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Unser täglich Brot

Text: Marion Hartmann

Scherenschnitt: Erika Bulow-Osborne

Foto: Andreas Schmelz

30. 07. 2014.

Andreas Schmelz
Andreas Schmelz

"Wohl Keime wecken mag der Regen, der in die Scholle niederbricht,

doch golden Korn und Erntesegen, reift nur heran bei Sonnenlicht."

(Theodor Fontane)

 

Das Getreide
Getreide ist seit Jahrtausenden das Hauptnahrungsmittel für Menschen und Haustiere.
In den steinzeiltlichen Ackebaukulturen waren es die frühen Getreidesorten Einkorn, Emmer und Gerste, welche die Nahrungsgrundlagen bildeten.
Schon vor 10 000 Jahren begann der Mensch systematisch, Getreide anzubauen und jede Hochkultur, die sich im Laufe der Zeit herausbildete, besaß ihren ganz eigenen, an die jeweilige Region angepassten Getreideanbau.
Da hatte man die Reiskultur Asiens, die Maiskultur Amerikas, die Hirsekultur Afrikas, die Weizenkultur der Römer und die Gersten- und Roggenkultur der nordischen Völker.
Waren es anfänglich Mahlsteine und Mörser, mit deren Hilfe Getreide zu Mehl verwandelt wurde, so kamen später die handgetriebenen Drehmühlen hinzu.
Wenn wir an das allen bekannte Bild des mehlbestäubten, zipfelmützentragenden Müller erinnern, dann sehen wir auch gleich im Inneren die alten Windmühlen.
Windmühlen waren damals neben den Wassermühlen die einzigen Kraftmaschinen und entsprechend vielseitig war ihre Verwendung.

 

Insbesondere war es Wilhelm Busch, der die schwere Arbeit des Müllers mit Humor ummantelte und entsprechend lustige Zeichungen und Verse verfasste.

Wihelm Busch
Aus der Mitte schaut der Müller,
Der so gerne mahlen will,
Stiller wird die Welt und stiller,
Denn die Mühle steht still!

"So gehts immer -. wie ich finde",
Rief der Müller voller Zorn,
"Hat man Korn, so fehlts am Winde,
Hat man Wind, dann fehlt das Korn!"

 

Was wir heute auf unseren Feldern haben, ist längst nur noch manipuliertes Gras.., keine natürliche Pflanze mehr.
Auf der Suche nach Resistenz des Korns gegen Krankheiten, Schädlinge, Klmaschwankungen und nach immer höherem Ertrag wurden die Kulturpflanzen immer wieder beeinflusst.
Der heutige Bauer kann nicht mehr anbauen, was er selbst will und für richtig hält,..das in Hannover ansässige Bundessortenamt bestimmt, welche Getreidesorten für den Anbau zugelassen sind.
Was nicht im Sortenregister steht, darf nicht zur Anwendung kommen.
Reduzierte Sortenvielfalt ist die Folge der modernen Saatzucht.
Die Landwirtschaftsindustrie hat sich auf diese einschlägigen Sorten längst eingestellt. Für jede einzelne Getreidesorte gibt es Fungizide, Insektizide sowie weitere spezialisierte Schädlingsbekämpfungsmittel. Genauso ist es mit dem Dünger: jede Sorte hat ihren ganz eignen Düngerschlüssel. Doch die normalen natürlichen Bedrohungen der riesigen Monokulturen führen bei mangelnder Biodiversität zu kaum kontrollierbaren Schadensbilanzen. Denn der Befall von spezialisierten Schädlingen, Pilzen oder Krankheiten findet seinen idealen Nährraum gleich großflächig vor.

Dem gegenüber steht die biologisch- dynamische Landwirtschaft, namentlich ins Leben gerufen von Dr. Rudolf Steiner, dem es um die 1920-iger Jahre ein großes Anliegen war, der sich schon abzeichenden landwirtschaftlichen Entwicklung entgegenzustehen.

 

Landwirte, Gutsbesitzer und Nahrungsmittelverarbeiter beschwerten sich schon damals, daß die Vitalität und insbesondere beim Gertreide stark nachgelassen hätte.
Der enge Weggefährte Rudolf Steiners - Erhard Bartsch - erprobte die biologisch- dynamische Landwirtschaft
auf dem Brandenburger Hof Marienhöhe, der sich zu einem Musterhof und Zentrum unter dem geschützten Markenzeichen DEMETER entwickelte und bis heute Bestand hat.

 

Aus den Hoffnungen eines kleinen Kreises von Anthroposophen hinbezüglich eines neuen und gesunden Landbaus wurde eine beachtliche Strömung.
Der Name DEMETER wurde von der griechischen Mutter- und Fruchbarkeitsgöttin abgeleitet.

 

Die Mißachtung der Idee des landwirtschaftlichen Organismus im Ganzen als eine höchst lebendige Sache der Gemeinschaft von Feldwirtschaft, Obstwirtschaft und Tierhaltung führte zu einer dauerhaften Schädigung sämtlicher natürlicher Prozesse.

Der Agrarwissenschaftler Albrecht Thaer gründete 1802 in Celle das erste Landwirtschaftliche Institut (heute: Thaers Garten).
Dort erzielte er mit seiner Fruchtwechselwirtschaft größte Erträge.
Im selben Jahr wurde ihm das Gut Möglin übertragen als erste deutsche, landwirtschaftliche Akademie.

Wir haben auch die ganze Seelenwelt Vincent van Goghs in seinem letzten Gemälde kurz vor seinem Freitod - Das Kornfeld!
Ein Wahrzeichen seiner übergroßen Naturliebe!

Dass allein die Liebe zur Schöpfung den richtigen Weg weise und nichts anderes, das muß uns die grösste Losung sein auf dem Weg in eine neue Zukunft.
Dass wir uns der Dinge in allen Zusammenhängen bewusst werden, das ist die Forderung, die dem Menschen heute auferlegt ist.
Es genügt nicht, nur biologisch zu essen

Ich bedanke mich herzlichst für das mir zur Verfügung gestellte, wunderschöne Foto von Andreas Schmelz!


Kornrade und Buchweizen von Erika Bulow-Osborne

Das Mutterkorn
Bis ins 20. Jahrhundert hat es immer wieder schwere Massenvergiftungen durch den Verzehr von mit Mutterkörnern verseuchtem Getreide gegeben.
Mutterkorn wächst vorwiegend in Roggenähren und wird durch einen Schlauchpilz hervorgerufen und besonders dann, wenn es zur Blütezeit viel regnet.
Die schwarzen Körner enthalten 30 sehr giftige Alkaloide, die zum Tod führen können.
Im Mittelalter wußte man das noch nicht, Menschen verzehrten es ahnungslos mit Brot und anderen Nahrungsmitteln und erlitten schwere Vergiftungen.
War das sogenannte Antoniusfeuer ausgebrochen, folgte ein qualvolles Siechtum.
Vom 9. bis zum 16. Jahrhundert war das Getreide so mit Mutterkorn verseucht, daß es zu Massenerkrankungen kam.
Im Jahre 922 sollen in Frankreich und Spanien 40 000 Menschen einer Mutterkorn- Epidemie zum Opfer gefallen sein.
Hier sei verwiesen auf den Isenheimer Altar, welcher an die Epidemien durch Mutterkorn erinnert.

Das Mutterkorn erhielt seinen Namen durch die Verwendung als wehenverstärkendes Mittel bei Geburten im Mittelalter.
Heute scheint die Gefahr längst gebannt durch Züchtung anderer Roggensorten und Möglichkeiten der sicheren Getreidereinigung.

Purpurbrauner Mutterkornpilz Scherenschnitt Erika Bulow-Osborne
Purpurbrauner Mutterkornpilz Scherenschnitt Erika Bulow-Osborne

Kornfeld im Juni

(Dr Bernhard Adamy)

 

Es wird nun aus sich selbst ein Teil von Dir -

in schwebenden Bewegungen gesehen:

Es steht bewegt - bewegt sich, um zu stehen -

der Wind, von hier nach dort, von dort nach hier

bespielt in leichtem Aufundniedergehen

ein Meer der Halme, und sein weiches Wehen,

 

das nahe ist und in der Ferne liegt,

erhebt sich und versinkt in silberhellen

lichtblauen strömenden lichtgrünen Wellen,

die eine sanfte Kraft durchhaucht und biegt,

 

die Kraft der Stille, deren Gleichmut dich

berührt und dich verweilen lässt zu spüren,

wie tausend Ähren raschelnd sich berühren,

und wie in lauer Luft sich sommerlich.

 

Mohn und Kamille mischen und verbreiten,

zugleich bewegt in den bewegten Weiten

des Kornfelds, - hier und dort - und dort und hier, -

ein schwankendes Gefild nach allen Seiten,

in Wind und Licht, die es zur Reife leiten.

Und sieh: Sein mildes Bild reift auch in Dir.

Kommentare: 2
  • #2

    Eva Schmelzer (Mittwoch, 06 August 2014 17:51)

    Da muss ich Erika recht geben! Marion versteht es wirklich, einen mit einer eigentlich ganz alltäglichen Pflanze in den Bann zu ziehen, weil so viele Aspekte beschrieben werden.
    Dieser Beitrag hat mich sehr an meine Kindheit erinnert, wenn ich mit meinem Vater unterwegs war, der eine ähnliche Gabe hatte, mir die Natur über die reinen Fakten hinaus spannend zu erklären. Und auch Erikas Illustrations-Beiträge sind irgendwie ein Stück Kindheitserinnerung. Danke Euch beiden.

  • #1

    Erika (Donnerstag, 31 Juli 2014 19:02)


    Jedes Thema, welches Marion untersucht, wird von allen Seiten genauestens beleuchtet. So auch beim Getreide. Man sollte den nicht genannten Herren und Damen von Googles Wikipedia danken fuer die wichtigen Grundlagen in den Artikeln. Wenn man diese genau liest und Marion begleitet, braucht man zwar Zeit, aber es lohnt sich.
    Das Beste sind Marions persoenliche Erfahrungen, welche beweisen, wie sehr sie in der Materie steckt, die sie beschreibt. Biodiversitaet. Alles was Biologisch-Dynamische Landwirtschaft betrifft und mit Dr. Rudolf Steiners Ideen zur Regeneration des Bodens zusammenhaengt, sind ihr eine Herzenssache.
    Oekonomierat Herr Alfons Piatti mit seinem fast einstuendigen Vortrag ueber Erfahrungen mit Steiners Vorschlaegen, war aus Dialekt-Gruenden fuer mich nicht so leicht zu verstehen. Vom Johannes-Evangelium, ueber Kain und Abel, Zitate von Steiner ueber Geist, Materie und notwendige Demut herkommend, erlaeuterte er Steiners 'Fusswaschung', bis zu den Problemen der Landwirtschaft, der Getreidezukunftsforschung mit noetiger Unkrautbekaempfung und Fragen der Tierzuechtung.
    Da heute noch eine Vergiftung durch Mutterkorn moeglich waere, halte ich den Hinweis auf die Gefahren fuer sehr berechtigt, denn gerade Bio-Anbau auf kleinem Gebiet,ohne moderne Hilfen, koennte zu begrenzter Vergiftung fuehren. Sehr wichtig ist der Mutterkorn-Hinweis in Gruenewalds “Isenheimer Altar”.