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Aldi als Bienenschützer?!

Text und Foto: Gudrun Kaspareit

24.04.2017

 

Aldi
(c) Gudrun Kaspareit

 

Erst jetzt habe ich von dem Engagement Aldis gehört, Bienen schützen zu wollen. Schon im letzten Jahr hatte Aldi beschlossen, sein Obst und Gemüse nur noch von Lieferanten zu beziehen, welche auf bienenschädliche Spritzmittel verzichten.

 

Das Pestizid Verbot betrifft folgende Mittel:

 

  • Chlorpyrifos

  • Clothianidin

  • Cypermethrin

  • Deltamethrin

  • Fipronil

  • Imidacloprid

  • Sulfoxaflor

  • Thiamethoxam

 

(Quelle: Unternehmensangaben)

 

Um eine gute Lösung zu erarbeiten haben Aldi Süd und Aldi Nord sich mit Vertretern aus der Landwirtschaft, Pflanzenschutzberatern, Ämtern und Prüflaboren zusammengesetzt um den Bienenschutz zu fördern. "Der Einsatz dieser bienentoxischen Wirkstoffe auf dem Feld darf als Spritzanwendung nicht mehr stattfinden", erläuterte Ralf-Thomas Reichrath aus dem Qualitätswesen von Aldi Süd. Die Discounter-Kette Aldi Süd verlangt als erster großer Lebensmittelhändler von seinen Obst- und Gemüse-Lieferanten den Verzicht auf Bienen gefährdende Pestizide. Außerdem haben alle Beteiligten sich dazu verpflichtet, in Zukunft intensiv an der Reduzierung des Einsatzes dieser Wirkstoffe bei der Vorbehandlung von Saatgut und in der Jungpflanzenzucht zu arbeiten. Ab jetzt will Aldi kein Obst und Gemüse mehr verkaufen, dass mit bienengefährlichen Wirkstoffen aus der Gruppe der Neonikotinoide behandelt wurde. Damit nutzt der Lebensmittelriese sein Monopol und wird zum Vorreiter für den Bienen. - und Verbraucherschutz. Sogar Greenpeace lobte diese Aktion.

 

Ich kann nicht fassen, dass ich nichts von dieser positiven Entwicklung wusste und wundere mich, dass Aldi diese Bienenschutz Kampagne nicht werbewirksam ausgeschlachtet hat, so etwa wie REWE seinen Verzicht auf Plastiktüten. Da ich in den Medien keine aktuellen Infos zu diesem Thema gefunden habe, habe ich Aldi einfach selber gefragt. Hier ist die Antwort:

 



 

Sehr geehrte Frau Kaspareit,

vielen Dank für Ihre E-Mail.

Gerne möchten wir Ihnen folgende Informationen zukommen lassen:

Ein verantwortungsbewusster Umgang mit der Umwelt und den natürlichen Ressourcen der Erde ist für uns bei ALDI SÜD selbstverständlich und seit langer Zeit Bestandteil der Unternehmenspolitik – so auch das Thema bienentoxische Wirkstoffe.

Nach intensiven Gesprächen mit Pflanzenschutzberatern des Obst- und Gemüsebaus sehen wir uns in der Verantwortung, die Qualitätsstandards von Obst und Gemüse entsprechend aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse zu optimieren und den Bienenschutz aktiv zu fördern.

Wir haben uns daher gemeinsam mit ALDI Nord und mit den am Runden Tisch beteiligten Fachleuten darauf geeinigt, den Einsatz bestimmter Wirkstoffe beim Anbau von deutschem Obst und Gemüse auszuschließen. Am 1. Januar 2016 haben wir daher unsere Lieferanten informiert, dass wir die aktive Anwendung von acht bienentoxischen Wirkstoffen beim Anbau von deutschem Obst, Gemüse und Kartoffeln ausschließen. Mit diesen Substanzen behandeln Landwirte verschiedene Kulturpflanzen zum Schutz vor Schädlingsbefall. Besonders Pestizide der Gruppe der Neonicotinoide stehen jedoch im Verdacht, für den Rückgang von Bienen und anderen Fluginsekten wie Schmetterlingen mit verantwortlich zu sein.

Diese Anforderungen haben wir auch für die Produktion von Pflanzen und Blumen unabhängig vom Ursprung gestellt und unsere Lieferanten gebeten, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen, um die gestellten Anforderungen künftig einzuhalten. Bei Schnittblumen wird diese Anforderung bereits umgesetzt. Als Zeitpunkt für eine Umsetzung gilt bei sonstigen Pflanzen der 1. Januar 2017.

Von all unseren Lieferanten für Obst und Gemüse fordern wir GLOBALG.A.P zertifizierte Erzeugnisse. Mittels der GGN-Nummer lässt sich so auch der Produzent der Ware ermitteln. Sollten uns Auffälligkeiten oder Verstöße gegen unsere Anforderungen bekannt werden, behalten wir uns selbstverständlich entsprechende Konsequenzen vor.

Im Bereich der Schnittblumen fordern wir MPS-A oder Global GAP-Zertifizierung.

Weitere Informationen zu unserem Engagement in dem Bereich finden Sie auch auf unserer Unternehmenswebseite www.aldi-sued.de/Lebensmittel-Qualitaet

Seien Sie bitte versichert, dass wir die Entwicklung in diesem Bereich intensiv beobachten.

Wir hoffen, dass wir Ihnen hier mit unseren Ausführungen helfen konnten.

Mit freundlichen Grüßen aus Mülheim an der Ruhr

i. A. Barbara Rupprecht


Kundenservice

ALDI SÜD Dienstleistungs-GmbH & Co. oHG
Unternehmensgruppe ALDI SÜD

Burgstraße 37
45476 Mülheim an der Ruhr
Telefax +49 1803 252722 (0,09 €/Min. aus dem dt. Festnetz, höchstens 0,42 €/Min. aus Mobilfunknetzen)
E-Mail mail@aldi-sued.de

 

Kommentare: 6
  • #6

    Gudrun (Samstag, 06 Mai 2017 14:26)

    Hi Andreas, ich kann Deine Skepsis gut vertehen, auch ich war ziemlich misstrauisch. Aber gerade die Tatsache, dass Aldi das nicht werbetechnisch ausgeschlachtet hat und kaum einer davon weiß, hat mich zum Nachdenken gebracht.

  • #5

    Andreas Koch (Samstag, 06 Mai 2017 12:56)

    Und wie will Aldi das kontrollieren wo die Bienen ihr Nektar holen und was in der 5km umliegende Nachbarschaft des Imkers verspritzt und verstreut wird? Aldi kann nur kontrollieren das der Imker selbst diese aufgeführten Spritzmittel nicht erwirbt, daher ist das für mich eine Ente für Kunden von der Konkurenz weg zu locken. Ich bin von dieser Meldung nicht überzeugt, Gudrun.

  • #4

    Hans-Dieter Wiesemann (Dienstag, 02 Mai 2017 18:23)

    Da bin ich sehr positiv überrascht! Wieso wird so ein bedeutender Schritt in die richtige Richtung nicht von ALDI bekannt gemacht? Sollte es sich hierbei um einen "fake" handeln? Wurde der Schritt schließlich doch nicht umgesetzt? Viele Fragezeichen bleiben.

    Ich beobachte jedenfalls auch in der Natur eine große Verarmung an Insekten, insbesondere Wildbienen und Schmetterlinge, genau wie dies Biologen im Raum Aachen 2016 nach 15 Jahren Dokumentation veröffentlicht haben: 70 - 80 % weniger Insekten-Biomasse in großen FFH-Naturschutzgebieten im Rheinland in den 15 Jahren.

  • #3

    Erika (Dienstag, 02 Mai 2017 11:05)

    Es war ein grossartiger Beginn des Mai Newsletters. Erst einmal gebuehrt den beiden Aldis in Deutschland hoechster Dank. Und so unbemerkt, dass niemand es ahnte. Ich unterstuetze Evas Auffoerderung, diese insektenfreundliche Kampagne oeffentlich bekanntzugeben, damit auch weitere Unternehmen solche Vorstoesse zur Hilfe der bestaeubenden Insekten einfuehren.Je schneller, um so wirksamer.Mein Dank geht auch an Gudrun fuer ihre sehr positive Initiative.

  • #2

    Mone Dopp (Dienstag, 02 Mai 2017 06:53)

    Wow - Danke für die Recherche und die Info liebe Gudrun und danke ALDI, für dieses großartige und verantwortungsvolle Engagement für unsere Bienen und Insekten und für unser Essen.
    Wird gerne geteilt!

  • #1

    Eva Schmelzer (Montag, 01 Mai 2017 13:30)

    Eine großartige Nachricht! Ich bin ebenso fassungslos wie Gudrun, nichts davon gehört zu haben und auch, dass das Unternehmen dies nicht für eine Image-Kampagne genutzt hat. Kann man hoffen, dass sich dieser Schritt auch weltweit ausbreitet? Immerhin ist Aldi auf drei Kontinenten vertreten, in Europa, in den USA und in Australien - insgesamt in 20 Ländern. Und das Bienensterben (und das anderer Bestäuber) ist ein weltweites Trauerspiel. Aber erstmal Danke für diesen großen Schritt in Deutschland. Und bitte etwas weniger Bescheidenheit, liebes Aldi, denn durch Bekanntmachung Eures Engagements könnten sich andere Unternehmen genötigt fühlen, nachzuziehen! Ich hab mich sofort auf der Aldi-FB-Seite bedankt.