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Grünbrücken

(c) SvenBieckhofe
(c) SvenBieckhofe

 

Die Menschen breiten sich immer weiter aus. Stichwort Landversiegelung. Und das Land, welches noch nicht versiegelt ist, wird von Straßen zerschnitten. Die Wälder sind in Wahrheit Holzplantagen und das Land auf dem keine Städte errichtet wurden, werden zur Agrarwüsten, für unseren Nahrungsanbau, unser Viehfutter und unseren Biodiesel. Damit die Erträge maximal ausfallen, wird gespritzt was das Zeug hält. Das dabei die Insekten und auch unsere Bestäuber sterben ebenso die Insektenfresser, wie Vögel, Igel oder Fledermäuse ist Collateralschaden. Aber zurück zu den Straßen. Auch hier geht der Mensch übermäßig rücksichtslos vor. (Ich denke nur an die heftigen Proteste beim Bau der A 20 mitten durch das Travetal und wie wenig es genützt hat.) TÄGLICH sterben auf unseren Straßen etwa 530 Tiere. Haustiere, Wildtiere, Vögel, Frösche usw. Ein wenig Abhilfe können sog. Grünbrücken oder auch Straßenunterführungen schaffen. Aber es gibt viel zu wenig davon und um Neue zu bauen, wird um die Mittel gestritten. Tiere bringen keine Gewinne (Abgesehen vom Schlachtvieh) und sie haben keine Lobby. Es gibt einige Alibi Grünbrücken, aber es sind bei Weitem nicht genug, um unsere Mitlebewesen wirklich effektiv zu schützen. Ein Beispiel, der Amphibienschutz: Es gibt einige Straßenunterführungen mit hinführenden Leitzäunen, die Amphibien wie Fröschen, Kröten und Molchen die Möglichkeit bieten Laichteiche auf der anderen Seite zu erreichen, aber auch größeren Tieren wie Füchsen, Dachsen, Mardern u.ä. die Chance bieten, sicher auf die andere Straßenseite zu gelangen. Aber in den meisten Fällen, sind die Amphibien auf private Initiativen angewiesen. Das bedeutet Schutzzäune, in die Erde eingelassene Eimer und Leute die sich jede Nacht aufmachen, die Tiere aus den Eimern zu klauben und sicher über die Straße zu tragen. (Nachts deshalb, weil die Amphibien nachtaktiv sind) Zudem müssen diese Naturschützer auch noch mit den Behörden um die Kosten streiten.

Damit auch größere Tiere, wie Rehe, Hirsche, Wildschweine, Wölfe oder gar Bären sicher auf die andere Seite gelangen, müssen Grünbrücken mindestens 50m breit sein. Sie werden gerne an bekannten Wildwechseln errichtet. Um den Tieren die Sicht und damit die Angst vor dem Autoverkehr zu nehmen und damit sie nicht von den Scheinwerfen geblendet werden, pflanzt man Büsche und Hecken an den Rändern der Brücke. Bis 2020 sollen in Deutschland 90 Grünbrücken errichtet werden. Das ist auch dringend nötig, da mehrere Hunderttausend Wildtiere Jahr für Jahr bei Kollisionen auf Deutschlands Straßen ums Leben kommen. Auch für die Menschen ist das sinnvoll, da auch für sie die Unfälle manchmal tödlich enden. Um zu erforschen, ob und von welchen Tieren diese Brücken angenommen werden, hat man mancherorts Lichtschranken und Kameras installiert. Selbst Ameisen, Käfer und Heuschrecken, die auf der Straße keine Chance hätten, nutzen die Grünbrücken.

Auch für Fischotter muss gesorgt werden. Da sie sehr ungerne unter einer Brücke hindurchschwimmen, klettern sie an Land , laufen über die Straße und begeben sich auf der anderen Seite wieder in ihr Gewässer. Leider werden sie dabei oft überfahren, deshalb gibt es sog. Otterbrücken, das sind Stege neben der Brücke, auf denen der Otter sicher über die Straße kommt.

Es ist eine erfreuliche Entwicklung, dass immer mehr die Notwendigkeit einer Grünbrücke gesehen wird. Laut ADAC ereignen sich bundesweit mindestens 250.000 Wildunfälle pro Jahr. Etwa 30 Verkehrsteilnehmer werden dabei allein in NRW schwer verletzt.

Die Straßenbauverwaltung ist gesetzlich verpflichtet, für die Sicherheit des Verkehrs zu sorgen und gleichzeitig negative Auswirkungen von Straßen auf die Natur, so weit wie möglich, zu vermeiden. Vor diesem Hintergrund prüft der Landesbetrieb Straßenbau Nordrhein-Westfalen bei jeder Straßenplanung, ob im konkreten Fall der Bau von Tierquerungshilfen erforderlich ist.

Überfahrener Waschbär
(c) Sven Bieckhofe Überfahrener Waschbär

Text und Fotostrecke: Sven Bieckhofe

15.10.2016

https://www.facebook.com/Svens-Wildtier-Film-und-Fotografie-480909745443020/

 

 

überfahrener Dachs
(c) Sven Bieckhofe überfahrener Dachs

 

Allein Ca. 220 000 Rehe und 12.000 Wildschweine kommen jährlich in Deutschland unter die Räder. Jetzt im Herbst kommt es immer vermehrt zu Unfällen mit Wild, da Rehe, Wildschweine und Hirsche in dieser Jahreszeit sehr aktiv sind und vor allem in Waldgebieten oft zu Dämmerung häufig die Straßen überqueren. Neben den halbwegs größeren erfassten Wildtieren, die auf den Straßen „verunglücken“ werden jedoch auch zahllose Vögel, Mäuse, Igel, Füchse, Eichhörnchen, Waschbären, Hasen usw Opfer des Straßenverkehrs!

(Sven Bieckhofe)

Noch eine Bitte: Tote Tiere, wenn es möglich ist, immer von der Straße nehmen und an die Seite legen, damit die Aasfresser nicht auch noch überfahren werden, als da sind : alle kleinen und größeren Raubtiere, Greifvögel, Raben und Krähen (Gudrun Kaspareit)

Der WDR hat mit Sven Bieckhofe einen Film und ein Interview gemacht, dieses möchte ich Euch nicht vorenthalten.

Kommentare: 5
  • #5

    Volkmar Friedrich Fischer (Dienstag, 02 Mai 2017 22:44)

    Bei uns in der Zeitung (Sachsen) war letztes ein kleiner Beitrag über Wildunfälle im Freistaat. Da ging es nur um die Gefahren für den Menschen und die Blechschäden. Die verletzten oder getöteten Tiere spielten dabei keine Rolle. Ich habe dazu einen kritischen Beitrag auf meiner FB-Seite verfasst, und Sven hat mir auch gleich erlaubt, seine Bilder dafür zu verwenden. Danke!

  • #4

    Eva Schmelzer (Montag, 01 Mai 2017 14:15)

    Gut, dass Du noch einmal auf dieses Problem hingewiesen hast mit den eindrucksvollen Fotos und den Links dazu. Die Gefahr für die Tiere durch den Verkehr, aber auch die der Menschen bei solchen Unfällen muss immer präsent sein in den Köpfen der Verkehrsteilnehmer und den Verantwortlichen für die Sicherheit der Straßen. Warum wird z.B. in den täglichen Nachrichten nicht mal immer wieder wenigstens kurz daran erinnert? Es wären nur Sekunden, die aber so viele Tiere retten könnten.

  • #3

    Friedrich (Montag, 07 November 2016 17:52)

    Vielen Dank für den interessanten Beitrag. Die toten Tiere von der Straße zu nehmen, habe ich bisher nicht im Blick gehabt. Das werde ich künftig tun.

  • #2

    Eva Schmelzer (Donnerstag, 03 November 2016 13:28)

    Mit wie viel Herz, aber auch fundierten Vorschlägen zum Schutz der Tiere – vom kleinsten Insekt bis hin zu den großen – Du diesen Artikel geschrieben hast, liebe Gudrun. Aber kein Wunder, setzt Du Dich doch selbst aktiv ein!
    Es sind ja nicht nur die ignoranten Raser, die Schuld sind am traurigen Tod der Tiere, jedem Autofahrer kann das passieren, auch einem noch so großer Tierfreund. Natürlich sind die rücksichtslosen Raser die Hauptverantwortlichen, aber leider wohl auch gleichzeitig die, denen alles andere ziemlich egal ist, selbst solche traurigen Fotos. Da nun auch für den Menschen eine Gefährdung besteht durch einen Wildunfall, hoffe ich sehr, dass Wildzäune, Grünbrücken u.Ä. zukünftig immer mehr Normalität werden. Selbst wenn der Tierschutz meist nicht im Vordergrund steht, weil er keinen Geldwert bringt, sehe ich hier doch relativ gute Chancen.
    Die traurigen, schockierenden Bilder müssen sein, liebe Gudrun, sie sprechen die deutlichste Sprache für Menschen, denen ein Thema relativ egal ist, rühren vielleicht doch eine Seite in ihnen, die von Worten nicht erreicht wird.

  • #1

    Gudrun (Sonntag, 16 Oktober 2016 15:56)

    Ich möchte mich für die traurigen Bilder entschuldigen, ich weiß, Ihr müsst nicht extra aufgerüttelt werdem, aber vielleicht gibt es doch Leser, die einer drastischen Ermahnung bedürfen, gerade jetzt im Herbst, wo es früh dunkel wird. Bitte Fuß vom Gas, danke,
    Eure Gudrun