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American Indian Movement

Flag of the American Indian Movement.svg
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Das American Indian Movement (englischfür amerikanische indianische Bewegungbeziehungsweise Amerikanische Indianerbewegung), abgekürzt AIM, ist eine seit 1968 bestehende indianischeOrganisation in den USA. Das AIM rekrutiert sich hauptsächlich aus Aktivisten außerhalb der klassischen Reservate und setzt sich sowohl gegen Korruption und Machtmissbrauch der traditionellen indianischen Reservatsführungen wie für eine Revision der Indianerpolitik der Vereinigten Staaten ein.

Zwischen Ende der 1960er und Mitte der 1970er Jahre geriet das AIM wegen auch militanter Widerstandsaktionen in die Schlagzeilen und erreichte die Aufmerksamkeit einer auch internationalen Öffentlichkeit.

Gründung und frühe Aktivitäten: Ende 1960er bis Mitte 1970er Jahre

AIM wurde 1968 in Minneapolis von den Brüdern Vernon und Clyde Bellecourt sowie von Dennis Banks und anderen gegründet. Banks und die Gebrüder Bellecourt waren Fürsprecher der Indianer in Minneapolis / St. Paul. An der Gründung waren circa 250 Mitglieder, meist Anishinabe-Indianer beteiligt (auch unter dem Namen Ojibwa- oder Chippewa-Indianer bekannt), die zuerst für den Namen Concerned Indians of America (CIA) stimmten. CIA wurde aber kurz darauf in AIM umbenannt. Die Übereinstimmung der Abkürzung mit der des bekanntesten US-amerikanischen Geheimdienstes war den meisten offensichtlich doch zu unangemessen.

 

Minneapolis und St. Paul hatten, anders als viele andere US-amerikanische Großstädte, einen relativ großen indianischen Bevölkerungsanteil. Schnell gab es AIM-Gruppen auch in Cleveland, dort von Russell Means gegründet, und in weiteren Städten. Die Bewegung war zunächst aus dem städtischem Umfeld entstanden, wo es sich für die zumeist in Ghettos lebenden benachteiligten Indianer einsetzte und etwas gegen Wohnungsnot, Arbeitslosigkeit, den Alkoholismus und zur Gewährleistung der gesundheitlichen Versorgung unternahm. AIM organisierte Straßenpatrouillen zum Schutz gegen als willkürlich und rassistisch empfundene Übergriffe der Polizei.

 

Das AIM hatte zuerst keine wesentliche Verbindung zu den von den meisten Indianern bewohnten Reservaten, aber seine Reputation wuchs in den frühen 1970er Jahren auch dort rasch.

 

Ziele des AIM waren unter anderem die Wiederbelebung kultureller Werte der indianischen Stämme und mehr Selbstbestimmung bis hin zu einem autonomen Status in den Reservaten. Damit protestierte die Organisation auch gegen die jahrzehntelange Unterdrückung der indianischen Religionen und Kulturen seit ihrer militärischen Unterwerfung Ende des 19. Jahrhunderts durch die USA, insbesondere durch die Politik des Bureau of Indian Affairs (BIA), die dem US-Innenministerium unterstellte staatliche Behörde für Indianerangelegenheiten.

 

Zur Förderung des indianischen Selbstbewusstseins wurden neben weiteren Selbsthilfeprojekten wie der Gründung eines Rechtshilfezentrums, Initiativen von Ausbildungs- und Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen für Indianer auch so genannte Survival schools (deutsch: Überlebensschulen) gegründet, in denen indianischen Kindern neben den kulturellen Werten ihrer Stämme auch ihre ursprüngliche Stammessprache vermittelt wurde. Diese Maßnahmen bezweckten die Überwindung der als repressiv empfundenen lange Zeit üblichen zwangsweisen Assimilation durch die US-Behörden. Mit der Gründung verschiedener Zeitschriften, darunter als eine der Verbreitetsten die Akwesasne Notes versuchte das AIM, ihre Forderungen und Inhalte einer breiteren indianischen und nicht-indianischen Öffentlichkeit zu vermitteln.

 

1974 waren AIM-Aktivisten auch beteiligt an der Gründung des International Indian Treaty Council (IITC) als Interessenvertretung der indigenen Völker Nord-, Mittel- und Südamerikas. Der IITC erhielt den Status einer nichtstaatlichen Organisation (Non Governmental Organization = NGO) mit Akkreditierung bei den Vereinten Nationen (UNO) in Genf ab 1977.

1970 stieß neben anderen John Trudell zu AIM. Trudell hatte an der 19 Monate dauernden Besetzung der ehemaligen US-amerikanischen Gefängnisinsel Alcatraz 1969/1970 durch die Indians of All Tribes (deutsch: Indianer aller Stämme) teilgenommen. Die Indians of all tribes war eine Gruppe von jungen Indianern unterschiedlicher Herkunft, deren Zusammensetzung während der Besetzung stark variiert hatte. Trudell wurde 1973 Vorsitzender des AIM und war bis 1979/1980 in dieser Funktion.

Protestaktionen, Kriminalisierung, Abkehr von der Militanz: 1970er Jahre bis Gegenwart

 

Erste größere Protestaktionen des AIM umfassten die Besetzung der Alcatraz-Insel 1968 und Demonstrationen gegen das Mount Rushmore National Memorial 1970.

 

1972 veranstaltete AIM nach dem Vorbild des Marsch auf Washington durch die Bürgerrechtsbewegung der Afroamerikaner den Trail of Broken Treaties (deutsch: Pfad der gebrochenen Verträge; angelehnt an den berüchtigten Zwangsmarsch der Indianer, den "Pfad der Tränen", im Jahre 1833), um an die vielen vergangenen Vereinbarungen zwischen Indianern und US-amerikanischen Unterhändlern zu erinnern, die von amerikanischer Seite später ignoriert worden waren. Als der Konvoi mit den Demonstrierenden in Washington D.C. ankam, gab es entgegen der Pläne keine Plätze zum Übernachten. Daraufhin kam es zu Tumulten und Demonstrierende besetzten das Verwaltungsgebäude des dem US-Innenministerium unterstellten Bureau of Indian Affairs (deutsch: Büro/Amt für Indianerangelegenheiten) (BIA) in Washington D.C. und erklärten es zur Botschaft der amerikanischen Ureinwohner (englisch: Native American Embassy).

 

Während der Besetzung verschwand eine Vielzahl von Unterlagen, die Verträge, Stiftungen, Wasser- und Grundrechte verbrieften, im Gebäude. Die mitgenommen Unterlagen wurden an einen Journalisten weitergegeben und gelangten später über das FBI zurück in den Regierungsbesitz. Neben den mitgenommen Dokumenten wurden auch mehrere Dokumente während der Besetzung zerstört und nach Regierungsangaben kam es zu höherer Sachbeschädigung was vom Leiter der Demonstration, Hank Adams, scharf kritisiert wurde. Die gegenüber der Nixon-Regierung 20 vorgebrachten Punkte des Marsches wurden von dieser abgelehnt.

 

Die spektakulärste Aktion von AIM war die Besetzung des Dorfes Wounded Knee im Pine-Ridge-Reservat 1973. Das Reservat ist einer der ärmsten Orte der USA, aber vor allem ein wichtiges Symbol. Am 29. Dezember 1890 waren dort 200 bis 300 wehrlose Lakota (Sioux)-Indianer von Soldaten massakriert worden. Im Februar 1973 suchte das AIM die Auseinandersetzung mit dem gewählten, aber korrupten Stammesführer Dick Wilson und seiner bewaffneten Schutzgruppe, die Guardians of the Oglala Nation (bekannt als GOONs). Ziel war es eine bundesstaatliche Untersuchung der Zustände im Reservat und gebrochene Verträge mit den Indianern zu erzwingen. Rund 200 AIM-Mitglieder verschanzten sich mit 11 Geiseln aus Wilsons Umfeld nach einem missglückten Amtsenthebungsverfahren gegen Wilson in Wounded Knee, belagert von FBI (der Bundespolizei der USA) und Nationalgarde. AIM-Mitglieder riefen die unabhängige Oglala-Nation aus, musste aber die Besetzung nach 71 Tagen aufgeben. Es war zuvor bereits zu gewalttätigen Auseinandersetzungen gekommen, die zum Tod von zwei AIM-Mitgliedern und der schweren Verletzung eines FBI-Agenten führten.

Stop the Terror at Pine Ridge; Artikel aus der Untergrundzeitschrift Osawatomie , einem Organ der Weather Underground Organization zur Solidarität mit den angeklagten AIM-Mitgliedern, zwei Jahre nach der Besetzung von Wounded Knee

Die Regierung sagte den Verhandlungsführern des AIM, Russell Means und Leonard Crow Dog eine Untersuchungskommission zu den Zuständen des Reservats und dem Verhalten von Dick Wilson zu. Diese Zusagen wurden aber am Ende nicht umgesetzt. Wilson blieb im Amt, ein Versuch ihn abzusetzen schlug fehl. Russell Means und Dennis Banks, gegen die die Staatsanwaltschaft als Rädelsführer hohe Haftstrafen gefordert hatte, wurden im September 1973 aufgrund des gesetzeswidrigen Umgangs der US-Regierung mit Zeugen und Beweisen freigesprochen. Einige Beteiligte wurden zu Haftstrafen verurteilt.

Ein prominenter nichtindianischer Fürsprecher und Unterstützer des AIM war der US-amerikanische Filmschauspieler Marlon Brando. Er verweigerte 1973 die Annahme des Oscar, der ihm für die Verkörperung der Hauptrolle im Film „Der Pate“ verliehen werden sollte. An seiner Stelle verlas die Apachin Sacheen Littlefeather bei der Oscar-Preisverleihung Brandos Solidaritätserklärung mit den Indianern und seine Begründung für die Nichtannahme des Filmpreises. Marlon Brando übte auch später aktive Solidarität mit dem AIM. Unter anderem verhalf er wegen ihrer Beteiligung an der Wounded Knee-Besetzung polizeilich verfolgten AIM-Aktivisten wie zum Beispiel Dennis Banks zum Untertauchen beziehungsweise gewährte ihnen Unterschlupf.

Im Verlaufe der 1970 kam es zu weiteren Konfrontationen zwischen AIM-Mitgliedern und dem FBI im Pine-Ridge-Reservat mit mehreren Todesopfern.

Leonard Peltier wurde 1975, zwei Jahre nach den Ereignissen in Wounded Knee, der Mord an zwei Polizisten, ebenfalls im Pine Ridge-Reservat, vorgeworfen, wofür er 1977 zu zwei Mal lebenslänglicher Freiheitsstrafe verurteilt wurde. Andere Beteiligte an der Schießerei wurden freigesprochen, Peltier ist bis heute eingesperrt. Für das AIM und dessen vielen Anhänger und Sympathisanten weltweit gilt er als politischer Gefangener und die Symbolfigur des indianischen Widerstandes der Gegenwart. Verschiedene Kampagnen und juristische Versuche blieben erfolglos.

Durch die juristischen Auseinandersetzungen, internen Zwistigkeiten über weitere Vorgehensweisen und den Umgang mit staatlichen Spitzeln in der Bewegung kam es zur weiteren Schwächung des AIM. 1978 demonstrierte der AIM mit dem USA-weit organisierten „Longest Walk“ (deutsch: Längster Marsch) gegen die von der US-Regierung geplante Aufhebung der Landrechtsverträge. 1998 kam es wieder zu einer aufsehenerregenden Aktion des AIM, die zuerst Parallelen zu Wounded Knee 1973 aufzuweisen schien. Dieses Mal ging das AIM gegen die Stammesregierung des San-Carlos-Reservats von Apachen in Arizona vor.

Aber bereits seit Wounded Knee war der Höhepunkt der AIM-Popularität überschritten. Es kam intern zu erheblichen Konflikten, auch weil die Führung des AIM als autoritär und zentralistisch empfunden wurde und der AIM sich nur begrenzt in den Reservaten etablieren konnte. Einer der Schwerpunkte der mittlerweile stärker regional organisierten AIM-Gruppen ist die indianische Bildungsarbeit geblieben.

(Wikipedia)

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