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Plastiktüten Verbot, Ruanda ist Vorbild

Text: Gudrun Kaspareit

21.07.2016

Plastikmüll
Plastikmüll

 

Ruanda macht uns vor, wie es geht. Dort sind Plastiktüten seit 2004 absolut verboten. Es gibt sogar eine Plastiktüten Polizei. Sie führt Plastiktüten Razzien durch, dies, strenge Kontrollen am Flughafen bei Einreisenden und hohe Strafen führten zu einem vorbildlichen Erfolg.

Ausnahmen vom Plastikverbot sind streng reglementiert und bedürfen einer Sondergenehmigung.

Hotels etwa, die ihr Büfett mit einer Folie abdecken wollen brauchen eine Lizenz, oder Krankenhäuser die stabile Plastiksäcke für Klinikmüll benötigen.

In Ruanda wird Umweltschutz und Sauberkeit groß geschrieben, um das durchzusetzen sind extra Gesetze erlassen worden und auf ihre Einhaltung wird streng geachtet.

Die Bürger von Kigali, der Hauptstadt von Ruanda, werden an jedem letzten Samstag des Monats aufgefordert ihre Stadt zu putzen. Kigali ist die sauberste Stadt Afrikas. Aber nicht nur das, was Sauberkeit und Umweltschutz betrifft ist Ruanda auf dem Vormarsch, es ist Vorbild für ganz Afrika und könnte und sollte auch die EU inspirieren.

Für Behördenchefin Rose Mukankomeje, der eigens gegründeten Umweltbehörde REMA, ist die Arbeit ein klarer Erfolg: "Wir haben viel getan. Bewusstsein ist geschaffen worden. Nicht nur mit Worten. Wir haben konkrete Pläne in die Tat umgesetzt. Wir haben Umweltmanagement von der politischen auf die lokale Ebene dezentralisiert. Wir haben mit den Menschen am Schutz von Flussufern gearbeitet, an der Verbreitung von energiesparenden Kochstellen, an der Bedeutung, seine Umgebung sauber zu halten und der Konservierung der Bio-Diversität. Wir haben einen Bewusstseinswandel, Zuständigkeiten und Beteiligung aller Sektoren erreicht."
Kein Abfall am Straßenrand, wilde Müllkippen gibt es nur sehr selten - weder in Kigali, noch auf dem Land. Mit strengen Regeln soll dieser Plan umgesetzt werden. Das Betreten der begrünten Mittelstreifen ist verboten ( Wie die Ruander wohl darüber denken, dass in Deutschland die begrünten Mittelstreifen regelmäßig gemäht werden?). Wer seine leere Plastikflasche einfach auf den Boden wirft, muss Strafe zahlen. In den größeren Städten sind Müllabfuhr und Mülltrennung Pflicht. Alternative Energien sollen ausgebaut werden.
"Wir müssen die Menschen in Ruanda weiterhin erziehen. Wenn wir keine klaren, aber freundlichen Regeln aufstellen, wird Ruanda eine Müllhalde werden. Jeder will ein neues Mobiltelefon haben. Jeder will einen neuen Computer und ihn nicht tauschen. Wir müssen die Menschen erziehen, dass es keinen Grund gibt, ein neues Gerät zu kaufen, wenn das alte noch funktioniert." So Mukankomeje weiter. (Das gilt wohl nicht nur für Ruanda.)

Auch eine geregelte Müllabfuhr, Mülltrennung, sollen sich mehr durchsetzen und illegales Verbrennen im eigenen Garten und wilde Müllkippen werden bekämpft.

"Natürlich kann man sagen, dass es noch nicht zu 100 Prozent funktioniert. Wir sind in Afrika. In einem Entwicklungsland. Man wird immer noch Leute finden, die ihren Müll im Garten verbrennen. Der Grund ist Unwissen. Sie kennen die Auswirkungen nicht, und sie verstehen nicht, warum man seinen Müll nicht verbrennen soll. Und es gibt sicher auch Leute, die kein Geld für die Müllabfuhr haben. Aber es geht darum, dieses Verhalten zu minimieren."

Bewusstseinsänderung ist das Zauberwort. Gelingen soll das u.a. mit strengen Gesetzen. Illegale Müllentsorgung wird mit mindestens 1.100 Euro Strafe oder bis zu zwei Jahren Gefängnis geahndet. Denn nur auf Einsicht zu hoffen ist naiv. Das fängt bereits beim Energieverbrauch an - die Ruander hören sehr gerne Musik, das Radio läuft den ganzen Tag. Und weil es so nah am Äquator ganzjährig gegen 18 Uhr dunkel wird, brauchen sie viel Licht. Batterien und Energiesparlampen verbreiten sich schneller als das Wissen, wie man mit diesen Produkten umgeht, wenn sie Müll geworden sind. Reste von Wandfarben werden einfach in den Abfluss gekippt. Und das Gerücht, Erdtermiten ließen sich am besten mit Motoröl bekämpfen, hält sich hartnäckig - es wird einfach in die unterirdischen Höhlen geschüttet. LKW, Busse und PKW, blasen pechschwarze Abgaswolken in die Umgebung, wenn sie sich die Hügel Ruandas hochkämpfen. Zwar gibt es eine Art TÜV, aber der überprüft nicht die Abgaswerte. Und selbst wenn: Alle Umweltsünder von den Straßen zu holen, würde die Wirtschaft zum Erliegen bringen. Schritt für Schritt will die Regierung deshalb jetzt neue Grenzwerte beschließen und alte Autos nach und nach stilllegen.

Es bewegt sich also einiges und beim erwähnten Plastiktütenproblem ist Ruanda Vorreiter. Die EU überlegt noch´wie sie den enormen Plastiktütenverbrauch einschränken könnte. Ruanda ist da schon weiter, seit 2004 sind Plastiktüten dort ganz verboten.

Plastikmüll ist in Ruanda sogar zu einem Geschäft geworden. Der Betrieb von Aloys Niyonsaba läuft gut. Er und seine Mitarbeiter verarbeiten Plastikmüll, der von der zentralen Müllhalde geliefert wird und verarbeitet ihn zu Folien für Gewächshäuser und Baustellen oder Müllbeuteln. Seine Firma Ecoplastik ist die erste und mittlerweise größte in Ruanda. Auch Sammler verkaufen Plastik, das sie auf den Straßen finden, an die Fabrik. Bald möchte Niyonsaba expandieren, um noch mehr Plastik zu recyceln.

Kommentare: 2
  • #2

    Erika (Montag, 01 August 2016 16:01)

    Ruanda hat nach viel aufregender Geschichte und immer wieder ausbrechenden Kaempfen eine immerhin schon ueber 14 Jahre dauernde gleichgebliebene Regierung. Es zeigt sich darin vielleicht auch, dass die Bevoelkerung sehr jung ist und sich beeinflussen laesst durch Gesetze und Kurse. Sie lernen, wie wichtig Sauberkeit in der Umwelt ist, dass Fluesse frei-sein muessen von jedem Unrat. Sie lernen , dass Tourismus dem Land hilft und dass sie fast ohne Korruption auf ihr Land stolz sein koennen. Das Verbot jeglicher Plastiktuete wurde durch strenge Gesetze durchgesetzt, aber auch dafuer kann Ruanda nun ein gutes Gefuehl haben, sie waren schneller, als alle europaeischen Laender.

  • #1

    Eva Schmelzer (Montag, 01 August 2016 14:40)

    Dieser Beitrag hat mich umgehauen! Nie, niemals hätte ich von diesem Land geglaubt, dass es 22 Jahre nach dem Genozid heute in vielen Bereichen als Erfolgsmodell dasteht. Es war eine Freude, das zu erfahren. Ja, Ruanda sollte auch die EU inspirieren. Deren Staaten fühlen sich ja schon als Vorreiter, wenn sie erwähnen, dass sie erkannt haben, dass Plastik eingeschränkt werden muss. So kompromisslos wie Ruanda würde hier kein Staat vorpreschen. Ich fürchte, es ist noch ein langer Weg, bis sich ein EU-Staat in irgendeiner Weise einen afrikanischen Staat als Vorbild nehmen würde. Da schwingen wohl immer noch alte Zeiten mit und somit eine Überheblichkeit.