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Das Schöllkraut

Text: Marion Hartmann

Schöllkraut
(c) Marion Hartmann Schöllkraut

Vorbemerkungen

 

Ich wurde auf das "Hexenkräutlein" erst aufmerksam, als es im Zuge großflächiger Baumaßnahmen als ein unnützes und völlig wertloses Unkraut entfernt worden ist.

Letzte Büschel des Schöllkrautes wuchsen an einem alten Gemäuer, zu dem es meinen an Krebs erkrankten lieben Hund in seinen letzten Lebenswochen immer wieder hinzog.

Zwar nahm ich einen Zweig des sonnengelb blühenden Krautes mit nach Hause, um es zu identifizieren, doch kam ich nicht auf die Idee, es hätte vielleicht ein Heilmittel für meinen Hund sein können.

Eindeutig klären konnte ich es nicht, doch fanden sich medizinische Beschreibungen, dass Schöllkraut auch in der Tiermedizin gegen verschiedene Krebsarten Verwendung fand. 

Die Lebensart des Schöllkrauts

 

Es ist eines der weithin unbeachteten "Mauerblümchen" der Natur!

Oft wächst es direkt an Mauern oder um Mauern weitläufig herum, wo es für den Betrachter einen nachhaltigen Eindruck vermittelt, zusammen mit den leuchtend sonnengelben Blüten und den alten Gemäuern.

Die Intuition des Beobachters möchte meinen, das Schöllkraut hätte eine Möglichkeit gefunden, den Menschen an die alten Klöster und Heilkünste zu erinnern durch eben seine Vorliebe, sich im Werden und Wachsen genau an solchen denkwürdigen Orten zu befinden.

 

Das Schöllkraut trägt viele volkstümliche Namen. So wird es zum Beispiel auch "Schwalbenkraut genannt!"

Es erblüht beim Eintreffen der Schwalbe im Frühjahr und verwelkt mit dem Wegzug dieser Vögel.

Einer alten Sage nach, sollen die Schwalbenmütter ihren Jungen mittels eines Schöllkrautstängels die Augen öffnen!

Die Ameise erklärte sich vor langer Zeit bereit, den Samen des Schöllkrauts zu verbreiten und erhält zum Lohn eine weiße, zuckerhaltige Samenschwiele!

So kommt es, dass Schöllkraut sogar aus ganz schmalen Ritzen stößt!

Schöllkraut in der Medizin

Schöllkraut
Schöllkraut Wikipedia Diese Bild- oder Mediendatei ist gemeinfrei, weil ihre urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist. Dies gilt für die Europäische Union, Australien und alle weiteren Staaten mit einer gesetzlichen Schutzfrist von 70 Jahren nach dem

 

Schöllkraut ist verwandt mit dem Schlafmohn.

Eine große Bedeutung hat das Schöllkraut in der Medizin. Am bekanntesten ist die Verwendung des Milchsaftes in der Volksheilkunde als Mittel zur Entfernung von Warzen, Sommersprossen oder Hühneraugen. Selbstversuche sind jedoch nicht ratsam, da empfindliche Personen starke Hautentzündungen bekommen können. Aus der Pflanze wurden auch Aufgüsse zur Behandlung von Gallen-, Magen-, Darmleiden und Geschwüren bereitet. 
Seit dem Altertum wird das Schöllkraut zur Heilung von Augenerkrankungen genutzt. 
Auch im alten Ägypten soll der Saft des Schöllkrautes dazu verwendet worden sein. Da jedoch die Pflanze in Ägypten nicht vorkommt, beziehen sich solche Angaben vermutlich auf Arten des Hornmohns (Gattung Glaucium ), die in Ägypten heimisch sind und die ebenfalls einen gelben Milchsaft besitzen.

Nach der Signaturlehre verwendete Paracelsus das Schöllkraut gegen Gelbsucht.

Das Schöllkraut in der Kunst

Scherenschnitt Schöllkraut
(c) Erika Bulow-Osborne

 

Albrecht Dürer litt schwer an Malaria, Milzbeschwerden und Leberschwellung. Er sandte seinem Arzt ein Selbstbildnis, auf dem er auf die schmerzenden Stellen hinwies.

Das vom Arzt verordnete Schöllkraut half Dürer, so dass dieser zum Dank ein Gemälde vom Schöllkraut anfertigte.

Dieses befindet sich heute in Wien in der Albertina.

Nachwort

Da Schöllkraut giftige wie halluzinogene Stoffe enthält, darf es nicht ohne den Facharzt eingenommen werden.

Text: Marion Hartmann

Buchempfehlungen

Kommentare: 4
  • #4

    Christine Schwan (Sonntag, 01 September 2013 11:41)

    Sehr schöne Beschreibung von einem meiner Lieblinge! Danke! Kräuterfrau Grete Flach beschreibt übrigens, dass sie das Kraut zwischen den Fingern verreibt und das rund um das Auge (nicht ins Auge) tupft, das würde die Grauschleier entfernen. Ich habs probiert, man scheint tatsächlicher klarer zu sehen, allerdings sieht man für andere etwas abenteuerlich aus mit dem leichten Grünton um die Augen ;)
    Herzliche Grüße Christine

  • #3

    Christine Fiebig (Dienstag, 06 August 2013 11:21)

    Das ist sehr interessant ! Danke für diese Informationen !!

  • #2

    Arthur Scholl (Montag, 05 August 2013 12:32)

    Bei mir im Garten habe ich viele Sandsteine liegen, als Beeteinfassung, Trockenmauern , Kräuterspirale usw. Überall an diesen Steinen wächst das Schöllkraut und ich lasse es wachsen. Erstens sieht es wunderschön aus, zweitens ist es auch für Bienen und Hummeln eine gute Weide.
    Wenn jemand Schöllkraut braucht kann sie / er gerne etwas bei mir holen , da ich jedes Jahr bestimmt an die 100 Pflanzen davon habe.
    Danke für diesen wunderschönen und informativen Artikel

  • #1

    Gudrun Kaspareit (Sonntag, 04 August 2013 22:16)

    Liebe Marion,
    wie immer brillant geschrieben! Tolle Infos, sehr interessant! Ich lerne so vieles von Deinen Artikeln.
    DANKE!
    Liebe Grüße Gudrun