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Die Eröffnungs-Show der Olympiade in Rio

Text: Gudrun Kaspareit

Fotos: Harry Howorka

16.08.2016

Tomatenfrosch
(c) Harry Howorka Tomatenfrosch

 

Wer die Eröffnungsfeier der Olympiade in Rio verfolgt hat, dem ist nicht entgangen, dass Brasilien großen Wert auf ein grünes Image gelegt hat ( leider erst nachdem es die Betriebserlaubnis für den Belo Monte Damm erteilt hat) Aber nun will es uns überzeugen, seinen kostbaren Wald schützen zu wollen.

Brasilien setzt auf die Farbe grün. Und tatsächlich hat die Umweltbehörde IBAMA dem Megastaudamm Projekt am Sao Luiz endgültig die Genehmigung verweigert. Das ist ein riesen Erfolg der Munduruku. Die Munduruku sind ein indigener Volksstamm im Amazonas Gebiet. Seit Jahren haben sie um ihren artenreichen Regenwald und ihren Lebensraum gekämpft. Jahrelang haben Brasiliens Behörden die Landrechte der Munduruku und die Warnungen von Umweltschützern ignoriert. Doch nun hat die IBAMA die Genehmigung endgültig versagt. Menschen in Brasilien und Menschen weltweit haben die Munduruku in ihrem Kampf unterstützt.

Der Megastaudamm São-Luiz-do-Tapajós im Herzen des brasilianischen Amazonasgebietes kommt nicht. Ein Riesenerfolg für den Schutz des Regenwaldes – und für die Heimat der Munduruku.

Der Stausee hätte das Stammesgebiet der Munduruku überflutet, hunderte bedrohte Tier- und Pflanzenarten wären vernichtet worden. Das Tapajós-Tal zählt zu den artenreichsten Regionen der Erde und ist nicht nur die Heimat der Munduruku, sondern auch Lebensraum von Jaguar, Flussdelfin und Seekuh sowie seltenen Fisch- und Vogelarten.

Die deutsche Firma Siemens hatte sich dort engagiert, doch nun ist das Geschäft geplatzt. Ob Siemens künftig seine Glaubwürdigkeit behält und seinen eigenen Nachhaltigkeitsansprüchen gerecht wird, muss sich auch daran messen lassen, ob Siemens aus allen anderen Projekten aussteigt, die zerstörerisch und nicht nachhaltig für die Umwelt sind.

So schön der Sieg der Munduruku ist, die Gefahr ist noch lange nicht gebannt, denn ursprünglich ist ein System aus 40 Staudämmen in dem Gebiet geplant. Nach wie vor ist das Herz des Amazonas bedroht. Nun wird sich zeigen, wie ernst es Brasilien mit seinem Waldschutz ist, oder ob die Show zur Eröffnung der Olympiade nur ein Lippenbekenntnis war.

Ara
(c) Harry Howorka Ara
Kommentare: 2
  • #2

    Eva Schmelzer (Sonntag, 04 September 2016 13:38)

    Die Brasilianer scheinen in der Tat Wert auf ein grünes Image zu legen. Aber leider werden Umwelt-, Tierschutz und Menschenrechte wenig beachtet, wenn ein Land wirtschaftliche Probleme hat. Ich fürchte nun, dass die Versprechen für die Zukunft zwar keine vorsätzlichen Lippenbekenntnisse waren, dass aber die neue (seit Ende August) liberal-konservative Regierung als Priorität die Senkung oder zumindest den Stopp der bis dato immer weiter gestiegenen Lebenshaltungskosten sieht und vor allem auch die gesunkene Wirtschaftsleistung wieder ankurbeln will. Das ist das, was die Bevölkerung in erster Linie interessiert – was ja bis zum gewissen Grad auch verständlich ist. Wem es schlecht geht, für den ist Umweltschutz ein Luxus-Problem. Und wenn es wirklich aufwärts gehen sollte bis zur nächsten Wahl 2018, wird die jetzt neu eingesetzte Regierung, die nicht sonderlich berühmt ist für den Umweltschutz einzustehen, auch wieder gewählt werden. Erst wenn es aufwärts gegangen ist im Land und eine Weile so bleibt, wird man sich wieder der Einhaltung der Menschenrechte und dem Naturschutz zuwenden.
    Ich wünsche mir, dass ich mit dieser Einschätzung total falsch liege!

  • #1

    Erika (Donnerstag, 01 September 2016 08:50)

    Eine gruene Farbe allein ist noch kein Zeichen totaler Absage gegen 39 weiter geplante Staudaemme. Das aber wird nun weltweit beobachtet und, wahrscheinlich brauchen wir viele Petitionen, um jeden einzeln versuchten Plan zum Scheitern zu bringen. Das soll gern geschehen, Der Erfolg fuer die Mundurukus war so entscheidend .Diesen Erfolg sollen sie erst einmal nur geniessen. Ihr brasianisches Schicksal beunruhigt von nun an die ganze Welt.