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Nachhaltigkeit

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Kanwan

Nachrichten vom Krötenzaun

Text und Fotos: Gudrun Kaspareit

05.05.2020

Das sind die wundervollen Geschöpfe, die wir vor dem Überfahren werden retten

Die Gemeinden verdienen gut an der Naturzerstörung. Hier noch ein paar Baugrundstücke mit den dazugehörenden Straßen, da noch ein Gewerbegebiet, dort noch ein neuer Sportplatz. U.s.w.

Geht es aber darum, der Natur etwas zurückzugeben, sieht es ganz anders aus.

Für mein Krötenprojekt, welches ich jetzt seit 6 Jahren betreue, wollte ich einen Amphibientunnel beantragen. Das Ministerium hatte mir in Aussicht gestellt, je nach Zahl der Amphibien, in einen Krötentunnel investieren zu wollen. Der Landeigner war mit dieser Lösung auch einverstanden. Die Gemeinde, welcher die Staße gehört, sollte nun auch noch ihre Zustimmung geben. Ich dachte naiverweise, dies sei eine reine Formsache und stellte den Antrag. Aber der Bauausschuss der Gemeinde sagte einstimmig NEIN. Obwohl sie keinerlei Kosten durch diese Maßnahme gehabt hätte. Begründung: Wenn man die Straßendecke aufreißen müsse für den Tunnel, würde die Straße ihre Stabilität verlieren, denn dort führen viele große, landwirtschaftliche Fahrzeuge.

Dann sollte das neue Glasfaserkabel verlegt werden, doch die Arbeiter hatten die Wasserleitung angebohrt. Das verursachte einen Wasserrohrbruch, die Straße wurde unterspült und musste aufgerissen werden, um das Rohr zu reparieren.

Ich dachte, o.k. das Argument mit der stabilen Straßendecke ist vom Tisch und stellte den 2. Antrag.

Aber auch dieser wurde einstimmig abgelehnt. Begründung: Der Tunnel müsse ja unterhalten werden und dazu sei der Bauausschuss nicht bereit.

Nun beauftragte ich ein Ingenieursbüro, welches sich auf Amphibienschutz spezialisiert hatte. Es vermaß die Straße und stellte fest, dass ein Amphibientunnel installiert werden könne, da die Abmessungen passten. Ich organisierte einen Ortstermin für den Bauausschuss, den Bürgermeister und das Amt für Straßenbau der Gemeinde, um einen Krötentunnel, der schon existierte zu besichtigen. Und ich fand jemanden, der ehrenamtlich unseren Amphibientunnel warten würde. Derart gut gerüstet stellte ich den 3. Antrag. Aber auch dieser wurde einstimmig abgelehnt.

Begründung: So eine Schutzanlage passe nicht an dieser Straße (Obwohl das Ingenieursbüro doch alles vermessen hatte). Krötenschutz sei dort nicht nötig, denn es gäbe ja schon immer Kröten dort, auch ohne Schutzmaßnahmen. Man habe eigentlich noch kaum überfahrene Kröten gesehen. (Ich begann dieses Projekt, weil ich 200 überfahrene Tiere gezählt hatte) Vor allem der Kammmolch, der auf der roten Liste steht, hat von den Schutzmaßnahmen sehr profitiert. Als ich den Bauausschuss fragte, was denn sei, wenn ich den Amphibienschutz nicht mehr machen könne/wolle, war allgemeines Achselzucken die Reaktion. Es war allen egal. Krötenschutz sei nicht nötig. Ich täte dies ja freiwillig. Zwischen den Zeilen war herauszuhören, dass ich wohl Langeweile hätte und das dies ein Luxusproblem sei. Fakt ist, der Bauausschuss will dort nicht reagieren, ganz egal wie gut die Argumente dafür auch sein sollten.

Aber das war nicht das einzige Frustrierende in der diesjährigen Wandersaison. Die letzten beiden Jahre waren extrem trocken und hatten den Krötenteich zum Austrocknen gebracht. Als er nur noch eine Pfütze war, haben die Graureiher den Rest erledigt. Man kann davon ausgehen, dass die letzten beiden Generationen Totalausfälle sind.

So starteten mein Team und ich schon mit einem miesen Gefühl in diese Saison. Aber es sollte noch schlimmer kommen. Im Winter wurde dort eine Menge Holz eingeschlagen. Die Buchen und Eichenstämme lagen nun dort überall herum. Kaum stand der Krötenzaun, liefen dort im sensiblen Gebiet täglich Menschen mit Kettensägen herum und zerkleinerten das Holz und transportierten es ab. Teilweise bauten sie dafür den Schutzzaun ab, fuhren mit Trecker und Anhänger in das Krötengebiet hinein und ließen den Zaun anschließend achtlos liegen.

Aber auch die Leute, die das Glasfaserkabel verlegten, fühlten sich von dem Zaun gestört und Anwohner haben ebenfalls den Zaun teilweise abgebaut und liegen gelassen, warum? Ich weiß es nicht. Ich denke sie wollten den Glasfaserleuten helfen um schneller ihre Anschlüsse zu bekommen.

Ich frage mich ernsthaft, was ist mit der Menschheit los? Wie kann ein 40 cm hoher Zaun, der im Frühjahr 4 – 6 Wochen steht so störend sein? Das Holz hätte man auch danach noch heraus holen können. Jetzt ist ja keine Heizperiode. Aber leider sind die meisten Leute egoistisch und rücksichtslos.

 

zerstörter Krötenzaun
(c) Gudrun Kaspareit

Hier hat eine Anwohnerin den Krötenzaun eigenmächtig den Krötenzaun zurück gebaut

zerstörter Krötenzaun
(c) Gudrun Kaspareit

Hier haben Holzarbeiter den Zaun einfach platt gefahren

Kommentare: 1
  • #1

    Eva Schmelzer (Dienstag, 16 Juni 2020 19:18)

    Herrgott, Gudrun, ist das frustierend und traurig. Du tust mir so leid, dasselbe gilt für Deine Mitstreiter und natürlich die Tiere. Das Verhalten der Gemeinde und auch einiger Anwohner ist unbegreiflich, denn es geht ja nun auch zusätzlich um eine Bedrohung der Tiere wegen der Trockenheit der letzten Jahre. Viele kleinere Tümpel, die in "normalen" Jahren bis in den Sommer Wasser führen sind bereits vorzeitig komplett ausgetrocknet oder es sind nur noch kleine Restpfützen vorhanden. Für viele Fressfeinde wie Vögel oder Kleinsäuger werden sie somit zur leichten Beute, wie Du ja auch geschrieben hast. Du hast so gekämpft und bist überall enttäuscht worden. Ich weiß genau, was Du meinst, wenn Du sagst „Zwischen den Zeilen war herauszuhören, dass ich wohl Langeweile hätte und das dies ein Luxusproblem sei.“ Das ist leider in allen Bereichen des Natur- und Klimaschutzes immer wieder zu spüren. Die Streiter werden als Spinner belächelt, die keine anderen Sorgen haben. Ich bin eigentlich ein recht friedliebender Mensch, aber beim Lesen Deines Berichtes kam Wut und sogar Hass in mir auf.