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Urwald in der Stadt

Text: Gudrun Kaspareit

Fotos: Olivier Fiechter, Hans-Dieter Wiesemann, Gudrun Kaspareit

05.06.2015

Wald
(c) Gudrun Kaspareit

Bern wagt das Experiment und weist mitten in der Stadt ein Totalreservat aus. 21 Hektar des Bremgarten Waldes soll in den nächsten 50 Jahren sich selbst überlassen bleiben und so zum Urwald werden. Der Kanton Bern und die Burgergemeinde haben dies Anfang des Jahres beschlossen. Ein Teil des Waldes schließt das Aareufer mit ein. Dort sollen ab sofort keine Forstarbeiten mehr statt finden. Umgestürzte Bäume dürfen liegen bleiben und dienen dann Millionen von Mikroben, Pilzen, Würmern, Käfern und anderen Kleinstlebewesen als Lebensraum. Diese werden den Baum ganz langsam zersetzen, seine Nährstoffe dem Boden wieder zuführen und so den Lebenskreislauf im Wald in Gange halten. So gesehen ist der Begriff Totholz etwas irreführend. Auch sogenanntes stehenden Totholz, also abgestorbene Bäume, die aber noch nicht umgestürzt sind, sind wichtige Lebensräume. Spechte zimmern dort ihre Höhlen hinein. Auch andere Tiere, wie Fledermäuse profitieren davon.

Nur an den Rändern der Spazierwege, werden auch künftig Bäume beschnitten oder gefällt, falls sie Spaziergänger gefährden sollten.

Bisher war der Bremgarten Wald als aufgeräumt und gepflegt bekannt und beliebt, nun soll er wuchern dürfen, wie er will. Damit werden dort vorhandene, seltene Tierarten geschützt, wie z.B. Feuersalamander, Ringelnattern und Grasfrösche, als auch einige Orchideenarten. So kann man nicht nur diese Arten schützen, sondern auch langfristig die Biodiversität fördern.

2008 wurde die Autobahn Stadttangente Bern erneuert. Eine Ausgleichsfläche sollte ausgewiesen werden, aber wegen Platzmangel konnte dies nicht umgesetzt werden. Deshalb hat man sich entschlossen, den alten Wald zu schützen, anstatt einen neuen Wald anzupflanzen.

Der größte Anteil am Bremgarten Wald, gehört der Burgergemeinde Bern. Dafür, dass sie den Wald für das Totalreservat zur Verfügung stellt, bekommt sie 13000 Franken. Und weil sie den Wald nicht mehr bewirtschaften kann,120 Franken pro Hektar und Jahr, um Ertragsausfälle auszugleichen.

Dies wurde so ausgehandelt, obwohl der Wald schon länger nicht mehr rentabel war. Ich finde das ja ein wenig beschämend, jeder sollte seinen Beitrag zum Naturschutz leisten, aber Hauptsache der Wald wird von nun an geschützt, möglichst auch noch über die vereinbarten 50 Jahre hinaus.

Kommentare: 1
  • #1

    Eva Schmelzer (Samstag, 04 Juli 2015 14:28)

    Das ist ja Wahnsinn, dass dieser Wald nicht nur geschützt wird, sondern dass darüber hinaus dieser Wald der Natur zurückgeschenkt worden ist, dass sie ihn nun für die nächsten Jahrzehnte gestalten kann!!! Und wer könnte es besser als sie! Eine wunderbare Geschichte, die hoffen lässt, dass sie wenigstens im europäischen Raum viele Nachahmer findet und das Bewusstsein weckt, dass unsere Wälder nicht weiter ausverkauft werden dürfen.
    Hier noch ein Link zu einer aktuellen Rewe-Aktion, die unsere heimischen Wälder betrifft. Jeden Tag der letzten Woche hat mich übrigens in meiner Filiale Vogelgezwitscher während des Einkaufs begleitet statt Schlagermusik. Wie wirksam sie nun ist, ist eigentlich zweitrangig, denke ich, wichtig ist, dass Bewusstsein der Menschen und vor allem der Kinder zu wecken, wie kostbar und notwendig auch unser Wald ist.
    https://nachhaltig.rewe.de/projekte/nachhaltigkeitswochen/