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Feuchtwiesen

Text und Scherenschnitte: Erika Bulow-Osborne

22.04.2016

Feuchtbodenpflanzen, wie Baldrian, Sumpf Storchschnabel und Wasserdost haben sich angepasst an zeitweise Überschwemmung. Die Norddeutsche Tiefebene ist eines dieser artenreichen Biotope mit Quellwasser, teilweisem Stauwasser und gelegentlichem Austrocknen. Zuviel Wasser bringt Sauerstoffmangel und damit kein Wachstum. Deshalb haben spezialisierte Feuchtwiesen Pflanzen Hohlraumgewebe (Aerenchymen), über welche sie die Luft von oben in dieWurzeln leiten. Diese zwei-schürigen Feucht-oder Sumpfwiesen müssen zweimal gemäht werden.Durch die Mahd bekommen niedrig wachsende Pflanzen Licht. Niedrige Sommertemperaturen begünstigen die norddeutsche Tiefebene, wo der Niederschlag höher liegt als dieVerdunstung.

Feuchtwiesen sind kein Viehfutter mehr, aber um so wichtiger für naturbegeisterte Menschen und eine grosse Anzahl sehr gefährdeter Tiere.

Hohe Bodenfeuchtigkeit bietet ganzjährige Pflanzenbedeckung und jahreszeitlich bedingtes Blühen. Grund-und Stauwasser helfen dem Klima- und Trinkwasserschutz, sowie der Grundwasserneubildung, denn sie geben nur langsam Wasser an Bäche und Flüsse und schützen sie vor Hochwasser.

Ein Sumpf verliert seinen Humus, wenn er austrocknet, ein Moor hat ständig die gleiche Wassermenge, sodass sich Torf formen kann. Ehemals waren Feuchtwiesen Weiden mit Gebüsch. Ein Feuchtgebiet-Boden ist reich an organischer Substanz. Blaues Pfeifengras, Schlankseggenried, Mädesüß, Gilbweiderich,Wiesenschaumkraut, Schlangen Knöterich, Bachnelkenwurz und Trollblume sind typische Pflanzen.

Feuchtwiesen dienen als Brutstätte und Rast für Zugvögel. Man nennt Weißstorch, Großer Brachvogel und Kiebitz "Wiesenvögel". Das Braunkehlchen benutzt die höher-wachsenden Stauden als Ansitz. Bekassine, Tüpfelralle und Schwarzkehlchen müssen im Feuchten nach Nahrung suchen. Uferschnepfe und Bekassine sind aus Hoch-und Niedrigmooren eingewandert.

 

Ein weiterer Einwanderer aus der Tundra ist der Kampfläufer. Philomachus pugnax.

Ihm widme ich zwei Scherenschnitte, um sein auffallenden Balzgehabe vorzustellen. Er benutzt die Feuchtwiesen als Brutstätte, wo das Weibchen den Standort für das Nest wählt und das Nest mit Vegetation bedacht. Ihr Eier-Legen beginnt im Abstand von 1 bis 2 Tagen von Mai bis Ende Juni. Meist sind es 4 Eier, olivfarben, kreiselförmig und mit grauen Flecken. Die Brutdauer beträgt etwa drei Wochen und die Kleinen werden in knapp vier Wochen flügge. Die Mutter hütet ihre Kleinen nur einige Tage, dann finden sie selbst ihre Spinnen, Falter und Heuschrecken. Kurze Vegetation ist für die Kleinen hilfreich.

Nun aber geht es um das etwas verwirrende Balzgehabe des Kampfläufers. Er benutzt jedes Jahr die gleiche Balz Arena von etwa einem Quadratmeter. In der Balzzeit tragen die starken Männchen einen schwarz-orange-braunen Kragen. Im Englischen spricht man beim Kragen von einem 'Ruff ' und so wird er bezeichnet. Es gibt außerdem Kampfläufer mit weißem Kragen und es gibt Kampfläufer, die wie Weibchen aussehen.

Die überwiegende Anzahl der Männchen trägt den schwarz-orange-braunen Kragen. Sie bekämpfen in der Balz ihre ebenso aussehenden Gegner um die Gunst eines Weibchen und sie ist es, die sich den Partner wählt.

Etliche Männchen mit weißem Kragen bleiben meist am Rande der Arena. Sie können dort bereits eine Paarung erreichen Diese sogenannten 'Satelliten' werden nicht bekämpft, ja manchmal sogar aufgefordert zur Teilnahme. Wenn ein weißkragiges Männchen kommt, kann es geschehen, dass ein schwarzkragiges Männchen seine Beine einknickt und mit senkrecht zur Erde gestrecktem Schnabel andeutet, er solle sich anschließen. So etwas scheint mehr Weibchen anzulocken.

Eine dritte und sehr schlaue Weise wird von den wie Weibchen aussehenden Kampfläufern angewendet, um zur Paarung zu kommen. Sie werden auch 'Faeder'(Uhrahn im Friesischen) genannt nach einem friesischen Ornithologen, der beobachtete, wie sich die seltenen 'Faeder' sozusagen verkleidet am Rand paarten.

 

Kommentare: 2
  • #2

    Marion Hartmann (Freitag, 06 Mai 2016 15:08)

    Erikas Berichte sind eine immense Bereicherung für die an sich schon breit gefächerte, einmalige "Naturwelt!"
    Ihre kleinen Kunstwerke, wovon schon EINER allein eine Kostbarkeit darstellt, sind stets mit außergewöhnlicher Hingabe wie Einfühlungsvermögen in die Natur gefertigt.
    Hier führt sie und durch die Feuchtwiesen, ein sehr interessanter Bericht.
    Die Kampfläufer sind in Darstellung und Bewegung einfach herrlich.
    Vielen Dank!

  • #1

    Eva Schmelzer (Dienstag, 03 Mai 2016 13:28)

    Ein rundum interessanter Beitrag und mit Erikas außergewöhnlicher künstlerischer Gabe wunderschön bereichtert.