenweide, aber nur eine Hybridenbildung. Immer bleibt die Gefahr weiterer Hybridenbildung, wie auch im Frühlings Greisenkraut. Es ist schlimm, dass die Kanadische Goldrute sich auf Trockenrasen verbreitet hat und die einheimischen Pflanzen und Tiere, die sich von Trockenrasenpflanzen ernährten, verdrängte.Die spät-blühende Goldrute bildet 19.000 Samen pro Pflanze und außerdem unterirdische Ausläufer.

 

Medizinisch verwendet man sie als stark harntreibendes Mittel. Und sie ist eine starke Färberpflanze, deren Wasch- und Licht-Echtheit dem FärberWau gleicht.

Als Nutz und Nahrungs-Pflanze kam die Erdmandel aus Afrika, Indien, Madagaskar und dem mittleren Osten. Sie wird auch Tigernuss genannt, ist ausdauernd , wächst als krautige Pflanze und hat lange unterirdische Ausläufer mit knolligen Verdickungen. Diese sind erbsengroß, schmecken wie Mandeln oder Haselnüsse. In der Medizin werden sie gegen Darmträgheit eingesetzt. Man gewinnt aus ihnen Erdmandelmilch und Erdmandelflocken. Sie dämpfen das Hungergefühl.

 

Erdmandeln gelten als verdrängende Neophyten. Die Knöllchen sind auch nach dem Trocknen noch lange keimfähig. Da sie tief im Boden bis zu 30cm liegen, erfrieren sie nur bei Dauerfrost. Feldmäuse und landwirtschaftliche Geräte verteilen sie und helfen bei der Vermehrung.

 

Wichtig sind sie inThailand als Hyper-Akkumulator von Schwermetallen., besonders von Kadmium und Blei. Man benutzt sie in Böden und Schutthalden aus ehemaligem Zink-und Kupferabbau.

 

Ebenso wichtig sind Erdmandeln für die Bereinigung von Abwässern durch Gerbereien und Färbereien an Flussufern und Sickergebieten in Bangladesch und Indien.

Die Armenische Brombeere kommt aus dem Kaukasus. Ihre Früchte sind sehr gross und süß, deshalb wurde sie sehr beliebt. Leider verwildert sie schnell und wird dann äußerst invasiv.

Den Duft der Knoblauchrauke riecht man beim Zerreiben eines Blattes. Sie wächst zwei bis mehrjährig und hat eine tiefe Pfahlwurzel. Sie bietet ihren Nektar für Bienen, Fliegen, Schwebfliegen und Käfer zum Bestäuben an, benutzt aber auch Selbstbestäubung. Sie nutzt den Wind und die Tiere, die bei Epichorie helfen (große Verteilung der Samen). Im Fell bleiben sie hängen und werden so weiter getragen, aber auch durch unterirdische Ausläufer und Wurzelsprosse dehnt sie sich aus. Die Knoblauchrauke ist wie die Brennnessel ein Stickstoffanzeiger. In Nord-und Süd Amerika wurde sie durch Siedler eingeführt. Man benutzte sie als Küchenkraut, als antiseptische Heil-Pflanze.Sie wirkt harntreibend, schleimlösend und wirkte bei Asthma. Die Blätter helfen gegen Insektenstiche und Wurmbefall. Interessant ist, dass man in Neustadt Holstein, Phytolite Scherben fand, welche die Knoblauchrauke als älteste einheimische Heilpflanze zeigten. In England benutzt man gern Knoblauchrauken-Blätter im Sandwich und in Salaten.

Wie vielfältig die Natur sein kann an einer einzigen Pflanze, zeigt der Blutweiderich. Er hat drei verschiedene Blüten-Typen:

 

mit langem Griffel, mittellangen und kleinen Staubblättern, mit mittellangen Griffeln, mit langen und kurzen Staubblättern, mit kurzen Griffeln, mit langen und mittellangen Staubblättern.

 

Der Pollen bei lang gestielten Staubblättern ist grün und groß, bei den anderen ist er gelb und klein.

So wird erreicht, dass Fremdbestäubung stattfindet:

Narben der langen Griffel haben die längsten Narbenpapillen,

Narben der kleinen Griffel haben die kürzesten Narbenpapillen.

Es war Charles Darwin, der feststellte, dass aus 18 Kombinationen nur sechs eine volle Samenproduktion ermöglichten und das war und ist die legitime Bestäubung. Sie ist siebenmal erfolgreicher als die illegale Bestäubung. Von legitime Bestäubung spricht man, wenn Pollen liefernde Staubbeutel der einen Blüte auf gleicher Höhe wie die Narben der anderen Blüte liegen. Samen werden durch Wind und Wasser verteilt, denn der Blutweiderich wächst an Sümpfen, Seen, Ufern, wo es wechselfeucht, nass und nährstoffreich ist.

In Jahren schlechter Ernten oder in Kriegen, wenn Nahrung knapp war, wurden die jungen Sprossen und Laubblätter gegessen.

Der Blutweiderich ist eine Heil-Pflanze bei Ekzemen, Blutspeien und Ruhr. Auch während der Cholera Epidemie half er, da er adstringierend ist und sich deshalb auch günstig bei Diabetes erweist.

Das Echte Johanniskraut galt als Lichtbringer und Sonnensymbol, denn seine Ernte erfolgte um die Sommer-Sonnenwende. Ausdauernd und krautig, wächst es bis zu 100cm hoch. Seine Stängel sind markig ausgefüllt. Die Kronblätter enthalten in den Gewebelücken das rote Hypericin.
Die Pfahl-Wurzel geht 50cm tief. Abends rollen sich die Blütenblätter ein.
Samen mit kleinen Flügeln werden durch den Wind getragen, von Tieren verbreitet oder durch Wurzelsprosse vermehrt. Die Pflanzenteile sind leicht giftig.Getrocknete Blüten enthalten 1.4% roten Farbstoff Hypericin. Wenn Pferde, Schafe und Ziegen das Echte Johanniskraut fressen, kommt es zu Hämolyse (einer Freisetzung von Blut innen oder außen).
Echtes Johanniskraut hat sich in Nord/Südamerika und Australien eingebürgert.

Warum Amerika ihn als unerwünschtes Unkraut ansieht, ist unverständlich, denn er verdrängt keine der einheimischen Pflanzen.e Sommer-Sonnenwende. Ausdauernd und krautig, wächst es bis zu 100cm hoch. Seine Stengel sind markig ausgefüllt. Die Kronblätter enthalten in den Gewebelücken das rote Hypericin.

Die Pfahl-Wurzel geht 50cm tief. Abends rollen sich die Blütenblätter ein.

Samen mit kleinen Flügeln werden durch den Wind getragen, von Tieren verbreitet oder durch Wurzelsprosse vermehrt. Die Pflanzenteile sind leicht giftig.Getrocknete Blüten enthalten 1.4% roten Farbstoff Hypericin. Wenn Pferde, Schafe und Ziegen das Echte Johanniskraut fressen, kommt es zu Hämolyse (einer Freisetzung von Blut innen oder außen).

Echtes Johanniskraut hat sich in Nord/Süd Amerika und Australien eingebürgert.

Medizinisch wird es bei geringer, oder leichter Depression erfolgreich eingesetzt. Es war im vergangenen Jahr 2015 die erwählte Arznei Pflanze mit viel-versprechenden, weiteren Möglichkeiten.

 

Die Rote Esche ist eine Pionier Pflanze aus Amerika. Sie ist in einigen Ländern, von Spanien bis nach Russland eingebürgert. Leider bedroht sie das Prädikat geschützter Auen-Wälder-Lebensräume in Sachsen Anhalt, denn sie verträgt lange Überflutung oder Dürre besser, als die einheimischen Bäume und ist invasiv. In Amerika musste die Esche erst durch zwei gefährliche Ereignisse gehen, bis man begriff, warum die Anpflanzung von Monokulturen schlimme Folgen hatte (erst durch Raupenbefall, danach durch das Eschensterben, welches viele Länder dann auch in Europa betraf). Nur eine Mischkultur kann solche Attacken abwehren. Ich möchte aus eigener Erfahrung in Ipswich, Suffolk, England erwähnen, dass wir bisher weniger Schaden hatten. Im Christchurch Park Ipswich konnten durch die Behandlung mit Knoblauch-Flüssigkeit einige historisch kostbare Bäume gerettet werden. Jonathan Cocking entwickelte und benutzte es in England für 350 befallene Bäume. "The insection device is made of a pressurized chamber with eight tubes that inject the allicin solution directly into the trees' sap system. The needles are positioned to insure the even spread of allicin all round the tree." Eine solche Behandlung ist sehr

 

kostenaufwendig, aber bei 95% Erfolg zur Rettung betroffener Bäume,sollte es das wert sein. Es gibt noch viele gesunde Eschen und diese Bäume stehen direkt an der Straße. Allein, oder höchsten zu Zweien, umgeben von vielerlei anderen Baumarten. In dichtem Verkehr und den Auspuffgasen scheint es ihnen gut zugehen. Ich frage mich, ob diese schädlichen Auspuffgase eventuell auch als 'rettend' eingestuft werden könnten.

Die Chinesische Hanfpalme oder Tessin Palme ist in der Schweiz ein Neophyt und gilt als invasiv. Ursprünglich kam sie aus Zentral- und Ost-China, aus subtropischen Regionen. Sie erweist sich als kälteresistent.

Neophyten haben den Vorteil, dass sie keine natürlichen Fressfeinde vorfinden.

 

Aber diese Beispiele von einheimischen gegenüber ortsfremden Pflanzen zeigen deutlich, wie wenig sie geschätzt werden:

 

24 Vogelarten und 8 Säuger finden Nahrung im Roten Hartriegel, aber im Cornus sanguinea, dem Gelbholz Hartriegel nur 2 Vogelarten.

 

48 Vogelarten profitieren durch die Süßkirsche Prunus avium, hingegen fühlen sich nur 3 Vogelarten beim Kirsch Lorbeer wohl.

Die Schweiz versucht durch strickte Maßnahmen Neophyten zu bekämpfen, welche sich als gefährdend erwiesen haben. Dort gilt dann für invasive Neophyten ein Verbot von Verkauf und Ansalbung (Aussaat und Anpflanzung). Für jeden Gartenfreund einheimischer Wildpflanzen, mit Stauden, Sträuchern oder Bäumen, gibt es im Internet eine reiche Auswahl. Bitte helft mit gegen unerwünschte, invasive Neophyten und das betrifft vor allem die Naturschutzgebiete, den Trockenrasen, den Magerrasen und Kalkmagerrasen.

Man nennt die Besiedlung gestörter Flächen durch Neophyten "Ruderale Vegetation". Rudus, lateinisch Geröll. Immer ist es eine vom Menschen geschaffene Störung mit viel krautigem Pflanzenbewuchs. Sie entsteht am Flussufer oder an Bahngleisen. Manchmal sind es verwilderte Nutzpflanzen, vor allem aber ortsfremde Pflanzen, Neophyten. Diese Flächen sind weder für Ackerbau noch Gärten brauchbar. Hierzu gehören alle Rhododendron Arten und die verwilderte Armenische Brombeere.Während der Eiszeit waren fast alle Pflanzen ausgestorben. Nur 200 Pflanzen blieben, die man Archeophyten nennt. Wasser-Farn und Brennnessel gehörten dazu. Manchmal werden diese invasiv. Sie wurden von den Wolle tragenden Tieren und über den Ackerbau der Römer und Normannen verbreitet.

Die Roteiche kam 1724 nach Deutschland. Es dauerte über 100 Jahre, bevor auch dieser Baum invasiv wurde, in naturnahe Wälder eindrang und die Traubeneiche verdrängte. Der Eichelhäher hilft bei derVerbreitung. Die Blätter der Roteiche bedecken den Boden, geben den Insekten wenig, sodass Büsche und Singvögel verschwinden.

 

Neophyten stammen aus anderen Breitengraden, aus anderem Klima. Dort sind sie eingebettet in ihre Umgebung mit konkurrierenden Pflanzen. Sie kennen bestimmte Bodenverhältnisse, entsprechende Niederschläge, Sonneneinstrahlung und Winde. Die neuen, gestörten Flächen, die sie besiedeln, kennen nur einheimische Pflanzen. Es gibt keine Fressfeinde und viel Ausdehnungs-Möglichkeit. Die Umstellung dauert vielleicht länger, dann aber legen die Neophyten los. Sie wachsen schnell, haben sehr viele Samen, oder Wurzelsprosse. 300-400 Arten soll es etwa geben. Einige Pflanzen sind äußerst aggressiv. Sie dringen in geschützte Gebiete vor, erdrücken, überwuchern oder töten einheimische Pflanzen. Sie sind hungrig nach Nutrimenten, so wählen sie gern auch verseuchte Gewässer.

Eine auf solche Weise gestörte Fläche kann restauriert werden, indem man die invasiven Neophyten entfernt, denn der Verlust eines jeden Habitats bringt die Vernichtung einheimischer Pflanzen. Solches Projekte von Restaurierung und Konservierung ist äußerst wichtig geworden.

Pionier Pflanzen sind die ersten Siedler. Sie haben eine Schaftwurzel und sind robust. Ihre vielen Samen werden durch den Wind verbreitet(Anemochlorie) oder durch Vögel (Ornithochlorie). Auch durch Wühlen und Fressen von Tieren. Gruben- und Tages Abbau können Biodiversität bringen. Dort wachsen: Dreiteiliger Zweizahn, Roter Gänsefuß und Giftiger Hahnenfuß. Unter den nur kurz lebenden Ruderal Pflanzen sind Wilder Lattich, Weg Rauke, Taube Trespe, Mäuse Gerste, Esel- Distel, Stechapfel, Klatschmohn, Schlafmohn,Weg Malve,Tomate,Ringelblume,Spieß Melde,

Verschiedensamige Melde, Ungarische Rauke, Kanadisches Berufskraut, Natternkopf,und Nachtkerze.

Wenn sich ein kleines Wäldchen, einen Vorwald bildet, sind Salweide, Sandbirke, Robinie Götterbaum, Berg Ahorn, Esche und Buddleja, der Sommerflieder dabei. Einen Sonderfall bilden die ehemaligen Militärgebiete für Ruderal Vegetation. Überall sieht man Schmalblättrige Weidenröschen und auf den Schmetterlingsflieder folgen Birke, Himbeere und Heide.

In den Ausdauernden Ruderalfluren findet man Große Klette, Beifuß, Rainfarn, Guter Heinrich, Schwarznessel, Gefleckten Schierling,Wilde Möhre,Weißen Steinklee, Kleinblütige Königskerze, Esel Distel, Dachtrespe, Kanadische Goldrute, Große Brennnessel, Giersch, Rote Licht Nelke, Gefleckte Taubnessel, Knoblauch Rauke,Gundermann, Ruprechtskraut, Hecken Kälberkropf, Drüsiges Springkraut, Holunder, Robinie, Götterbaum, Berg Ahorn und Esche.

Ein Flußufer mit Kies und grobem Sand bietet reichen Nährstoff und hat kaum Konkurrenz.Der Eschenahorn, aus Amerika war ursprünglich ein Auwaldbaum, der als Neophyt auch hier im Auwald siedelt. Bisher gibt es keine Verdrängung einheimischer Bäume, aber Vorsicht ist geboten. Durch bewußtes Nachpflanzen und Kontrolle besteht bisher keine Invasionsgefahr.

Der Schwarze Senf ist ein Teil des Indischen Currys. Man läßt die Samen in heißem Ghee platzen und hat neben dem nußartigen Geschmack ein Öl. Als Heil- und Nutz-Pflanze ist dieser einjährige Neophyt auch noch ein Therophyt: die Samen bleiben bei Trockenheit oder im Winter im Boden. (Ähnlich wie das Drüsige Springkraut oder der Klatschmohn)

Auch der gemeine Hirschsprung gehört zu den Therophyten. Seine kleinen Blüten praktizieren Selbstbestäubung und sind fast immer geschlossen. Er kommt als Stromtalpflanze an der mittleren

 

Elbe vor, oder in der Nähe von Wasserwechsel bei Staubecken. In Deutschland ist er gefährdet.

Der Acker Schöterich gilt als Heilpflanze. Er ist giftig. Seine Blätter enthalten herzstärkende

 Glykosiden. Er wird eingesetzt bei Herzschwäche, Krampfhusten, Würmern und Hautausschlag.

Der giftige Hahnenfuß ist eine Sumpf Pflanze, siedelt sich aber auch als Pionierpflanze an und lebt danach 'amphibisch'. Er ist giftig, aber für Tiere ist das Heu ungefährlich. Bettler benutzten es an ihren Armen, um durch Verbrennungsgrade echtes Mitleid zu erregen.

 

Meine Bitte bleibt, wie am Anfang meines Berichtes: lasst uns versuchen, ganz bewusst die einheimischen Pflanzen in unseren Gärten zu unterstützen.

 

Mauerzimbelkraut, Kugeldisteln und Nachtkerzen bedeuten keine Gefahr für einheimische Pflanzen. Bitte befragt die Listen im Internet und lasst Biodiversität einheimischer Pflanzen in unseren Gärten zur größten Freude werden. Vögel, Schmetterlinge, Käfer, alles Kleingetier werden sich sichtbar wohler fühlen und durch ihr Dasein mithelfen, eine Oase zu schaffen.

Mein Dank gilt Hans-Dieter Wiesemann, der mir seine Broschüre 'Natura verbunden 2000' zur Einsicht gab. Ich habe von den Neobiota nur Neophyten betrachtet, ich bin nicht auf die Tiere, die Neozoen und Mikroorganismen eingegangen.

Kommentare: 1
  • #1

    Eva Schmelzer (Montag, 01 Februar 2016 15:14)

    Erika hat ja schon früher über die Neophyten Interessantes geschrieben und mit ihrer ganz persönlichen Bebilderung verschönt. Aber dieser Artikel ist so umfangreich und „dicht“, dass ich ihn gleich drei Mal gelesen habe, denn das Thema interessiert mich sehr. Wenn man nun diese Details kennt, wundert es sehr, dass so viele Pflanzen zu der Neophyten-Gruppe gehören, wie z.B. die Robinie, die neben der Platane einer der häufigsten Straßenbäume in Düsseldorf ist. Niemals hätte ich gedacht, dass sie einen „Migrationshintergrund“ hat. Und so geht es mir eigentlich mit fast allen. Ich musste während des Lesens ca. 30 Jahre zurückdenken: Ich war damals fasziniert vom Riesen-Bärenklau auf einem nahegelegenen Brachgrundstück und habe eine Pflanze in meinen kleinen Garten gesetzt. Innerhalb kurzer Zeit hatte er sich stark vermehrt, und er war mir buchstäblich über den Kopf gewachsen. Ihn zu entfernen war fast unmöglich, und da ich nicht um die giftige bzw. hautschädigende Wirkung wusste, zudem noch sehr schmerzhaft.
    Auch wenn die meisten dieser Pflanzen gefühlsmäßig heimisch sind, weil man sich an sie gewöhnt hat, finde ich es richtig, wenn man versucht, den Bestand einzudämmen, wie laut Erikas Bericht für 2020 geplant ist. Das muss dann aber wirklich laut Verordnung geschehen, denn wer kennt schon die Hintergründe dieser Pflanzen. Dass aber der Erhalt heimischer Pflanzen für das biologische Gefüge sehr, sehr wichtig ist, erkennt man schon an dem willkürlich herausgenommenen Beispiel des Kirschlorbeer, in dem sich nur 3 Vogelarten wohl fühlen, in der Süßkirsche jedoch 48. Und das ist ja nur ein Beispiel von vielen, auch Insekten betreffend, die ebenso wichtig für den natürlichen Kreislauf sind, weil alles seinen Platz und seine Ordnung hat. Das darf der Mensch nicht noch mehr zerstören.