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Die Zwiebel

Text: Marion Hartmann

Scherenschnitt: Erika Bulow-Osborne

27.03.2015

Scherenschnitt Zwiebel
(c) Erika Bulow Osborne Scherenschnitt Zwiebel

Es sollte in keinem Gemüsegarten fehlen.., das profanste aller Gemüse, die Zwiebel.
Unter den vielen verschiedenen Zwiebel-Arten sind die Frühlings- und Knollenzwiebel die bekanntesten.
Was wir.., außer den Grundlagen des Anbau`s und ihrer Verwendung in der Küche wissen.., ist nicht viel.
Die Küchenzwiebel als eine der ältesten Kulturpflanzen der Menschheit birgt ein ganzes Universum an Zeugnissen bis hinein ins Grab des Tutanchamun, dem unter anderem die Zwiebel als Wegzehrung ins Reich der Toten mitgegeben wurde.
Auch beim Pyramidenbau war die Zwiebel neben Rettich und Knoblauch die wichtigste Gemüseart bei der Verpflegung der Sklaven wegen ihrer kräftefördernden Säfte.
Die Israeliten sehnten sich auf ihrer Wüstenwanderung nach den Zwiebeln Ägyptens zurück
In Zeiten der Pest diente die Zwiebel als Amulett, man schwor auf die Magie der Krankheitsabwehr.
Erwähnung findet die Zwiebel in den Werken griechischer und römischer Schriftsteller.

Bei uns fand die Küchenzwiebel erst im Mittelalter größere Verbreitung. Zahlreich sind die Hinweise in einschlägigen Werken der damaligen Zeit. So ist z.B. in den Pflanzenlisten Karls des Großen und im berühmten Kräutergarten-Plan des Klosters St. Gallen verzeichnet
In Deutschland wird die Zwiebel besonders im Regenschatten des Harzes kultiviert (Bamberg, Frankenthal, Erfurt).
Heute beträgt der Anbau in Deutschland ca. 8 000 ha, mit einer Produktion von ca. 300 000 Tonnen.

Goethe, der ein Haus am Frauenplan hatte, schwärmte vom Weimarer Zwiebelmarkt. Er ließ die gekauften Zwiebelrispen an seinem Schreibtisch befestigen, schmückte sein Haus mit ihnen und lobte die gesundheitsfördernde Wirkung der Zwiebel.
Sogar an seinem Fenster hängte er die Zwiebel auf, was einiges Aufsehen erregte.
Selbst schreibt er in seinen "Xenien": "Ist denn die Wahrheit eine Zwiebel, von der man die Häute nur abschält? Was Ihr hinein nicht gelegt, ziehet Ihr nimmer heraus!"
In diesem Zusammenhang sei erwähnt eine Lebenserzählung von Autor Günter Grass: "Beim Häuten der Zwiebel!" (Gegen das Vergessen).
http://www.weimar.de/tourismus/kultur-freizeit/maerkte-feste/zwiebelmarkt/

Die Zwiebel strotzt nur so von Kräften, die vielen Leiden Linderung verschaffen oder gar für Abhilfe sorgen.
Als Multitalent enthält sie zudem wertvolle Mineralien und Vitamine.
http://www.botanikus.de/Heilpflanzen/Zwiebel/zwiebel.html

Scherenschnitt  Knoblauch
(c) Erika Bulow Osborne Scherenschnitt Knoblauch

Am Zwiebelacker

Ein Werk von Dr. Bernhard Adamy

 Scherenschnitt Zwiebel
(c) Erika Bulow Osborne Scherenschnitt Zwiebel
Kommentare: 4
  • #4

    Hans-Dieter Wiesemann (Dienstag, 05 Mai 2015 02:40)

    Herrlich sind diese Scherenschnitte von den Zwiebeln, die Erika gezaubert hat.
    Ich möchte auf eine Wildbienengattung hinweisen, die mit blühenden Küchenzwiebeln und Küchenlauch in unsere Gärten kommt, die Lauch-Maskenbiene (Hylaeus punctulatissimus). Paul Westrich schreibt in seinem wunderbaren Buch "Wildbienen, Die anderen Bienen" (2011) wie wir mit Lauchstangen und Zwiebeln aus dem Gemüsemarkt ein Nahrungsangebot im Garten schaffen können. Die Blütenkugeln habeb eine hohe Attraktivität für verschiedene Maskenbienen (Hylaeus) und Tagfalter. Ich habe im April mal den Versuch gemacht und Lauchstangen gepflanzt.
    Das Buch möchte ich gerne empfehlen. Es ist besonders für Einsteiger sehr nützlich.
    Auf der Seite www.wildbienen.info berichtet Paul Westrich ausführlich aber verstädlich über diese fasznierende Tiergruppe.

  • #3

    Eva Schmelzer (Samstag, 02 Mai 2015 15:05)

    Es freut mich immer besonders, wenn ich etwas erfahre über das, was so selbstverständlich zum Alltag gehört, dass man oft gar nicht weiter darüber nachdenkt. Und wer hätte gedacht, dass die Zwiebel auch noch so viel Poetisches, ja, Philosophisches beinhaltet? Danke Marion, danke Elke für die Interpretation und die Abbildung. Die Zwiebeln, die ich heute abend als Gemüse brate, werde ich mit einer gewissen Ehrfurcht genießen und an das Gelesene denken.

  • #2

    Erika (Freitag, 01 Mai 2015 15:25)


    Das lyrische Ich ruht auf einer Bank und beobachtet einen gebueckten Mann bei der Taetigkeit des Zwiebelhackens auf einem Feld. Der Dichter sucht sich vorzustellen, wie er selbst als Fremder auf diesen Mann wirken koennte, wenn er aufsaehe.
    Der Mann ist nur an seinen Zwiebeln interessiert. Er verrichtet die Arbeit des Zwiebelhackens ununterbrochen. Seine Zwiebeln kennt er. Oder ist er nicht selbst der Eigentuemer dieses Feldes? Er koennte unter Lohn stehen, stuendlich bezahlt werden und braeuchte deshalb alle Kraefte zum Zwiebelhacken. Die gebueckte Haltung erfordert viel Kraft des Rueckgrades.
    Soweit scheint wirklich Erschautes vorliegen., doch der Mann wird zum 'Gedanken'.
    Seine Zwiebeln verwandeln sich durch die Art des Bueckens, des befremdlich wirkenden Hackens und Werfens. Fuer den Dichter sind es fremde Zwiebeln, ein fremdes Feld , ein fremder Mann.
    Vorstellungen eines grossen kochenden Topfes, voller zerstueckelter und zerschnittener Zwiebeln, oder ein Zwiebelkeller mit in Schichten lagernden Zwiebeln stellen sich ein. Spaetestens hier ist der Leser in Erwartung einer mehr und mehr zum Horror entstehenden Vision.

    Der Mann ist schmall gebaut, auf seiner hageren, trockenen Haut stehen gelb die Knoechel hervor. Gebueckt und schief steht er im kalten Wind. Leere Felder bieten dem Wind keinen Widerstand. Alles wirkt unmenschlich, als waer er bei teuflischer Ernte.
    Ist die Ernte 'stumm'? Ich vermute, kaum.Man hoert die Hacke in die Erdkrume gehen, sie muss sich Schneisen durch die vielen geknickten Blaetter schlagen
    Ein blasser Sonnenstrahl huscht kurz durch die grauen Wolken und erlischt. In der Ferne warten Kraehen. Der fremde Mann wirft die lehm-bedeckten, herausgerissenen Zwiebeln in eine Kiste, wo sie in Haufen ueber -und nebeneinnderliegen. Es gibt in diesem trueben Wetter weder Morgen, Mittag noch Abend. Eine Turmuhr unterstreicht das Zeitlose hohl und fluechtig irgendwo.
    Der fremde Mann richtet sich auf, das Rueckgrad schmerzt , in seinem verblichenen , flatternden Kittel wirkt er im Umriss wie ein duerrer schiefer Mast mit schwarzer Fahne Die ganze Szene ist wie ein Totenacker. Ploetzlich blickt er auf die sonst immer leere Bank, aber er sieht nicht den Dichter, er schaut aus augenlosen Hoehlen, wendet sich zurueck und hackt in der gleich- gebueckten Haltung weiter.
    Der Wind ist zum Sturm geworden, der in den Wipfeln der Baeume wuetet. Er laesst die Blaetter wie im Tanze zur Erde wirbeln. Der feine Duft von Zwiebeln dringt durch die Luft und der Saft des Lebens haelt die Hacke feucht.. Der Dichter verfolgt die Arbeit des Zwiebelhackens, Tag fuer Tag, die bearbeiteten Schneisen werden groesser und schliesslich ist das ganze Feld abgeerntet.. Der fremde Mann ist fort, aber der Dichter spuert ihn noch. Es ist sein Acker, der Todesacker. Pfuetzen mit kleinen Zwiebelschnitzeln sind Boten neuen Lebens, denn neue Zwiebelsaat wird kommen. Wird das lyrische ich im Zwiebelkeller aufgehoben, oder dabeisein, neue Saat zu erzeugen? Wie immer das Leben des Dichters weiter verlaeuft, der zwiebelhackende fremde Mann wird ernten.

























  • #1

    Marion Hartmann (Montag, 20 April 2015 07:58)

    Mein Dank gilt vor allem Dr. Bernhard Adamy, dessen "Zwiebelacker" mich sehr lange beschäftigte.
    Das unglaubliche Einfinden Dr. Adamys in die Dinge des Lebens.., diese Gabe des Hineinlebens und die letztendliche Umsetzung des Geschauten, Gefühlten, in seiner ihm eigenen Seelensprache ist eine wahrhaftige Rarität, die man in der Oberflächlichkeit des heutigen Zeitgeistes nicht genug schätzen kann. Der "Zwiebelacker" ist eine Spitzenleistung, wie auch alle seine anderen Werke!