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Vogelfang auf Zypern

Text: Gudrun Kaspareit

11. 06. 2014

Rotkehlchen
Rudolpho Duba_pixelio.de

 

Rund um den Mittelmeerraum hat das Fangen von Zugvögeln eine lange Tradition. Experten zufolge werden dort jährlich mehr als 200 Millionen Vögel getötet.

Exemplarisch möchte ich das Problem am Beispiel Zypern schildern. Nirgendwo werden mehr Vögel getötet, als dort.

An die 4000 Wilderer treiben mit Netzen und Leimruten (mit Kleber präparierte Zweige) auf der Insel ihr Unwesen. Lautsprecher mit Vogelgesang locken die Tiere an. Mariniert und gebraten werden sie als Delikatesse in den Restaurants verkauft, wenn sie auch nicht offen auf der Karte stehen. 150 Vogelarten sind betroffen, auch solche, die vom Aussterben bedroht sind.

Seit dem EU Beitritt Zyperns 2004 ist die Wilderei um 80% angestiegen und nimmt besorgniserregende Ausmaße an. Es gibt inzwischen mafiöse Strukturen, bewaffnet und maskiert kontrollieren sie die Fanggebiete. Im Restaurant kostet eine solche Mahlzeit zwischen 40,- und 80,- Euro. Ca. 15 Millionen Euro werden mit illegalem Handel umgesetzt. Der britische Prinz Charles spricht von Vogelmord industriellen Ausmaßes. Die zyprische Regierung und die britischen Militärbasen schieben sich gegenseitig die Schuld zu, doch solange damit so viel Geld zu verdienen ist, ändert sich an den Zuständen nichts. Es gibt Gesetzte gegen den illegalen Vogelfang mit empfindlichen Strafen, doch die Umsetzung wird sehr lax gehandhabt und schreckt niemanden wirklich ab. Offenbar haben die Vogeljäger Unterstützer weit oben.

Ich verstehe nicht, was das für Menschen sind, die bis zu 80,- Euro für einen Spieß mit Rotkehlchen zahlen?

 

 

Wenn Ihr helfen wollt, könnt Ihr Euch hier informieren und engagieren:

http://www.komitee.de/

 

Kommentare: 1
  • #1

    Eva Schmelzer (Dienstag, 01 Juli 2014 17:17)

    Natürlich muss es gegen solche Scheußlichkeit zunächst einmal Gesetze geben, die sie verbieten. Aber wenn sie nur auf dem Papier existieren? Das Schlimme ist, dass mafiöse Strukturen dahinter stecken, die Geld damit verdienen, da drücken Polizei und Staat gern beide Augen zu, und Umweltschützer kriegen das Problem allein nicht in den Griff, begeben sich zudem möglicherweise in Gefahr.
    Ich hatte gehofft, dass durch die Europäische Gemeinschaft solche Probleme abnehmen. Aber wie wir auch an anderen Beispielen sehen (Streunertiere in Süd- und Südosteuropa) ist das nicht so. Bleibt nur die Hoffnung auf eine bessere Zukunft.
    Mir wird immer das Herz schwer im Spätsommer und Herbst, wenn ich sehe, wie sich die Vögel sammeln, um ihre Reise in den Süden anzutreten.