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Dr. Bernhard Adamy

Texte: Dr. Bernhard Adamy

Fotos: Gudrun Kaspareit

(c) Gudrun Kaspareit
(c) Gudrun Kaspareit

Kiefernwald

Federnder Boden:Weiche Schritte
fangen  Tiefe auf.
schwebende Kronen: Dunkle Schritte
ziehen den Blick hinauf.

Weithin auf dem Dschungel der Stämme,
deren Schatten es bricht,
tausendfältig  in goldbraunen Linsen
ruht das wandelnde Licht.

Durch das Gewebe der Nadelbündel
weht ein schwebender Hauch.
Kühl berührt das Atmen der Wärme
Heide und Ginsterstrauch.

Fliegende Schatten im Dunst der Wolken:
Raubvögel gleiten vorbei.
Müde, von fern,aus lautlosen Kreisen
fällt ihr klagender Schrei.

Tage und Jahre kommen und gehen,
kamen und gingen fort.
Wandrer  auf einsamen Wegen verweilten
manchmal an diesem Ort.

Scheint ihnen dann die schlafende Stille
so, als geschähe nichts,
schenkt er ihnen  den wundersamen
Zauber eines Gedichts.

(c) Gudrun Kaspareit
(c) Gudrun Kaspareit

 

LUNA LUCENS   

 

Für meinen lieben Freund Markus Wald                                                                                                                                   

 

Licht vom Licht

uralte Leuchte

Lampe der Welt

 

über Pangäas

menschenleerem Gefild

standest du

 

über der menschenleeren

künftigen Erde

wirst du stehen

 

Mond

 

und leuchten

 

silberne Sichel der Nacht

golgelbe Scheibe still-

kühler Trabant

 

scheuer Wanderer

Orpheus' Epheben sind tot

Mauern stehn sprachlos und kalt

 

beleuchte sie

 

Mond

 

mit verwunschenem Schein

daß ein wimmerndes Kätzchen

dich singe

 

(2015)

 

(c) Gudrun Kaspareit
(c) Gudrun Kaspareit

 

M A N D E L B L Ü T E **)I

 

 

Die weichen

 

Blüten der Mandel -

 

verweile 

II

 

Vorfrühlingsleuchten

 

mild in flüchtiger Wärme

 

die Mandelblüte

III

 

Die Mandelblüte 

 

rosa-weiß vor lichtem Blau

 

Flamingoflügel

 

vor leichten Wolken aus Schnee

 

kühlender Hauch der Frühe

 

IV

 

Blühende Mandelbäume am Wege: lautlose Feste

 

zärtlicher Farben, - zu sanft schimmernder Fülle gereift.

 

V

 

Was aber schön ist - wie dies Blühen - ruht 

 

in einem Schimmer feiner Stille: eben

 

wie dieser schmale Zweig, aus dem sich Leben

 

erneut entfaltet, weich und hell und mild;

 

 

und dieser kleine Baum mit sanfter Glut

 

des Farbenlichts an ungezählten Zweigen -

 

und all die Bäume, die nach oben steigen

 

als Blüten-Wolken in das eine Bild:

 

 

die Mandelbäume, weit verstreut, geschäumt

 

von rosa Schnee... - In ihnen liegt ein Schein,

 

ein Licht, in dem wir blauen Himmel sehen.

 

 

Es ruht: in unsrem Freund, dem Baum - und träumt

 

in uns, wenn wir verweilen und verstehen:

 

Denn selig scheint es in ihm selbst zu sein.

 

 (2014)

 

 

**) in den Formen des verkürzten Haikus,

 

des Haikus, des Tanka, des Distichons

 

und des Sonetts

 

Kommentare: 3
  • #3

    Marion Hartmann (Freitag, 06 April 2018 10:47)

    Dr. Adamy ist ein Phänomen. In jedem seiner Gedichte schwingt ein Ewiges, wenn man darunter die Unabhängigkeit von Zeit versteht.
    Es schwingt inmitten des geschauten Augenblicks.., der Augenblick in Raum und Zeit und Ewigkeit gebracht.
    Eine Phänomenologie des Geistes, der höheren Seele spezielle Fähigkeit.

  • #2

    Eva Schmelzer (Montag, 01 Februar 2016 15:53)

    Ich werde mich an diese Gedichte erinnern, in einer Mondnacht, wenn die Mandeln blühen. Und vielleicht höre ich auch ein wimmerndes Kätzchen...

  • #1

    Eva Schmelzer (Montag, 01 Juni 2015 15:22)

    Je öfter man diese Zeilen liest, desto mehr wird man in diesen Wald gezogen – bis man fühlt, man stünde im wandelnden Licht zwischen den schwebenden Kronen auf dem federnden Boden neben Heide und Ginsterstrauch und bis man meint, den klagenden Schrei der Raubvögel zu hören.