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Der Rainfarn

Text: Marion Hartmann

Rainfarn und Hummel
Rainfarn und Hummel

Eine selbst erlebte Geschichte

 

Ein Stück verlassener Grund und Boden befindet sich gegenüber einem ehemaligen Rittergut.

Weder Park noch Wildnis, so scheint das dennoch gut gepflegte Areal auf einen neuen Sinn zu warten.

Umgeben von einer hohen Mauer ähnelt es einem Friedhof und wer genauer hin zur bröckelnden Umfriedung blickt, meint, die Abbildungen von Totenköpfen im Gemäuer zu erblicken.

Doch ein Friedhof ist hier nie gewesen und niemand kann sich erinnern, zu welchem Zweck das kleine Stück Land einst diente.

Wer die hier waltenden, unheimlichen Energien zu spüren vermag, den wundert es nicht, kaum Menschen hier anzutreffen.

Der Ort, so schön er auch ist, ist tatsächlich menschenleer!

Was der Großstadtmensch so sehr vermisst, hier findet er alles.

Holunder, Brombeeren, Hagebutten, Rainfarn, Goldrute. Und dazwischen einige Pflaumen- und Apfelbäume.

Der Aufmerksame, der lauschend in die Stille hineinschaut, meint, eine kleine Kapelle entdeckt zu haben.

Intuition, nichts weiter! Der Platz ist leer, die geschaute Kapelle gibt es nicht.

Doch später, zu Hause, da kann ich die Kapelle zeichnen. So real erstand sie vor meinem Auge.

Jedes Jahr darf ich mich hier der wild wachsenden Äpfel und Pflaumen bedienen und jedes Jahr lege ich an den Stämmen der Obstbäume Rainfarn und Goldrute nieder.

Ein Dank für diese herrliche Gelegenheit, giftfreies Obst sammeln zu können!

Der Rainfarn- eine allgemeine Beschreibung

 

Der goldgelbe Rainfarn ist neben einigen anderen Pflanzen die letzte Blütenzierde des Sommers.

Weithin sichtbar trotzt er allem Unscheinbaren und senkt sich als sonnengelber Traum ins Bewusstsein des Betrachters.

Nicht umsonst war diese Pflanze so beliebt in der Architektur des Altertums, bildete sie doch jenen Begriff, der eng mit Schönheit, Göttlichkeit und Harmonie der Form verwoben war.

In irdischer Vertretung der Herrlichkeit des Schöpfers erreichte sie jedoch mit dem menschlichen Geist der Neuzeit ein lebenslanges Kerkerdasein in der Abgeschiedenheit von der menschlichen Seele und der für immer verlorengegangenen Zauberwelt.

Selbst die Gartenarchitekten vermögen nicht mehr die Substanzialität Plagegeister vetreibender Kräfte des Rainfarns in die Gärten hineinzutragen.

Die tragische Leidenschaft des Neuzeitmenschen, allen Dingen menschliche Willkür aufzuzwingen, ohne ein wechselseitiges Verhältnis zwischen Mensch und Natur anzustreben, ist vom schreckensvollen Untergang begleitet.

Am Duft des Rainfarns scheiden sich die Geister. Hier weicht jeder Schädling, jede Stubenfliege zurück.

Rainfarn auf Kartoffelfelder gesetzt, vertreibt Kartoffelkäfer gänzlich.

Hier sieht man, dass Bayer Chemie beispielsweise nur eine Folge ist der Abwendung des Menschen von der Pflanzenwelt.

Rudolf Steiner, Begründer der Anthroposophie, wies schon um 1900 darauf hin, dass die Mensch- Pflanzengemeinschaft in der Erfassung, im Denken und im Tun für den Menschen überlebenswichtig sein wird.

"Denn wenn der Mensch sich abwendet von der Umwelt, die wirkenden Kräfte der Pflanzenwelt nicht mehr in sich hineinlässt, weil er es nicht mehr für nötig hält, dann werden sich auch die Gesamtzusammenhänge dramatisch ändern!"

"Gülden Knöpfle" und "Wurmkraut", so wurde der Rainfarn früher benannt. Aus ihm wurde ein entwurmendes Mittel hergestellt, das heute nicht mehr angewendet wird , da es bei Überdosierung zu Vergiftungen führen kann.

Das Kälbchen bekam vom Bauer einen Tee aus Rainfarn, wenn der Durchfall kam. So schützte auch der damalige Bauer seinen Hund vor Flöhen und Zecken, indem er ihm ein Beutelchen in den Schlafkorb legte, welches mit getrocknetem Rainfarn gefüllt war.

Getrocknete Rainfarnblätter wurden in Imkereien verwendet, um Bienen zu beruhigen!

Eine Brühe aus Blütenknöpfen des Rainfarns hilft gegen Blattläuse, Erdbeerblütenstecher, Milben, Himbeerkäfer, Blattwespen, Raupen, Schnecken und Mehltau.

Früher wurde Rainfarn in Särge gelegt oder Leichen wurden in rainfarngetränkte Leinentücher eingewickelt.

Der Grund ist weitgehend unbekannt. Vielleicht sollte die Verwesung gestoppt werden.

Des Rainfarns stark riechenden Inhaltsstoffe (Campher, Borneol, Thujon) bringen den Vorteil, dass ihn das Weidevieh verschmäht.

Und weil das Pferd z.B. den Rainfarn stehen lässt, wuchert er auch und muss gemäht werden, damit er sich nicht unkontrolliert weiter verbreitet.

Von der Pflanze leben Raupen des Rainfarn- Mönchs, des Smaragdspanners und des Eulenfalters.

Das Wort - Rainfarn- entstand aus dem mitteldeutschen "reinfarno", was in etwa "Grenzfahne" heißt.

Rainfarn
Rainfarn

 

Rainfarn im Handwerk

Die Insulanerin Eva Lampert färbt seit Jahrzehnten Wolle mit Rainfarn und Schwertlilien!

Mythologie

Die griechische Mythologie erzählt, dass sich Zeus in den trojanischen Prinzen GANYMEDES verliebte und ihn unter Gewalt in den Olymp bringen ließ.

Dort soll Zeus dem Gefangenen einen Sud aus Rainfarn eingeflößt haben, um ihm das Leben zu verlängern!

Magie

Rainfarn steht für Dämonenabwehr, für Schutz, Stärkung, Gesundheit und Langlebigkeit.

Scherenschnitt Rainfarn
(c) Erika Bulow-Osborne Rainfarn

Nachwort

Es gibt kaum wichtigeres als Menschen, die sich in die Pflanzenwelt seelisch und geistig einzuleben wissen.

Sie stellen die heutigen Schutzschirme dar für fast verlorenes Wissen und die Säulen, die einen neuen Weg flankieren.

Durchbrochen werden müssen Schein und Wahn, die von Umweltgiften gesäumt sind.

Es gibt wieder viele Brücken hinüber zum gesunden Menschenverstand und zur Naturliebe, wie unsere Künstlerin Erika Bulow- Osborne, wie die Künstlerin Lois Cordelia Bulow- Osborne, wie der große Naturgeist Wolf- Dieter Storl, wie der große Mongole Galsan Tschinag. Wir haben sie weltweit, diese Brücken. Gehen wir einfach mit hinüber, dort, wo eine neue Lebensform wartet!

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Kommentare: 4
  • #4

    christine (Sonntag, 01 September 2013 14:34)

    ...gerne gelesen und geschaut - ich danke euch <3

  • #3

    Christine Schwan (Sonntag, 01 September 2013 12:24)

    Wunderbarer Beitrag! Es ist mir auch schleierhaft, warum der Rainfarn, ein so mächtiger Schutz in unserer sinnentleerten Zeit so ins Abseits gedrängt wurde. Wie schön, dass ihm hier so gewürdigt wird! Herzliche Grüße
    Christine
    PS: Getrockneter Rainfarn in einem Säckchen soll auch die Kleidung vor Motten schützen

  • #2

    Eva Schmelzer (Freitag, 23 August 2013 14:42)

    Das zu lesen und zu sehen, auch wieder mit dem bezaubernden Scherenschnitt dazu, ist ein Höhepunkt meines heutigen Tages. Hört sich oberflächlich so an, als erlebte ich nicht viel, das ist aber nicht so. Es kommt nur immer darauf an, wo man die Prioritäten setzt.

  • #1

    Gudrun Kaspareit (Donnerstag, 22 August 2013 23:01)

    Fantastisch Marion, Du wirst mit jedem Artikel besser!