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Der Igel

Text: Gudrun Kaspareit

Fotos: Janine Becker, Gudrun Kaspareit

Quelle: http://www.pro-igel.de/

20.04.2016

Igel
(c) Janine Becker Igel

 

Auch der arme Igel befindet sich inzwischen auf die rote Liste, nachdem er seit 15 Millionen Jahren überlebt hat. Seine Lage hat sich dramatisch verschlechtert. Jedes Jahr werden ca. eine halbe Million Igel auf unseren Straßen überfahren. Ungezählt die Igelbabys, die dann verhungern, weil ihre Mütter tot sind. Aber nicht nur der Straßenverkehr macht ihnen zu schaffen, auch der Verlust ihrer Lebensräume, sowie der Mangel an Nahrungsmitteln. Igel fressen Käfer und andere Insekten, doch viele dieser Arten kämpfen ihrerseits ums Überleben oder sind, Dank der landwirtschaftlichen Spritzmittel, mit Giftstoffen befrachtet. So werden Igel krank und hungern. Sie weichen dann auf Schnecken und Regenwürmer aus, aber gerade von Schnecken können sie Parasiten wie Lungenwürmer bekommen. All das verkürzt ihre Lebensspanne und wird, wenn nichts passiert zum Verlöschen ihrer Art führen.

Igel leiden unter Straßenverkehr, Rasenmähern, Tellersensen, Laubsaugern, Mistgabeln, Osterfeuern, Gift im Garten, wie Schneckenkorn, Rattengift, Unkrautvernichter und Insektiziden.

Sie sind auch gefährdet durch Maschendrahtzäune, Stromzäune, Vogelnetze über Beerensträuchern und Folien. Dies alles kann für den Igel zur Todesfalle werden. Igel sind gute Kletterer, aber steile Gruben, Schächte, Kellertreppen, Gullys, steilwandige Gartenteiche u.sw. können dem Igel ebenfalls zum Verhängnis werden.

Die Igel, als Kulturfolger, leben fast ausschließlich in menschlichen Siedlungsgebieten, aber hier brauchen sie giftfreie und strukturreiche Gärten mit einem guten Nahrungsangebot. Hecken,.-Laub.- und Reisighaufen, um sich zu verstecken und eine Auswahl an Würmern und Insekten sind für sie wichtig. Entgegen der weitläufigen Meinung, ernähren Igel sich nicht von Obst.

Im Sommer bauen sich Igel verschiedene Schlafnester. Igelmütter konstruieren haltbare und gemütliche Nester, um ihre Jungen aufzuziehen. Und im Winter werden sorgfältige gut isolierte Nester gebaut, für den Winterschlaf.

In Deutschland ist es verboten, Wildtiere, noch dazu geschützte, der Wildnis zu entnehmen. Allerdings darf man verletzte und hilfsbedürftige Tiere sach.- und fachgerecht gesund pflegen und so schnell wie möglich wieder in die Natur entlassen.

 

Hilfe für Igel

 

Folgende Tiere sind hilfsbedürftig: Verletzte Igel.

Kranke Igel: man erkennt sie daran, dass sie bei Tage umherirren, apathisch wirken, desorientiert , unterernährt und/oder unterkühlt sind.

Mutterlose Igelkinder

und Igel, die nach Wintereinbruch noch herumlaufen auf der Suche nach Futter.

 

Wer solch einen Igel findet sollte folgendermaßen vorgehen:

  1. Ein Pflegeprotokoll anlegen. Datum, Uhrzeit, Ort, Temperatur des Pfleglings, Gewicht, Geschlecht und die Verordnungen des Tierarztes, sowie die Medikamente, die verabreicht werden, eintragen

  2. Geschlecht feststellen. Es könnte sich um ein säugendes Muttertier handeln.

  3. Außenparasiten mit einer Pinzette entfernen (Fliegenmaden, Zecken, Flöhe)

  4. Unterkühlte Igel wärmen (Normale Temperatur 36° C ) Mann füllt eine Wärmflasche mit warmem Wasser , wickelt ein Handtuch darum, legt sie in einen Karton, setzt den Igel darauf und deckt ihn mit einem weiteren Handtuch zu)

  5. Schnellstmöglich einen Tierarzt oder eine Igelstation aufsuchen.

  6. Für die Dauer der Pflege ein Igelgehege anlegen und ein Schlafhäuschen hineinstellen. Igel sind Einzelgänger, deshalb braucht jeder Igel sein eigenes Gehege. Bauanleitungen gibt es im Internet, fertige Häuschen auch in der Zoohandlung.

  7. Man kann Igel gut mit Katzendosenfutter füttern (sollte der Igel nicht alleine fressen, muss sofort der Tierarzt aufgesucht werden)

  8. Kotproben sammeln für den Tierarzt, um Innenparasiten festzustellen und zu bestimmen.

Igelbaby

Igelbabys aufzuziehen, die noch nackt und blind sind ist sehr schwierig. Kleine Igel werden bis zur 6. Woche von der Mutter gesäugt und gepflegt. Sie müssen ständig warm gehalten werden (Mit Handtuch umwickelte Wärmflasche) und 10 Mal täglich rund um die Uhr mit Spezialmilch vom Tierarzt, gefüttert werden. Anschließend muss das Bäuchlein massiert werden, bis der kleine Igel Kot abgesetzt hat. Danach wird die Wärmflasche erneuert.

Später, wenn die Milchzähne durchstoßen, bietet man den kleinen Igeln Schälchen mit Spezialmilch an, in die zunehmend festes Futter, wie zerstoßenes hart gekochtes Ei, angebratenes Hack oder Katzendosenfutter gemischt wird. Sind die Igel schwer genug, je nach Jahreszeit 250 – 300 g. kann man mit der Auswilderungsprozedur beginnen.

 

Winterschlaf

Solange der Igel noch gepflegt und aufgefüttert wird, muss er in einem warmen Raum gehalten werden. Hat er sein Überwinterungsgewicht von ca. 700 g. erreicht, kommt er in einen kühlen Raum. Die Temperatur sollte der Außentemperatur entsprechen. Balkon, Gartenhaus oder ein Gehege im Garten sind geeignet. Als Schlafhäuschen kann ein Pappkarton dienen, der mit zerrissenem Zeitungspapier ausgefüllt und natürlich einem Schlupfloch versehen wird.

Wenn der Igel im Frühjahr wieder erwacht, hat er stark an Gewicht verloren. Bevor man ihn auswildert, sollte er wieder aufgefüttert werden, zumal es jetzt in der Natur noch nicht all zu viele Insekten gibt.

 

Auswildern

Optimalerweise stellt man das Igelhäuschen in ein Igelgehege im Garten und füttert so lange, bis der Igel das nötige Gewicht erreicht hat. Ist das der Fall, öffnet man das Gehege, sodass der Igel den Garten erkunden kann, aber die Möglichkeit hat, sich noch Futter aus dem Gehege zu holen und auch sein Schlafhäuschen noch zu nutzen. Die letzte Phase der Auswilderung besteht darin, in den Gartenzaun eine Igelklappe zu bauen (wie eine Katzenklappe nur kleiner, 10 mal 10 cm.) Nun kann der Igel, wenn er möchte den Garten verlassen und sich ein eigenes Revier suchen.

 

Alles Wichtige zur Aufzucht und Pflege von Igeln kann man ausführlich und detailliert hier nachlesen. http://www.pro-igel.de/

 

Igel
(c) Gudrun Kaspareit Igel
Igel
(c) Gudrun Kaspareit Igel

Diese Beiden stehen kurz vor der Auswilderung

Friedl hat Gartenfreunde besucht und nachgedacht:

Gedicht und Fotos: Volkmar Friedrich Fischer

08.06.2016

 

Friedl hat Gartenfreunde besucht und nachgedacht: .
Zwei Gartenzaun-Fotos
habe ich hier.
Ich muss jedoch sagen:
Nur eins davon lobe ich mir.

Den ersten Zaun
finde ich richtig schön,
weil problemlos Igel
darunter durchgeh‘n.

Andere Zäune, wie daneben,
setzen auf dem Boden auf.
Da endet dann abrupt
des Igels nächtlicher Lauf.

Igelmännchen laufen gern
viele Kilometer weit.
Doch sie brauchen dazu
auch die Gelegenheit.

Der tierliebende Gartenfreund
sei deshalb drauf bedacht,
dass er für die Stachler
einen Durchschlupf macht.
.
(c) Volkmar Friedrich Fischer

 

Kommentare: 2
  • #2

    Erika (Dienstag, 03 Mai 2016 11:59)

    Bei so viel Informationen sollte es leicht sein, einem verletzten Igel erste Hilfe zu leisten. Wunderbar detaillierte Anleitungen zur Aufzucht unter der Kontrolle eines Tierarztes und bei Unkenntnis besonders wichtig.
    Unser mehrjaehrigerIgel schluepft gern durch allerlei Loecher unter dem Zaun durch und geniesst die angrenzenden Gaerten und das weitere Umland sowie unsere 35 Jahre alte Efeuhecke zum linken Nachbarn. Leider mussten wir einen groesseren Teil alter Efeuhecke wegen eines total morschen Zaunes entfernen lassen, weil ein uebergrosser Nachbarhund staendig in unseren kleinen Garten kam, um uns zu verbellen. Ein hoher neuer Holzzaun wurde fachmaennisch gesetzt und wir pflanzten kleine Efeus an. Ich werde es nie mehr so erleben , wie es war, als uns ein Muntjak, ein Reh und Fuechse durch den morschen Zaun besuchten, aber unsere naechtlichen zwei Fuechse kommen gern weiterhin und langsam wird eine neue Hecke entstehen; jedenfalls solange wir noch leben. Ein Garten voller Wildpflanzen, Unordnung, Laub und ohne irgendwelche Mittel, naturbelassen, wird von allen Tieren geliebt.

  • #1

    Eva Schmelzer (Montag, 02 Mai 2016 11:47)

    Dass nun auch der Igel durch den massiven, rücksichtlosen Eingriff des Menschen nach vielen Millionen Jahren bedroht ist stimmt sehr traurig. Leider sind die Ursachen, wie sie hier beschrieben sind, so vielfältig, dass ich wenig Hoffnung sehe. Es sind einfach zu viele negative Aspekte, die dem Igel das Überleben möglich machen. Es wäre dennoch wichtig, wenn wenigstens die sehr leicht vermeidbaren igelfeindlichen Bedingungen berücksichtigt würden, um ihm noch eine Zukunftschance zu geben. Dazu müsste aber das Problem aber erst einmal öffentlich thematisiert werden, denn ich glaube, die wenigsten wissen das. Und es gäbe sicher viele Menschen, die gerne dazu beitragen würden, dass Hase und Igel noch lange Wettläufe veranstalten können, obwohl der Feldhase ja deutschlandweit ebenfalls vom Aussterben bedroht ist. Es wird also wohl eher ein Wettlauf darum, wer als erster von der Bildfläche verschwunden ist.
    Danke, Gudrun, dass Du diesen beiden das Leben gerettet hast.