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Nachdenken über Kaffee

Text und Foto: Johannes Wagenknecht

www.kanwan.at

20.03.2015

(c) Johannes Wagenknecht
(c) Johannes Wagenknecht

"1990-93 waren meine Frau und ich (+Kinder) auf Entwicklungshilfe-Einsatz in Ecuador. Damals ist mir aufgegangen, dass die Bauern in den Tropen oft schlechte Qualität produzieren, weil ihnen von den Händlern gesagt wird, dass nur der Preis zählt. Auf der anderen Seite des Ozeans sitzen Konsumenten, die gar keine Ahnung haben, welche Vielfalt an Köstlichkeiten es auf der Welt gibt, weil die Händler eben nur was billiges bringen.

Jetzt, nach Abschluss der privaten Großprojekte (Kindererziehung, Hauskauf) hat sich eine gute Möglichkeit ergeben, einen kleinen Kaffeehandel zu starten. Ich sehe das als beste Möglichkeit, Konsumenten und Bauern näher zusammenzubringen. Wenn sich das einmal selbst trägt, ist's natürlich gut.

Je tiefer ich in die Materie eintauche, umso dringender scheint's mir, ein paar Kaffee-Genießer aufzurütteln. Beim Kaffee sitzt der Konsument wirklich an den Schalthebeln, er kann zwischen verschiedenen Siegel wählen, er kann sogar eine Urlaubsreise nutzen, um sich anzusehen, wie sein Kaffee angebaut wird. (Z.B.: 

In Kolumbien ist's aber so, dass der Schattenanbau immer weniger wird. Die Bauern bleiben ihrem Rainforest-Kaffee sitzen. Mit Nespresso sind sie besser dran, wie Du am Beispiel dieser Kooperative sehen kannst: http://www.cooperandes.com/

Also, wenn nicht bald ein paar Kaffeetrinker zu denken anfangen, geht der Zug unumkehrbar in diese Richtung: https://www.youtube.com/watch?v=QrwSlfRZgfo

Kaffee-Monokulturen funktionieren nur mit viel Chemie. Offensichtlich stört das aber nur sehr wenige Menschen. Die großen Kaffee-Firmen werben mit schönen Bildern von Monokulturen, auch Medien finden Monokulturen vorbildhaft. Monokulturen, wohin man schaut: Lavazza, Melitta, Mondelēz, Neumann, Segafredo, Falstaff, Fraunhofer FCM.


Wenn man sich jetzt die Chemie vorstellt, die in diesen Landschaften versprüht wird, könnte einem die Lust auf Kaffee vergehen. Sollte man allerdings deshalb auf Kaffee verzichtet, steigen die Bauern über kurz oder lang auf Rinderzucht um und das wäre noch schlimmer.

100m² Tropengarten für einen Jahresbedarf Kaffee

Kaffee-TrinkerInnen ist wahrscheinlich nicht bewusst, wie sich ihre Kaffeewahl auf die Biodiversität unserer Erde auswirkt. Naturnaher Kaffeeanbau hilft dabei, wertvollen Lebensraum für Pflanzen und Tiere zu schützen.

Drastischer Einfluss auf die Biodiversität

Ursprünglich ist Kaffee eine Schattenpflanze. “Traditionell wurde Kaffee daher im Schatten umstehender, großer Bäume angebaut. Bei dieser Methode bleibt ein Teil des natürlichen Lebensraumes erhalten, was mit einer deutlich höheren Artenvielfalt einher geht.” [1] Unter dem ständigen Preisdruck der Märkte wurden mittlerweile Sorten gezüchtet, die – bei reichlich Düngung – unter freiem Himmel wachsen. Damit kann auf Schattenbäume verzichtet werden, der Flächenertrag steigt, maschinelle Bearbeitung wird möglich und die Produktionskosten sinken. Heute kommt der Großteil des Kaffees aus Monokulturen. “Die vorhandenen Studien zeigen einen drastischen Effekt auf die Biodiversität. Unter anderem finden amerikanische Zugvögel in den baumfreien Plantagen keinen Unterschlupf mehr und die Balance aus Schädlingen und Nützlingen, die im traditionellen Kaffeeanbau beobachtet werden kann, versucht man durch den Einsatz von umweltschädlichen Pestiziden auszugleichen.” [2]

Naturnaher Kaffeeanbau schützt wertvollen Lebensraum für Pflanzen und Tiere

Noch gibt es ihn, den naturnahen Kaffeeanbau und es sind mehrere Siegel am Markt, die ihn
zertifizieren. Am Ende sind es aber die Kaffee-TrinkerInnen, die entscheiden, ob diese naturnahe Wirtschaftsweise zunimmt oder abnimmt. Derzeit z.B. bleiben die Bauern in Kolumbien auf ihrem Rainforest-zertifizierten Kaffee sitzen, weil die Konsumenten lieber billigen Kaffee kaufen. Damit sind die großen Plantagen mit den totgespritzten Monokulturen im Vorteil.

Dabei ist es einfach, den Lebensraum von Kolibris und anderen Tieren zu schützen. Um 7,5 kg Kaffee – den Jahresbedarf eines mäßigen Kaffeetrinkers – zu produzieren, sind 100 m² Fläche erforderlich. Fällt die Entscheidung auf einen Kaffee

  • mit Frosch- oder Bio-Siegel oder
  • mit genau bekannter Herkunft und Anbauweise,

dann sind diese 100 m² ein wertvoller Lebensraum für Pflanzen und Tiere.

Kaffeebaum
(c) Johannes Wagenknecht Schattenkaffee
Kommentare: 1
  • #1

    Eva Schmelzer (Donnerstag, 02 April 2015 13:17)

    Auch wenn ich nur ein mäßiger Kaffeekonsument bin, hat dieser Beitrag mein schlechtes Gewissen geweckt, denn ich trage natürlich trotzdem eine Mitverantwortung für schlechte Bedingungen und kann zu Verbesserungen beitragen. Allerdings achte ich schon auf das Bio-Siegel, werde aber beim nächsten Einkauf (heute) ganz genau hinschauen, nachdem ich nun besser Bescheid weiß. Danke, Johannes Wagenknecht, die ca. 100 qm Lebensraum sind es wert, das Kleingedruckte ganz genau zu lesen!