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Conny und der Nürburgring

Text und Foto: Conrad Franz

26.07.2015

An solchen Stellen führt das Autorennen vorbei, hier gibt es noch den Schwarzstorch und am Bach den Eisvogel. Ein kleiner Weg wo sonst Wanderer laufen und mal ein Traktor fährt.

(c) Conrad Franz
(c) Conrad Franz

Die Eifel ist zu meiner zweiten Heimat geworden, ich wohne gerne hier – warum?
Dieser von der Infrastruktur in Teilen etwas zurück gebliebene und dünn besiedelte Landstrich, nahe der belgischen Grenze ist ein kleines Naturparadies! Hier kann man noch Schwarzstörche, Uhus, Mittelspechte, Milane in größerer Anzahl, Neuntöter, Eisvögel, Bachamseln, sogar Flussregenpfeifer und Waldwasserläufer beobachten. Darüber hinaus sind viele Bodenbrüter wie Feldlerchen und unterschiedliche Grasmückenarten und Goldammern zu Hause. Es gibt auch noch ab und zu seltene Insekten und natürlich Fledermäuse und Amphibien zu sehen.
An Säugetieren gibt es Füchse und alle Marderartigen, Dachs, Baummarder, Wiesel und sogar Iltis Dazu Rehe, Muffel- und Rotwild.
An geeigneten Stellen hauptsächlich in der Südeifel bzw. Vulkaneifel findet man so ziemlich alle Tiere, die anderswo selten geworden sind!
Seit Jahren beobachte ich in allen Bereichen starke Rückgänge – da fehlt erst der Kuckuck - komischerweise fällt das niemandem auf, dann sind es starke Einbrüche bei den Schwalben. Die Mehlschwalbe ist stark zurück gegangen. Baumfalken sind zur Seltenheit geworden.
Durch die starke Bebauung unserer Höhen durch Windkraftanlagen wird es nur eine Frage der Zeit sein bis auch die Kraniche im Frühjahr und Herbst ausbleiben oder sich andere Wege suchen.
Es sind diese Rufe, die uns Menschen anzeigen, wann diese Wechsel der Jahreszeiten in der Natur sind. Sie haben diese Mischung von Fernweh, Erbauung und auch etwas von Melancholie. Viele Menschen haben sich daran erfreut.
Auch die Menschen sind noch sehr natürlich in ihren Empfindungen und leben noch mit und von der Natur. Sie suchen Pilze oder Waldbeeren und haben ihre eigenen Gärten.
In dieser waldreichen Gegend, in der sogenannten Vulkaneifel gibt es jedes Jahr ein Treffen von Rennsportbegeisterten aus ganz Europa. An und für sich schon mal ein Novum so etwas in diese sonst so Natur belassene Landschaft gebaut zu haben – der Nürburgring!
Der Nürburgring ist heute die längste permanente Rennstrecke der Welt ungefähr 26 km lang.
Jetzt müsste man meinen, gut jetzt ist er dort und man kann es halt nicht ändern, es sind ja auch „Arbeitsplätze“ damit verbunden und die Bevölkerung vor Ort ist froh!
Jetzt komme ich aber zu einem Punkt, der mir befremdlich ist!
Nur 10 km weiter zwischen der Gemeinde Borler, Bodenbach und Daun werden jedes Jahr auf den normalen öffentlichen Straßen Autorennen veranstaltet. Zu dieser Zeit sind die Straßen gesperrt und niemand kann rein oder raus. Damit die Bevölkerung das akzeptiert werden großzügig Freikarten vergeben, oft vor ihrem eigenen Haus. Mit großer Aufmachung und 800 freiwilligen Helfern aus den Gemeinden wird dafür wochenlang vorher geworben. Notärzte und Feuerwehr stehen bereit, um plötzliche Erkrankungen von Bewohnern versorgen zu können oder bei Unfällen Hilfe zu leisten.
Eine Anwohnerin hatte eine interessante Bemerkung eingeworfen: „Sie würde gerne wissen wollen, wie viele Freiwillige sich melden würden, um in Altenheimen auszuhelfen?“
Diese Strecke führt an den Wiesen und Habitaten des Schwarzstorchs und des Neuntöters vorbei. Man muss wissen, dass die Straßen oft so eng sind das manchmal nur ein Auto hindurch passt. Es ist alles noch recht klein und Straßenseiten sind nicht gesichert. Die Straßen an sich sind auch marode. Links und rechts der Straße steht oft viel Rehwild und es gibt viele Füchse. Dadurch das die Randstreifen nicht ausgebaut sind, sitzen viele Singvögel an den Grasstreifen und suchen sich die Körner und Samen, die durch den Fahrtwind an die Seite gesprüht wurden. Vornehmlich Distelfinken und andere Körnerfresser.
Warum nun meine ausführliche Beschreibung?
Vielleicht können sich einige vorstellen, wenn da Autos mit heulendem Motor, Gequietsche und brüllenden Auspuffanlagen durch so eine Gegend fahren, wie dann die Tierwelt reagiert! Es ist für mich unzeitgemäß solche Rennen zu veranstalten, noch dazu in der Nähe des Nürburgringes. Mal abgesehen davon wird es viele tote Tiere geben, da bin ich sicher.

Kommentare: 1
  • #1

    Eva Schmelzer (Sonntag, 02 August 2015 18:40)

    Wie einfühlsam und liebevoll dieser Teil der Eifel beschrieben wurde, es ist einfach schön, es zu lesen, auch wenn es Rückgänge einiger Arten gibt, scheint es ein Stückchen heile Welt geblieben zu sein. Bis zu dem Absatz "Jetzt komme ich aber zu einem Punkt, der mir befremdlich ist!" Ist der Nürburgring nicht schlimm genug? Es ist empörend und unverständlich! Ich hoffe, dass da ganz schnell eingegriffen wird. Wenn es nach mir ginge, braucht die Welt nirgendwo Autorennen - aber mit Sicherheit keine in einer solchen Gegend. Empörend!