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Eine kleine Geschichte vom Tee

Text: Marion Hartmann

Scherenschnitt: Erika Bulow-Osborne

"In der Teeschale hat sich die Menschheit gefunden", meinte Kakuzo Okakura, ein japanischer Kunstwissenschaftler- und förderer, der mit seinem "Book of Tea" bekannt wurde.
Und hier denken wir unweigerlich an einen Bambusvorhang, hinter dem in der Einfachheit und entspannter Atmosphäre ein Tee- Zeremoniell vorbereitet wird nach klassischem Ritual.
Über Jahrtausende wurde der Tee in China und Japan zum Inbegriff einer Lebenskunst.
Man bekommt einen Einblick in diese Dimension bei der Erklärung Kakuzo Okakuras:
"Unser Haus und unsere Gebräuche, Kleidung und Küche, Porzellan, Lack, Malerei.., ja selbst unsere Literatur-, alles ist dem Einfluß des Tees unterworfen gewesen. Niemand, der die japanische Kultur studiert, könnte seinen Einfluß übersehen!"

Wer einmal auf dem "Tiger Hill" in Darjeeling gestanden hat, im Herzen der berühmtesten Tee- Region der Erde, vergißt den Platz nicht wieder.
Ringsum in allen Himmelsrichtungen steigt aus tiefeingeschnittenen Tälern bis über 2000 Meter Höhe das subtropische Grün der Darjeeling- Teegärten die Hänge hinan.
Warum aber liegt das gelobte Land des Tees ausgerechnet zu Füßen des Himalaja, wächst doch auch anderswo ausgezeichneter Tee?
Es sind die einzigartigen Vorzüge des Klimas und der Bodenbeschaffenheit, die den Genußwert bestimmen.

Als erster Europäer entdeckte der britische Amateur- Botaniker Major Robert Bruce den "Tee- Baum" im Jahre 1823 auf einer Expedition in den Regenwäldern von Manipur zwischen Assam und Burma.
Arabische Händler, unerschrockene Missionare und portugiesische Seefahrer sorgten dafür, daß erste Kostproben von Tee auch in die Hände der Europäer gelangten.
Für solche "Tee- Muster" wurden horente Preise gezahlt.
Ähnlich wie wenig später auch Kaffee wurde Tee anfänglich als Stärkungsmittel gehandelt und in Apotheken verkauft.
Sehr weit müßten wir reisen, um zu sehen, wie aus dem grünen, geruchlosen Teeblättern der duftende schwarze Tee wird.
Bei der traditionellen Produktion von Schwarztee durchlaufen die Teeblätter 5 Stufen, allein der Welkprozess dauert 24 Stunden.

Von einem, der es in der Lebenskunst und Lebensweisheit weit gebracht hat, sagt man: "Er hat Tee in sich!"
Tee mit Milch ist in England eine Selbstverständlichkeit.
Am englischen Hof wurde der Tee 1662 durch Katharina von Braganza eingeführt, sie gilt allgemein als Begründerin der britischen Teekultur, die sich zunächst innerhalb des Adels ausbreitete.
1717 wurde das erste Teegeschäft in London eröffnet. Hinzu kamen später Tee- Gärten.., Parks mit beleuchteten Gehwegen, Musikpavillons und Verkaufsständen mit Tee und kleinen Speisen.
1743 wurde in Hannover, das damals zur britischen Krone gehörte, ein erstes Teegeschäft eröffnet, das bis heute existiert (Tee- Seeger)

Obwohl bei Russland die Leute gleich an Russland denken, gehört Russland tatsächlich zu den Ländern mit dem meisten Konsum von Tee.
Die Zubereitung findet im Samowar statt.
Tee wurde in Russland 1638 eingeführt, als ein Mongolischer Herrscher dem Zaren eine Ladung Tee schenkte.

Der Teemeister Rikyu wurde von einem Schüler gefragt, was der Sinn des Teeweges sei.
Rikyu antwortete in der für den Zen typischen Reduktion auf das Wesentliche:
„Wasser holen, Feuer anzünden, Wasser erhitzen,
Tee schlagen und trinken, das ist alles!“
Als der Schüler darauf entgegnete: „Das kann ich schon alles.“
antwortete Rikyu: „Dann möchte ich dein Schüler werden.“

Sen Soki (Soeki) Rikyû (1522-1591)

Kommentare: 1
  • #1

    Eva Schmelzer (Montag, 01 Dezember 2014 18:22)

    Das ist ja schon ein Zufall, dass ich soeben angefangen habe, dem von mir jahrelang vernachlässigten Tee wieder einen größeren Platz bei mir zu geben. Da kommt mir Marions Beitrag gerade recht, damit ich ihn mit mehr Verstand und Wissen genießen kann. Und Erikas Schereneschnitte inspirieren mich natürlich zusätzlich. Danke Euch beiden!