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Die Passionsblume

Text und Foto: Marion Hartmann

Scherenschnitt: Erika Bulow- Osborne

25.03.2017

Passionsblume
(c) Marion Hartmann Passionsblume

 Diesen kletternden Blütenstar sah ich zum ersten Mal hier ganz in der Nähe und wahrlich als die einzige Pflanze dieser Art in unserer Gegend.

 

Eine spektakuläre Erscheinung, bei der es mir schien, als wolle sie sich nicht nur an ihrem Kletterzaun festhalten, sondern auch nach mir greifen, damit ich mich mit ihr befasse, sie ins Bild setze, Informationen suche und endlich auch über sie schreibe.

Es ist heute modern, eine Pflanze nur als Pflanze zu sehen, aber ich kümmere mich wenig um das moderne Bewusstsein und schaue doch lieber ein lebendiges Wesen, freilich von ganz anderer Intelligenz, als die des Menschen.

Und die Pflanzen scheinen das zu spüren.

Die Passionsblume ist von außergewöhnlicher Schönheit, wirkt beinahe hypnotisch mit ihrer Anziehungskraft, als wäre sie wie der Schlafmohn dem Reich Hypnos entsprungen,.., sie bringt es fertig, einen aufgewühlten Menschen sofort zur Ruhe zu bringen, nur durch Anschauung.

Und in der Tat, sie wird in der Medizin als beruhigende Heilpflanze eingesetzt, wie wohl sie aber im Gegensatz zum Schlafmohn die Sinne wach hält.

Mit keiner anderen Sache wird die Passionsblume derart in Verbindung gebracht, als mit der Passion Christi.., sie symbolisiert den Leidensweg.

Die meisten der 500 Arten stammen aus Süd-. Mittel-, und südlichem Nordamerika, wobei einige Arten bis zu 10 Meter hoch werden können.

 

Wenn wir an Maracuja Saft denken, dann wissen wir meist nicht, dass er aus den Früchten der Passionsblume gewonnen wird.

Im Jahre 2011 wurde die Passionsblume vom Studienkreis - Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzen zu Würzburg als Arzneipflanze des Jahres gewählt.

Gerade in der heutigen Zeit des Gestresstseins und der Nervosität ist die exotische Schönheit mehr als gefragt und insbesondere auch, weil es keinerlei Nebenwirkungen gibt.

Sie beruhigt, macht aber nicht müde, man bleibt geistig fit!

Die ersten Aufzeichnungen über die Passionsblume stammen vom Mediziner Dr. Francisco Hernandez aus dem 16. Jahrhundert und entstammten Beobachtungen bei Indianerstämmen, welche wohl seit eh und je die Passionsblume einsetzen gegen Melancholie, Schlaflosigkeit und Schmerzen.

Ganz einfach erklärt.., die Wirkstoffe der Passionsblume schützen das Gehirn vor Einwirkungen, welche den Menschen überfordern.

So scheint es, als wenn sie mir am Wege zuruft:

"Wenn doch nur der Mensch den Edelmut besäße, so wie die Passionsblume, hinauf zu klettern aus eigener Kraft, von dort aus zu strahlen und heilend einzuwirken. Individuum und Diener des Ganzen zugleich zu sein, wie viel wäre gewonnen!"

Ein Buch für alle Interessierten im nachfolgenden Link:

https://www.amazon.de/Passionsblumen-Faszinierende-Pflanzenwelt-Bettina-Ulmer/dp/3934733018/ref=sr_1_fkmr0_1?s=books&ie=UTF8&qid=1490560659&sr=1-1-fkmr0&keywords=Passionsblume+Faszinierend+Pflanzenwelt+Bettina+Ullmer

 

Wer sich im Respekt und im Erstaunen mit der Passionsblume verbindet, trifft genau auf ihre Seele.

 

Im Zeitraffer schaut man im nachfolgenden Video auf die Öffnung ihrer Blüte!

https://www.youtube.com/watch?v=ZUtojn0DgOI

 

Scherenschnitt Passionsblume
(c) Erika Bulow-Osborne Scherenschnitt Pasionsblume

 

Die Passionsblume

Grimm durchbohrt von spitzen Nägeln, dorngekrönt das hehre Haupt,
Hing der Heiland an dem Kreuze, schmerzdurchzuckt und trostberaubt;
Höhnend lächeln nur die Juden, wie er leidet heiße Qual,
Einzig eine liebe Blume blickt voll Leid zum Kreuzespfahl.

Und sie rankt sich kühlend, lindernd hoch empor am blut`gen Pfahl,
Rührt Hände, rührt die Lippen ihres Schöpfers voller Qual,
Daß sie länger nicht mehr brennen in des heißen Durstes Pein,
Daß der Heiland sei am Kreuze nicht so ganz und gar allein.

Sie durchflicht die Dornenkrone sacht mit saftigdunklem Grün,
Daß die herben, scharfen Dornen wie im Maienglanze blüh`n,
Weich die Blätter legt sie leise auf des Dulders bleiche Stirn,
Wunden hüllend, Wunden stillend, die zerquälen Stirn und Hirn.

Und da von dem Kreuz erklungen jenes süße Wort: Vollbracht,
Wie das Weh, so die Erlösung!  —  sank auch sie in Todesnacht.
Treue Blume, schließ` das Auge, welke nur, der Frühling lacht,
Der Karfreitag ist zu Grabe, und der Ostertag erwacht!

Als der Herr vom Grab erstanden, auch die Blume neu erblüht;
Wie sie frühlingssonnig duftet, wie sie frühlingsbunt erglüht!
Christi Schmerzen, Dornen, Nägel, die fünf Wunden trägt sie zwar,
Aber gleich des Heiland`s Wunden lichtverkläret wunderbar.

 

Autor: Franz Alfred Muth (1839-1890)

 

 

Scherenschnitt Passionsblume
(c) Erika Bulow-Osborne Scherenschnitt Passionsblume

 

Meinen herzlichen Dank an Erika Bulow- Osborne für ihre wunderbare Beigabe in Schnitten!

Kommentare: 2
  • #2

    erika (Montag, 03 April 2017 09:33)

    Was mich besonders fasziniert ist, wie sehr sich die Passionsblumen gegen den Heliconius Falter wehren, indem sie einen Nektar absondern, der Wespen und Ameisen anzieht. (Man sieht es in dem Zeitraffer). Gelegentlich aber schuetzen sich die Passionsblumen selbst, indem sie gelbe Punkte erzeugen, als waeren sie bereits von einem Falter'besetzt' worden, denn das koennte zu Canibalismus fuehren.Marions Artikel geht aber weit ueber solche Dinge hinaus, Ihre Weitsicht dringt ins Symbolisch- Befreiende einer Ranke, deren Kraft zwar nicht allein ausreicht, aber durch Rankenbildung weit in die Natur vordringen kann. Eine grosse Einheit zeigt dieser schoene Artikel.

  • #1

    Eva Schmelzer (Samstag, 01 April 2017 18:11)

    Vielen Dank für diesen schönen Beitrag und Erikas Abbildungen dazu. Ich hatte schon mal in einem fb-Post kommentiert, dass ich in meiner vorigen Wohnung auf der Terrasse eine Passionsblume hatte, die dort in ein paar Jahren ca 2 Meter hoch u. 4 Meter breit an einem Drahtgitter eine Wand berankt hat. Die Winter, die hier recht mild sind, haben ihr nichts anhaben können. Ihr könnt Euch vorstellen, dass ich geweint habe, als wir ausgezogen sind und die Pflanze entfernt werden musste. Ich habe es selbst nicht fertiggebracht, sie abzureißen, habe jemanden darum gebeten, es zu tun. Ich habe das erwähnt, weil ich wieder daran denken musste, als ich mit großem Erstaunen las, was Marion geschrieben hat, weil es so wahr ist und ich es auch so empfinde: „Es ist heute modern, eine Pflanze nur als Pflanze zu sehen, aber ich kümmere mich wenig um das moderne Bewusstsein und schaue doch lieber ein lebendiges Wesen, freilich von ganz anderer Intelligenz, als die des Menschen. … und die Pflanzen scheinen das zu spüren. Die Passionsblume ist von außergewöhnlicher Schönheit, wirkt beinahe hypnotisch mit ihrer Anziehungskraft, als wäre sie wie der Schlafmohn dem Reich Hypnos entsprungen, sie bringt es fertig, einen aufgewühlten Menschen sofort zur Ruhe zu bringen, nur durch Anschauung.“ Ja, Marion, genau dasselbe habe ich empfunden für sie: Es war ein lebendiges Wesen für mich, auch hat mir über die Jahre ihr Anblick immer wieder besonders gut getan, mir Frieden und Ruhe geschenkt. Du sagst „Wer sich im Respekt und im Erstaunen mit der Passionsblume verbindet, trifft genau auf ihre Seele.“ Ich habe sie bewundert, ihren Wuchs, ihre fast übernatürlich schönen Blüten – und ich musste sie töten lassen.