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Wilde Orchideen in Deutschland

Text: Gudrun Kaspareit

Fotos: Andreas Koch, Olivier Fiechter, Conrad Franz

23.07.2015

Fotos: Andreas Koch Geflecktes Knabenkraut

Fotos: Andreas Koch: Geflecktes Knabenkraut, Moor-Knabenkraut

(c) Andreas Koch: Eine Rarität, der Sumpf-Stendelwurz
(c) Andreas Koch: Eine Rarität, der Sumpf-Stendelwurz

In Deutschland gibt es ca. 60 wild wachsende Orchideenarten. Manche sind schon sehr selten geworden, andere sind direkt vom Aussterben bedroht. Allgemein kann man sagen, dass die wild wachsenden Orchideen sich im Rückgang befinden. Grund und Ursachen hierzu sind hauptsächlich die landwirtschaftliche Überdüngung der Wiesen.

Das Affen-Knabenkraut gibt es nur noch am Kaiserstuhl. Das Wanzen- und Spitzels - Knabenkraut ist nahezu ausgerottet. Der Dingel und das Torf-Glanzkraut sind ebenfalls vom Austserben bedroht.

Eine der schönsten heimischen Orchideenarten ist der Frauenschuh. Diese Pflanze braucht 16 Jahre, um seine ersten Blüten zu entfalten. Was für ein Frevel, sie zu pflücken!

Orchideen brauchen für ihre Ernährung die Symbiose zu bestimmten Pilzgeflechten, ähnlich wie auch Bäume. Der Pilz liefert Mineralsalze und erhält im Gegenzug von der Pflanze Zucker. Deshalb wird ein Ausgraben und Umsiedeln der Pflanze in den eigenen Garten immer zum Misserfolg führen.

Wilde Orchideen können an immer wenigeren Stellen ungestört wachsen. Passende Biotope werden von Menschen stark zum Nachteil der Orchideen verändert. Lascher Schutz von Naturschutzgebieten, Straßenbau, Aufforstungen sind nur einige Gefahren für den Lebensraum von wilden Orchideen.

Fotos: Andreas Koch - Frauenschuh

 

Das Rote Waldvögelein wächst auf kalkreichen, trockenen Böden an Rändern von Buchen oder Kiefernwäldern. Es steht auf der roten Liste der gefährdeten Arten. Es ist etwas seltener als das weiße Waldvögelein.

Das Fuchs-Knabenkraut gehört zu den häufigsten Knabenkräutern und bevorzugt saure Böden.

Der Braunrote Stendelwurz duftet kräftig nach Vanille und ist noch relativ häufig anzutreffen, er wächst gerne auf Kalkmagerrasen.

Die Bocksriemenzunge ist eine nach der Eiszeit aus dem Mittelmeerraum nach Deutschland eingewanderte Orchideenart. Immer noch liebt sie es warm und sonnig.

Das große Zweiblatt ist eine der wenigen Orchideen, die etwas anpassungsfähiger sind. Sie gedeiht auf Kalkböden aber auch in Sümpfen. Obwohl ihre schlanken Blütenstände bis zu 60-70cm hoch werden können, übersieht man sie sehr leicht. Das liegt an ihrer Färbung: Stängel, Blätter und Blüten sind völlig einfarbig grün.

Fotos: Olivier Fiechter - Weißes Waldvögelein und Conrad Franz - Fliegenragwurz

Der Vogelnestwurz ist eine chlorophyllfreie (ohne Blattgrün) Orchidee und zeitlebens von ihrem Mykorrhizapilz abhängig. So kann sie aber auch in den schattigsten Wäldern wachsen.

 

Die Bienen-Ragwurz ist eine anspruchsvolle und seltene Orchidee. Sie ist sehr wärmebedürftig.

 

Das Kleine oder auch Salep Knabenkraut, ist das am frühesten im Jahr blühende Knabenkraut und eröffnet unter den Orchideen die Blühsaison. Seine Vorliebe auch für landwirtschaftlich nutzbare Flächen ist sein Verhängnis. Die bis Anfang des 20. Jahrhunderts vielerorts häufige Orchidee ist dem immer weiter ansteigendem Einsatz von Düngemitteln nicht gewachsen und in vielen Gegenden stetig auf dem Rückzug.

Fotos: Andreas Koch - Vogelnestwurz

Das Purpur-Knabenkraut, bildet oft riesige, weithin sichtbare Blütenstände. Leider werden gewissenlose Menschen davon magisch angezogen und graben die prächtigen Pflanzen aus (was streng verboten ist), um sie in den eigenen Garten zu pflanzen - wo sie dann schnell verkümmern.

 

Ich habe hier nur ein ganz kleines Spektrum der Orchideen vorgestellt, damit man einen Eindruck gewinnt, von der Vielfalt, Zerbrechlichkeit und Schönheit dieser Pflanzen.

Fotos: Andreas Koch: Mannsknabenkraut, Moorknabenkraut

Eine Annekdote von Andreas Koch, der auch die schönen Fotos beisteuerte:

Orchideenwiese
(c) Andreas Koch Orchideenwiese

„Diese Orchideenwiese wollte die Gemeinde immer vernichten, jedes Jahr um den 10. Juni herum kamen die Stadtgärtner mit schwerem Gerät und mähten die Orchideen weg. Dann hat man dort, mitten im Wald eine Streuobstwiese angelegt und die Bäume viel zu eng gepflanzt. Mit der Beschattung hat es aber auch nicht geklappt, die Orchideen klein zu kriegen. Als Nächstes hat man die Wiese verbuschen lassen. Wenn man sich fragt, warum? Die Gemeinde hatte wohl Angst, dass diese Wiese unter Schutz gestellt würde und dann nicht mehr angetastet werden dürfte. Zum richtigen Zeitpunkt fand dann hier ein Wechsel der Förster statt, der alte ging in Rente und die neue Försterin brauchte gute Presse. Diese Gelegenheit habe ich vor 12 Jahren genutzt, ich durfte sofort mit der Entbuschung beginnen, die Herbstmahd übernahm die Försterrei. Heute war ich mit einem alten Freund wieder hier, die Orchideenwiese hat sich prächtig entwickelt.“

Fotos: Andreas Koch: Purpur-Knabenkraut, Brandsknabenkraut

Fotos: Andreas Koch: Großes Zweiblatt, Grünliche Waldhyazinthe

Fotos: Andreas Koch: Grüner Fliegenragwurz, Vogelnestwurz

Brandsknabenkraut
(c) Andreas Koch Brandsknabenkraut

Fotos: Andreas Koch die sehr seltene Bocksriemenzunge und die Grünliche Waldhyazinthe

Fotos: Andreas Koch Bienenragwurz und Hummelragwurz

Fotos: Andreas Koch, geflecktes Knabenkraut, Grünliche Waldhyazinthe

Kommentare: 4
  • #4

    Gudrun (Donnerstag, 29 September 2016 18:29)

    Liebe Gaby Hirschhauer,
    der Andreas lässt ausrichten, Du möchtest ein Bild Deiner Orchidee hier posten, dann kann er sagen, um welche Schönheit es sich handelt.
    hoeppekrotsch@aol.com
    Liebe Grüße,
    Gudrun

  • #3

    Hirschauer (Freitag, 23 September 2016 15:55)

    Hallo Herr Koch, ich habe heute in meinem Garten eine wilde Orchidee entdeckt, die hier plötzlich aufgetaucht ist. Ich finde aber nirgends Bilder dazu, können Sie mir helfen? Liebe Grüße von Gaby Hirschauer

  • #2

    Eva Schmelzer (Sonntag, 02 August 2015 18:14)

    Was für ein Beitrag - so viele Informationen, die den meisten von uns neu sein werden (wie z.B. die Symbiose mit Pilzen) und so herrliche Fotos! Was wäre eine Textbeschreibung gerade bei diesen Blumen. Danke Gudrun, danke an Andreas Koch, Olivier Fiechter und Conrad Franz.
    Ein P.S. zu Andreas Kochs Geschichte: Ich hab mich sehr entrüstet über das Vorgehen der Stadtgärtnerei - wie kann das sein? Und dann mich natürlich richtig gefreut, dass er mit "seinen" Orchideen am Ende gesiegt hat.

  • #1

    Jakobs (Sonntag, 02 August 2015 16:01)

    Wunderschöne Orchideen,kenne noch einige aus der Kindheit.Heute findet man so etwas ja leider kaum noch.....