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Die Bienen

Text: Marion Hartmann

Scherenschnitte: Erika Bulow-Osborne

22.08.2017

 Obwohl die Bedrohung der Bienenvölker durch Pestizide und anderer Eingriffe des Menschen in die natürlichen Kreisläufe der Natur derzeit das wichtigste Thema ist, will ich mich ein wenig davon distanzieren, möchte vielmehr die Bienen in der Weltgeschichte beleuchten, ohne direkt auf spezielle Arten einzugehen und will mich auf die prähistorischen, religiösen, kulturellen und geschichtliche Spuren begeben.

Zuvor will ich das kleine Leben meiner Spinne Adele einflechten.., ich nenne sie Adele, um ihr eine Persönlichkeit zu geben.., diese nächtliche Spinnerin, die ich seit Mai intensiv beobachte und fast erschlagen bin von dieser Intelligenz. Sie spann ihr Netz jeden Abend pünktlich um 22 Uhr über meinem Balkon, um es morgens 4 Uhr wieder zu zerstören. Von Monat zu Monat rückte sie um 1 Stunde vor.., spann im Juni 23 Uhr und im Juli 0 Uhr. Sie darbte wahrhaftig, denn die kleinen Insekten, die im Lichte der Straßenlaterne flogen, schienen um das Netz zu wissen und flogen drumherum. Dann sah ich, dass die Spinne um einen halben Meter nach oben rückte, ihr Netz noch näher an die Lampe knüpfte. Und nun hat sie das Netz direkt vor die Lampe gespannt, so dass ihr Tisch nun reichlich gedeckt ist.

Aber was hat die Biene mit einer Spinne zu tun? Eigentlich nichts, aber beide haben etwas mit dem Bewusstsein des Menschen zu tun, das durch Beobachtung weit mehr erfährt als durch die heutige, forschende Wissenschaft.

Und so ging auch Christian Konrad Sprengel vor, (1750 - 1816), ein deutscher Theologe, Botaniker und Naturwissenschaftler. Ihm entsprang das bedeutende Werk: "Das entdeckte Geheimnis der Natur im Bau und in Befruchtung der Blumen". Die Fülle dieser Erkenntnisse ist an dieser Stelle nicht wiederzugeben, ich verweise deshalb gern zu diesem Link.., die hoch interessante Erinnerung des Botanischen Gartens in Berlin an Christian Konrad Sprengel.

https://www.bgbm.org/de/content/eine-hand-waescht-die-andere-200-jahre-bluetenbiologie 

Bienen waren als Abbildung in altägyptischen Tempeln unerlässlich, galten sie doch als Krone der Schöpfung, der religiösen Vorstellung entsprechend, dass sich die Tränen des Sonnengottes Re in Bienen verwandelten, um durch ihr Werk die Erde zu befruchten.

Auf einer Rohrflöte spielend wurden die Bienen zum Ausschwärmen bewegt, denn die Bienenzucht war im alten Ägypten schon gut bekannt und lässt sich 3000 Jahre zurück verfolgen.

Der Heilige Bernhard von Clervaux, (1091 - 1153), Abt und Gründer eines Zisterzienserklosters, wurde mit einem Bienenkorb dargestellt und "honigfließender Lehrer" genannt.., Clervaux, der das einfache Leben liebte und stets predigte, dass sowohl die körperliche Arbeit, wie auch die geistige Gottesdienst sei.

Die Eigenschaften der Bienen und die Gesamtheit des Bienenschwarms galten von frühester Zeit als Vorbild für das Leben und die Gemeinschaft der Menschen.

So findet sich im Großen Buch der Bienen (2012) von Gay & Menckhoff folgender Eintrag:

"Die Biene trägt seit jeher göttliche Züge, bzw. ist Sinnbild für Götter und Herrscher, gilt aber ebenso als Abbild des idealen Untertanen, verkörpert die fleißige Hausfrau wie den verwegenen Mann, ihr Staat steht für die ideale Monarchie, wie er Gleichheit und Demokratie symbolisiert."

 1923 hielt Dr, Rudolf Steiner vor den Arbeitern am Bau des Goetheanums in Dornach/ Schweiz 8 Vorträge über das Wesen der Bienen aus der Vorsehung heraus, dass der immer weiter fortschreitende Materialismus in der Welt keinen Platz mehr bieten wird für eine Förderung der Bewusstseins- Seele des Menschen, ..Materialismus, der unweigerlich im kapitalistischen Weltsystem enden wird und alle Schöpfung geweiht sein wird dem reinen Zweck, der sich vereint mit dem Tanz um das goldene Kalb.

Erwähnt sei an dieser Stelle, dass der Geistesforscher und Gründer der Anthroposophie ein reines Opferleben führte aus dem Pflichtbewusstsein heraus der Welt gegenüber und auch mehrfach wegen Überarbeitung.., Arbeit über seine eigenen Kräfte hinaus, zusammen brach.

Seine Schriften über die Welt der Bienen sehe ich als ein Kulturerbe.

Möge sich Dieser oder Jener einfinden in sein Werk: "Die Welt der Bienen!"

Im Dank an Erika Bulow- Osborne für ihre künstlerischen Beigaben der ach so wichtigen Blütenpflanzen für Bienen, schließe ich mit einem Gedicht von Hilde Domin (aus: " Nur eine Rose als Stütze", 1997. Fischer Tb)

 

"Im Regen geschrieben"

 

Wer wie die Biene wäre, die die Sonne auch durch den Wolkenhimmel fühlt,

die den Weg zur Blüte findet und nie die Richtung verliert,

dem lägen die Felder im ewigen Glanz,

wie kurz er auch lebte, er würde selten weinen.

 

Möge dieser Superorganismus Mensch, gemeinsam an der Zerstörung Mutter Erde arbeitend, endlich umdenken, bevor eines der wichtigsten Lebewesen - die Biene - von der Weltbühne verschwindet.

Hier eine kleine Auswahl von Nektarblumen für Bienen von Erika Bulow Osborne

Kommentare: 2
  • #2

    Eva Schmelzer (Dienstag, 05 September 2017 15:08)

    Ich bin beeindruckt von Marions akribischer “Forschung” am Verhalten der Spinne. Wie schön, mal wieder auf eine Menschenseele zu treffen, die einem Tierchen, das andere tot treten, einen Namen gibt, die sich Gedanken über ihr Schicksal macht. Sofort habe ich an ein Erlebnis von vor über 20 Jahren gedacht: Eine alte Nachbarin, die eine kleine Wohnung ohne Balkon im Haus hatte, kam eines Tages zu mir mit einem Glas, in dem eine kleine Kreuzspinne saß. “Bitte setzen Sie sie auf Ihrer Terrasse aus”, bat sie mich, “Julchen (so hatte sie sie genannt) ist schon länger bei mir, aber sie wird dort verhungern.” So intelligent wie Marions Adele war Julchen allerdings nicht. Sie hatte ganz schnell ein festes Netz gesponnen, in dem sie lange Zeit glücklich wohnte und groß und dick wurde.
    Das eigentliche Thema dieses Beitrags, die Bienen, hat Marion wunderbar herausgearbeitet, so dass man sie nicht nur als wichtige Bestäuber zu unserem Nutzen sieht, sondern als eines der Wunder der Natur, deren Besonderheit (weit über wirtschaftlich-egoistische Gründe hinaus) nur wenige besondere Menschen erkannt haben. Ach - lebten wir Menschen nur so wie Bienen in einem Bienenstaat...
    Wunderschön bereichert hat diesen Beitrag einmal wieder unsere Erika. Auch dafür danke!

  • #1

    Erika (Samstag, 02 September 2017 18:31)

    In unseren Reihen haben wir mit Marion die ideale Beobachterin: ihre Spinne Adele und das klug verlagerte Spinnennetz brachten gute Beute. In gewisser Weise setzt sie Konrad Sprengels Erkenntnisse fort, der 1793 die gegenseitige Abhaengigkeit von Bluete und Biene erkannte. Er sah, dass Blau und Gelb besonders geschaetzte duftende Blueten boten.Christian Konrad Sprengel musste auf Charles Darwin und Kollegen wie Alfred Russel Wallace warten, bis er voll anerkannt wurde.
    Darwin selbst benutzte das gleiche staendige Beobachten. Der Blick aus seinem Fenster, sowie das grosse geraeumige Gewaechshaus waren ihm stets vor Augen und er setzte seine sieben Kinder ebenfalls fuer staendige Beobachtungen ein.
    Darwin sah, dass sich 2 Arten Himmelsschluessel entwickelten, um verschiedene Insekten anzulocken. Er hatte eine Orchidee 'Stern von Madagaskar', deren Sporn 25 cm lang war. Noch fehlte ein Bestaeuber. Er untersuchte die Orchidee genau, drang mit einem duennen, nach oben verdickten Gegenstand in den Sporn ein. Er wusste, es gab einen passenden Schwaermer. Erst 20 Jahre nach Darwins Tod fand man solchen Schwaermer, der sie bestaeuben konnte. Ich sah am 17.Oktober 2013 in dem Gewaechshaus in Darwins "Down House" eine aehnliche weisse Orchidee, die 'Elfenbein Orchidee' mit gruenlichweisser Lippe nach oben und langem, schmalen Sporn nach unten, der Nektar fuehrte.