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Das Schöllkraut

Text: Andreas Humbert

https://www.warzen-hilfe.com/blog-page/

Foto: Wikipedia

06.09.2018

Grafik Schöllkraut
Schöllkraut Wikipedia Diese Bild- oder Mediendatei ist gemeinfrei, weil ihre urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist. Dies gilt für die Europäische Union, Australien und alle weiteren Staaten mit einer gesetzlichen Schutzfrist von 70 Jahren nach dem

Schöllkraut ist eine Pflanze, die Ihnen sicherlich auch schon einmal begegnet ist. Denn sie kommt sehr oft in der Nähe von menschlichen Siedlungen vor - sei es am Feldrand, in Mauerspalten oder sogar als vermeintliches Unkraut im eigenen Garten.

Die krautige Pflanze kann bis zu 70 cm groß werden und ist zwischen Mai und Oktober ganz gut an ihren auffallend goldgelben Blüten zu erkennen.

Doch den wenigsten Menschen ist bewusst, dass es sich bei Schöllkraut, dessen botanischer Name Chelidonium majus lautet, um eine Heilpflanze handelt, die seit Jahrtausenden als natürliches Arzneimittel eingesetzt wird.

Schöllkraut wird seit Jahrtausenden als Heilpflanze verwendet

Die ersten Erwähnungen der Pflanze als Chelidonium gehen nach historischen Aufzeichnungen bis auf das 1. Jahrhundert zurück. Sowohl Plinius, ein römischer Gelehrter als auch Dioskurides, ein griechischer Arzt, wussten die Heilwirkungen des Schöllkrauts zu schätzen. Plinius wurde vor allem durch seine Enzyklopädie Naturalis historia über die Naturkunde bekannt und Dioskurides war einer der berühmtesten Pharmakologen des Altertums.

Die Wirkstoffe, vor allem Alkaloide, sind in allen Teilen der Pflanze enthalten, aber in der Wurzel sind sie am höchsten konzentriert. Für die äußere Anwendung kann man einfach den Milchsaft verwenden, der beim Aufbrechen eines Stängels austritt. Zur inneren Anwendung gibt es Schöllkraut-Extrakte in Form von Kapseln oder Schöllkraut-Tinkturen.

Die Einsatzmöglichkeiten des Schöllkrauts sind sehr vielfältig

  • Der gelbliche Milchsaft, der beim Aufbrechen der Stängel austritt, wirkt sehr gut bei unterschiedlichen Hautprobleme wie z.B. Warzen, Hautpilz, Ekzemen oder kleinen Wunden. Hierzu kann der Milchsaft bis zu dreimal täglich auf die betroffene Stelle aufgetragen werden.

  • Auf unser Nervensystem hat Schöllkraut eine schmerzlindernde und beruhigende Wirkung.

  • Schöllkraut wirkt sowohl antiviral als auch antibakteriell, diese Wirkung sind u.a. auf die in der Pflanze enthaltenen Alkaloide zurückzuführen.

  • In den Aufzeichnungen von Dioskurides wird von einer positiven Wirkung bei unterschiedlichen (v.a. entzündlichen) Augenerkrankungen berichtet.

  • Sehr bekannt ist auch die krampflösende Wirkung auf unser Verdauungssystem, insbesondere bei Gallensteinen ist die Einnahme von Schöllkraut sehr empfehlenswert. Genau aus diesem Grund ist es auch in Iberogast enthalten.

  • Aufgrund der krampflösenden Wirkung eignet sich Schöllkraut auch gut bei Bronchitis oder Asthma.

  • Schöllkraut wirkt blutdrucksenkend.

Sie können eine Schöllkraut Tinktur auch selbst herstellen

Dazu benötigen Sie zunächst einmal folgende Dinge:

  1. Eine 40-prozentige Alkohollösung, z.B. Wodka

  2. Ein klares (helles) Schraubdeckelglas, z.B. ein gereinigtes Gurkenglas

  3. einen Trichter und einen Kaffeefilter

  4. eine dunkle Flasche zum Abfüllen

  5. Etikett zum Beschriften

Jetzt gehen Sie folgendermaßen vor:

  1. Sammeln Sie frisches Schöllkraut, und zwar in möglichst trockenem Zustand. Am besten ist der letzte Regen also schon einige Tage her.

  2. Zerkleinern Sie die gesammelten Pflanzen sorgfältig mit einem Messer und füllen sie in ein Schraubdeckelglas.

  3. Befüllen Sie nun das Glas mit dem Alkohol, und zwar im Verhältnis 1:2.

  4. Verschließen Sie das Glas, schütteln Sie gut durch und stellen Sie das Glas am besten auf die Fensterbank.

  5. Dort bleibt es für die kommenden Wochen stehen, wobei Sie es täglich durchschütteln sollten.

  6. Nach 2-4 Wochen können Sie alles durch den Trichter und den Kaffeefilter abseihen und in die dunkle Flasche zur Aufbewahrung geben.

  7. Beschriften Sie zuletzt das Etikett mit dem Abfülldatum und dem Inhalt.

Die Tinktur ist ungeöffnet ca. 2 Jahre haltbar und sollte nach dem Öffnen innerhalb von 6 Monaten aufgebraucht werden. Sie können von der Tinktur bei Verdauungsbeschwerden bis zu dreimal täglich 15-20 Tropfen einnehmen. Sicherheitshalber sollten Sie (wie übrigens bei jeglicher Form von Medizin) erstmal langsam beginnen (hier mit 5 Tropfen), um zu schauen, wie Sie die Einnahme vertragen.

Vermeiden Sie eine Überdosierung

Bei all diesen positiven gesundheitlichen Wirkungen muss ich aber leider auch eine Warnung aussprechen. Denn bei einer Überdosierung ist die Pflanze giftig und leberschädigend. Wie bei allem macht auch hier die Dosis das Gift. Deswegen sollten Sie die angegebene Dosierung auf keinen Fall überschreiten. Kinder, Schwangere oder stillende Mütter sollten Schöllkraut gar nicht einnehmen.

Die äußere Anwendung kann aber als unkritisch angesehen werden, da der Wirkstoff nicht in genügend großer Menge über die Haut aufgenommen wird.

 

Wenn Sie das nächste Mal dem vermeintlichen Unkraut begegnen - warum pflücken Sie nicht einfach einige Pflanzen und bereiten mal ihre eigene Schöllkraut-Tinktur zu?

Kommentare: 3
  • #3

    Eva Schmelzer (Freitag, 21 September 2018 12:47)

    Diese detaillierte Vorstellung des Schöllkrauts und wie wohltuend und heilend es ist zeigt einmal mehr, wie oberflächlich der Mensch mit den Geschenken der Natur umgeht. Immer noch setzen Gartenbesitzer immer wieder Pflanzenschutzmittel ein, die aber Pflanzen und Tieren schaden. Alle Pflanzen - und gerade die vom Menschen leichtfertig und überheblich als "Unkraut" eingestuften - haben eine besondere Funktion im Ökosystem. Sie produzieren Blüten und Samen, von denen Insekten, Mäuse und Vögel leben. Auch Wildbienen und Raupen brauchen die Kräuter als Nahrungspflanzen. Insekten und Raupen sind wiederum Futter für Fledermäuse und Vögel. Die Verwendung von Pflanzenschutzmitteln entzieht damit Bienen, Fledermäusen und Vögeln zunehmend die Nahrungsgrundlage. Daran, dass manche Tiere inzwischen bedroht sind, kann man absehen, welche Auswirkungen der Einsatz von chemischen Mitteln auf die Nahrungskette hat, auf die auch der Verschulder Mensch angewiesen ist.

  • #2

    Erika (Mittwoch, 19 September 2018 15:30)

    lieber Andreas, was mir am Schoellkraut sehr imponierte,war, dass ich nur immer gerade-wachsende Pflanzen fand. Sie brauchen keine Kletterhilfe, sie nehmen als Spreizklimmer ihre Seitentriebe, oder stehen eng aufrecht nebeneinander. Schoellkraut als Heilpflanze passte besonders gut in die 'Signaturenlehre'. Danke fuer diesen schoenen Bericht.

  • #1

    Marion Hartmann (Dienstag, 18 September 2018 15:25)

    Lieber Andreas Humpert. Ein schöner Bericht über Schöllkraut.
    Ich gehe davon aus, dass Sie Heilpraktiker, Homöopath oder Arzt sind wegen der genauen Beschreibung einer sehr wohl auch einzunehmenden Tinktur, die man gut und gern selbst herstellen kann. Ansonsten würde ich gern sagen, dass Schöllkraut keine Pflanze der Unbedenklichkeit ist, wie sie ja auch selbst schreiben. Probleme kommen nicht nur bei einer eventuell zu hohen Dosierung. Wenn beispielsweise schon andere Medikamente eingenommen werden, kann es - ja auch bei genauer Dosierung - zu ungeliebten negativen Reaktionen zusammen mit anderen Arzneimitteln kommen. Auch wenn schon eine angegriffene Leber da ist, ist Schöllkraut nicht angebracht. Es ist auch eine Tatsache, dass jeder Körper ganz individuell auf eine Heilpflanze reagiert und es ist bei Pflanzen mit toxischen Inhaltsstoffen ganz besonders wichtig, vorher den Rat eines Mediziners einzuholen. Schöllkraut gibt es in allen Varianten in Apotheken, was einfach sicherer ist. Dennoch, Dank für die Erinnerung an das Schöllkraut!