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Amphibien sind durch Pilz bedroht

Text: Gudrun Kaspareit

Fotos: Andreas Koch

13.12.2015

Heute habe ich erfahren das bei den Feuersalamandern, bei denen wir im März/April einen Abstrich genommen hatten, schon einige positiv waren. Jetzt schlägt hier in der Nordeifel der Chytridpilz Batrachochytrium salamandrivorans (Bsal) voll zu. Diese Totfunde sind von dieser Woche alleine, aus drei Biotopen. Jetzt sind sie auf dem Weg zur Uni Trier.

Daher mein Aufruf, bei Todfunden die Tiere der unterer Landschaftsbehörden melden und dort abgeben mit dem Hinweis auf Chytridpilzuntersuchung. Erforderlich sind zwei Hautabstriche. Das tote Tier dann in Formaldehyd 5%Lösung einlegen.

Unsere Tiere sind heute zur Uni nach Trier gebracht worden, dort wird der A-Abstrich untersucht, in der Uni Braunschweig dann der B-Abstrich. Und soviel wie ich weiß geht das tote Tier nach Gent in Belgien zur Untersuchung.

(Andreas Koch)

Chytridpilz
(c) Andreas Koch Chytridpilz

vermutlich sind derzeit weltweit derzeit 30 - 50 % aller Amphibien unmittelbar vom Aussterben bedroht. Bis zu 170 Arten sind dem Parasiten bereits zum Opfer gefallen, weitere 1900 sind Schätzungen zufolge von der Ausrottung bedroht. Zehn Froscharten sterben nach Ansicht von Wissenschaftlern pro Jahr durch den Chytridpilz aus. Ein solches Massensterben gab es zuletzt bei den Dinosauriern vor über 60 Millionen Jahren.In Deutschland wurde der Pilz bei Feuersalamander, Geburtshelferkröte, und der Erdkröte gefunden.

Schon 1938 ist die Chytridpilz Infektion bei Fröschen nachgewiesen worden und zwar bei Krallenfröschen in Südafrika. Diese waren allerdings immun gegen den Pilz. Sie wurden als lebende Schwangerschaftstests missbraucht und als sog. Apothekerfrösche in die ganze Welt exportiert. So konnte sich der Chytridpilz ausbreiten. In den Tropen Südamerikas raffte der Pilz in kürzester Zeit ganze Populationen dahin. Deshalb gilt der Chytridpilz (Batrachochydrium dendrobatidis) als Mitverursacher des weltweiten Amphibiensterbens.

Auch in Europa (Spanien, Schweiz, Deutschland, Niederlande, Groß Britannien) wurde der Pilz im Freiland nachgewiesen. Vermutlich eingeschleppt durch exotische Amphibien aus Terrarienhaltung.

Der Pilz greift die Haut der Amphibien an, er ernährt sich vom Keratin der Hornschüppchen. Die Haut wird milchig, das Tier wirkt lethargisch und appetitlos. Der Frosch sitzt viel im Wasser und häutet sich häufig.

Die Haut ist für Amphibien ein besonders wichtiges Organ. Durch sie nehmen sie Flüssigkeit ebenso wie Mineralien auf, sie atmen sogar teilweise durch die Haut.

Ehrenamtliche Amphibienschützer haben große Sorge, dass sich durch die Fangeimer Methode der Pilz noch schneller ausbreiten kann. Ein voller Fangeimer ist eine gefürchtete Ansteckungsquelle. Wer sich also mit Amphibien beschäftigt, sollte grundsätzlich seine Gummistiefel und Gerätschaften desinfizieren. Als Öko-Desinfektionsmittel bietet sich Per-Essigsäure an. Die stinkt zwar, zerfällt aber umweltverträglich zu Essig.

In manchen Gegenden liegt die Sterberate bei 96%. Wissenschaftler schlagen deshalb vor, Zuchtstationen aufzubauen, um Frösche, Kröten, Salamander und Molche nachzuzüchten, quasi als Arche, um Habitate später wieder neu besiedeln zu können.

Derweil hat der Pilz inzwischen die isolierte Insel Madagaskar erreicht, was besonders schlimm ist, da es dort eine große Zahl ausschließlich dort vorkommender Amphibien gibt.

Aber nicht nur der Chytridpilz bedroht die weltweiten Bestände, auch Lebensraumverlust, durch Waldabholzung, Trockenlegung und Bebauung von Habitaten, der Einsatz von Agrachemikalien und zu hohe Nitratbelastung der Gewässer, sowie Klimatische Veränderungen.

Kontaktadressen, bei Fragen oder Funden:

Torsten Ohst, Museum für Naturkunde, Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung an der Humboldt-Universität zu Berlin, Invalidenstraße 43, 10115 Berlin, Tel. 030-2093-8728 oder torsten.ohst@museum.hu-berlin.de

 

Frank Mutschmann, Exomed – Institut für veterinärmedizinische Betreuung niederer Wirbeltiere und Exoten, Erich-Kurz-Straße 7, 10319 Berlin, Tel. 030-51067701 oder labor@exomed.de

Geburtshelferkröte
(c) Andreas Koch Geburtshelferkröte

Geburtshelferkröten Männchen mit Laichpaket an den Hinterbeinen. Beim Laich kann man schon die Augen der Kaulquappen erkennen.

Geburtshelferkröte
(c) Andreas Koch Geburtshelferkröte
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