Folge mir auf Facebook

Folge mir auf Twitter

Die Schachbrettblume

Text: Marion Hartmann

Scherenschnitt: Erika Bulo-Osborne

16. 03. 2014

Schachbrettblume
Schachbrettblume

 

Ihr wundervolles Aussehen lässt sie an eine kunstvoll, von Meisterhand gestaltete, sich zum Boden neigende Laterne erinnern und man könnte meinen, sie würde all den kleinen Wiesen- Elfen ein nächtlich, heimliches Licht spenden.
Es wäre mäglich, dass die feinen Sinne der Hummeln und Bienen ein leises Glöckchentönen vernehmen, wenn der Wind die kleine Laterne hin- und herschaukeln lässt.
Denn diese zartgeflügelten sind es, welche die Aufgabe der Bestäubung haben.

Die Schachbrettblume ist eine Lichtpflanze, die nur geringen Schatten verträgt.

Im 16. Jahrhundert wurde die atlantisch- mediterrane Schönheit als Gartenpflanze nach Mitteleuropa eingeführt.
Seitdem verzaubert sie so manchen Gartenfreund, wenn sie jährlich im Mai ihre kleine Pracht entfaltet.
Trockene Sommer mag sie jedoch nicht, da verschwindet sie oft ganz.
Ihre Lebensphilosophie ist es, auf nassen, luftarmen und mäßig stickstoffreichen neutralen Boden zu existieren.
In England ist die Pflanze erst seit 1736 nachgewiesen und auf einer nahen Wiese des Magdalen College, Oxford findet sie ihre grenzenlose Freude, die sie dort mit größtem Vorkommen demonstriert.
Ein weiteres größeres Vorkommen befindet sich in Ducklington.
Das größte deutsche Vorkommen hat die Stadt Ziesar in Brandenburg, östlich der Elbe.
Die zauberhafte Schachbrettblume ist in Deutschland stark gefährdet und steht daher unter Naturschutz.
In der Hauptsache sind es die Zerstörungen ihrer natürlichen Lebensräume in Feucht- und Nasswiesen, Auwäldern und Überschwemmungsbereichen der Flussauen.
Weiterhin wirkt bestandsmindernd die anhaltende Entrophierung der Böden durch Düngemittel.
In Österreich gilt die Pflanze als vom Aussterben bedroht.

Keimt ein Same der botanischen Kostbarkeit, dauert es noch 6 bis 12 Jahre, ehe sie das erste Mal blüht.
Dafür aber kann sie bis zu dreißig Jahre und älter werden.
Die kleine Blume mit dem Schachbrettmuster blüht nicht in jedem Jahr gleich.
Einmal kann die Wiese im Blütenmeer erglänzen, während im darauf folgenden Jahr nur vereinzelt blühende Exemplare anzutreffen sind.
Die Ursachen dieses Phänomens sind bis heute nicht geklärt!

Es gibt die Schönheit in rot- braun und im seltenen Weiss.

Die Schachbrettblume ist giftig und vor allem die Zwiebel enthält eine Reihe von Alkaloiden, darunter das Herzgift Imperialin.

Dem Botaniker J.Daleechamps (1587) zufolge soll die Schachblume aus den Gärten der Mönche von Artos nach Mitteleuropa- und Westeuropa gelangt sein. In Wahrheit aber ist sie ein Relikt aus der letzten Eiszeit und war in Europa weit verbreitet. Die erste farbige Abbildung einer Schachblume enthält wohl das Gebetsbuch Herzog Albrechts V., von Bayern (1574). In der niederländischen Blumenmalerei des 17. Jahrhunderts spielte die Schachblume eine große Rolle. Sie wurde zunächst nach ihrem Entdecker Noel Camperon aus Orléans, Narcissus caperonius benannt. Die Schachblume zählt zu den Liliengewächsen. U.a, ist sie eine Verwandte der Kaiserkrone. Heute lautet der botanische Fachausdruck der Schachblume „Fritillaria meleágris L". meleagris ist das griechische Wort für das gesprenkelte Perlhuhn; fritulus heißt auf lateinisch Würfelbecher.

Die Bezeichnung Schachblume rührt daher, dass die lilafarbene Glocke ein schachbrettartiges Muster mit dunklen purpurroten, fast quadratischen Flecken aufweist. Es gibt Farbabweichungen von tiefem Violett bis zum hellen Braunrosa. In Slowenien nennt man sie „logarica" und in Ungarn wird sie „kockásliliom" genannt. In Deutschland heißt sie Kiebitzei, Riedtulpe oder auch Schachbrettblume; im englischen Sprachraum kennt man sie unter „snakes's head" (Schlangenkopf).

Im Volksmund wird sie bei uns auch „Rotzglock'n" genannt (wohl aus „rote Glocke", oder weil sie am Morgen mit Wassertropfen bedeckt ist).

 

Kommentare: 2
  • #2

    Eva Schmelzer (Dienstag, 01 April 2014)

    Wie schön, liebe Marion, dass Du dieser fast vergessenen Blume Deinen Beitrag widmest. Mich hat sie zum ersten Mal vor vielen Jahren in Schweden bezaubert, wo am Haus meiner Schwägerin eine große Wiese, die bis an den nahen wilden Wald reicht, davon übersät war, als ich einmal Ende Mai dort war. Es gibt sie dort heute noch. Hätte ich einen Garten, gehörte sie unbedingt hinein.
    Ein besonderes Lob an Erika, denn das Charakteristischste, ihre eigenwillige Zeichnung, ist ja nun mal bei einem Scherenschnitt nicht wiederzugeben. Trotzdem hat Erika die außerordentliche Anmut der Blume so zum Ausdruck gebracht, dass man sie daran gut erkennt.
    Leider kann ich mir aus technischen Gründen die Videos z.Zt. nicht anschauen, hole es aber nach, sobald das Problem (hoffentlich) behoben ist.
    Danke Euch beiden!

  • #1

    Erika Bulow-Osborne (Dienstag, 01 April 2014 15:57)

    Eine Schachbrettblume scheint so zerbrechlich zu sein und doch erfahren wir, dass sie bis zu 20 Jahre leben kann in guenstigen Bedingungen. Mit Hummeln und Bienen zur Bestaeubung, Sonne, Wind, genuegend Regen und einem neutralen Boden waeren ideale Bedingungen gegeben.Meist fehlt es an so Manchem,--deshalb besteht leider die grosse Gefaehrdung dieser schoenen Wildpflanze. Wohl Demjenigen, der sie in seinem Garten hegen und pflegen kann.
    Marios Stil gleicht sich der zarten Blume und den Wiesenelfen an, welche das naechtliche Licht und das feine Glockengetoen zu Gehoer bringen. Ich lernte Mehreres aus dem schoenen Artikel und danke herzlich fuer die Informationen.